So geht guter Journalismus

In meinem Buch „Lückenpresse“ kritisiere ich schlechten Journalismus. Was ich unter gutem Journalismus verstehe, sage ich eher indirekt. Lediglich im letzten Kapitel entwickele ich einige Maximen.

Der Einwand liegt auf der Hand: „Alles gut und schön, aber kannst Du uns mal ein Beispiel nennen? Wie sieht guter Journalismus konkret aus, also in der Praxis?“ Bitte, hier sind gleich zwei Beispiele. Sie stammen aus ein und demselben Medium, dem „Independent“.

Der „Independent“ ist neben dem „Guardian“ das renommierteste Mainstream-Medium in Großbritannien. Die beiden Artikel sind am 01. bzw. 02.12.2016 veröffentlicht worden und stammen von den Nah-/Mittelost-Korrespondenten der Zeitung, Robert Fisk und Patrick Cockburn.

Fisk und Cockburn gehören fraglos zu den besten Auslandskorrespondenten der Welt. Im Berichtsgebiet Naher/Mittler Osten sind sie meines Erachtens die besten überhaupt.

Fisks Beitrag ist eher grundsätzlicher Art, weist „über den Tag hinaus“. Er steht unter dem Titel:

Does Aleppo prove the Westerners should keep the world’s antiquities?

Fisk, ansonsten in Beirut ansässig, war kürzlich in Berlin und besuchte das dortige Pergamon-Museum. Dieser Besuch inspirierte ihn zu sehr grundsätzlichen Fragen und Reflexionen.

Cockburns Artikel ist politisch im engeren Sinne:

Why everything you’ve read about Syria and Iraq could be wrong

Cockburns Beitrag sagt uns einiges über die reale Lage in Syrien und im Irak und geht mit der aktuellen Berichterstattung westlicher „Leit- und Qualitätsmedien“ hart ins Gericht.

Ja, das ist guter Journalismus! Warum findet man ihn so selten in Mainstream-Medien? Diese Frage habe ich in meinem Buch beantwortet: Weil viele, allzu viele Journalisten gar nicht so schreiben wollen oder nicht so schreiben dürfen, wie es Fisk und Cockburn immer wieder tun. Und selbst wenn sie es wollten oder dürften, könnten sie es nicht. Mehr noch: Viele Kollegen, die sich Tag für Tag mit Syrien oder dem Irak beschäftigen, nehmen die Beiträge Fisks und Cockburns nicht einmal zur Kenntnis, geschweige denn, dass sie sich von diesen beiden Korrespondenten der Spitzenklasse in ihrer Einseitigkeit und Rechthaberei irre machen ließen.

Ein Kommentar zu „So geht guter Journalismus

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s