Pack schlägt zu

Das gefällt auch dem Deutschen

In den vergangenen Monaten hat es mich immer wieder erstaunt, dass viele kluge Zeitgenossen, unter ihnen professionelle Beobachter, deren Urteil ich sehr schätze, die Präsidentschaft Donald Trumps begrüßt und mit ihr gewisse Hoffnungen verbunden haben. Insbesondere auf dem Feld der Außenpolitik, so ihre Erwartung, werde sich einiges zum Besseren wenden: Verständigung mit Russland, Ende der „Regime Change“-Projekte, weniger Krieg.

Diese Erwartung wurde bestärkt durch den Umstand, dass Trump dem US-Establishment suspekt und seine Wahl im politischen Drehbuch nicht vorgesehen war. Dass sich ein Außenseiter gegen die etablierten Mächte durchsetzen konnte, schien ein gutes Zeichen. Und ebenso die Tatsache, dass die etablierten Mächte sich mit dem neuen Präsidenten partout nicht abfinden wollten.

Ich gestehe, dass ich grinsen musste, als der Wahlsieg Trumps feststand. Aber das war eher Schadenfreude. Ich habe keine Sekunde geglaubt, dass sich unter seinem Zepter irgendetwas zum Positiven ändern könnte. Schon gar nicht, dass er den „Sumpf trockenlegen“, den „Stall ausmisten“, sich mit dem Deep State anlegen oder die Macht an das Volk zurückgeben werde. Auch außenpolitisch habe ich nichts erwartet. Wie will man mit Russland die Beziehungen verbessern, wenn man zugleich dessen Verbündete Iran und China ins Visier nimmt?

Es stimmt, dass wir in den vergangenen Wochen wüste Machtkämpfe in den USA erlebt haben. Aber worum ging es dabei? Um die großen strategischen Orientierungen? Um echte Alternativen? Natürlich nicht. Aus meiner Sicht spricht vieles dafür, dass sich der Staub bald legen und man sich arrangieren wird. Wie ich auf dieser Seite vor ein paar Wochen schrieb: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“

 

Jetzt hat das Pack zugeschlagen

Mit dem völkerrechtswidrigen Tomahawk-Angriff auf die Arabische Republik Syrien hat sich Donald Trump bei vielen seiner Kritiker und Gegner Respekt verschafft. Er hat sich, wenn man so will, in ihre Herzen geschossen. Auch Angela Merkel und die regierungsnahen Nachrichtensendungen „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ waren angetan. Erst schießen, dann fragen – das gefällt dem Deutschen. Ja, mit diesem Trump können wir uns anfreunden. Der Mann gewinnt erkennbar an Statur. Am Ende doch ein „großer Präsident“?

Wir, die wir anders sind, sollten endlich begreifen, was die Stunde geschlagen hat. Es wird unter Trump nicht besser, sondern schlechter. Es wird ernst und gefährlich.

Was die Vorgänge in Syrien betrifft, werde ich hier in den nächsten Tagen noch einiges veröffentlichen. Heute und auf die Schnelle nur drei Hinweise.

Zunächst auf einen Artikel des stets glänzend informierten Robert Parry; er konzentriert sich auf die Chemiewaffen-Attacke in der Provinz Idlib und auf die Frage, ob die Schuldzuweisung ans Assad-Regime haltbar ist, analysiert aber auch die aktuellen Machtverhältnisse und –rivalitäten innerhalb der Trump-Administration.

Ein – wie immer – fulminanter Text von Mike Whitney geht genauer auf die internationalen Implikationen der US-Raketenattacke ein.

Und schließlich sei noch auf eine Analyse Gilbert Doctorows verwiesen. Doctorow gehört zu jenen eingangs erwähnten Experten, die sich von Trumps Außenpolitik einiges erwartet hatten – und die jetzt einsehen, dass sie einem fatalen Irrtum unterlegen sind. Am Ende seiner Analyse heißt es:

… the White House must be told that arranging foreign policy moves out of purely domestic calculations, such as likely happened yesterday, puts the nation’s very existence at risk. Acting tough, striking out at Russia and its allies, is not the way to form a coalition to pass a tax reform act. The same may be said of an alternative reading of the missile attack yesterday: that it was intended as a message to visiting Chinese President Xi that should there be no joint action to restrain North Korea, the United States will act alone and with total disregard for international law.  Either logic in the end is a formula for suicide.”

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