59 Tomahawks – auf ihrem Weg zum Horizont…

Wie schnell sich die Zeiten doch ändern! Seit Wochen hören und lesen wir, zwischen Donald Trump und „den Medien“ herrsche Krieg. Trump gegen CNN zum Beispiel – oder CNN gegen Trump. Wie Feuer und Wasser, die beiden. Wo soll das noch hinführen, wie lange kann das gut gehen?

Und jetzt? Was ist jetzt? Nach den 59 Tomahawks…

Schauen wir genauer hin. Nehmen wir, pars pro toto, den CNN-Star Fareed Zakaria.

Ich erinnere mich, dass Zakaria so Trump-kritisch war, dass er Mitte 2016 sogar glaubte, Wladimir Putin wg. Trump zur Rede stellen zu müssen. In einer hochrangig besetzten Podiumsdiskussion während des alljährlichen Wirtschaftsforums in St. Petersburg wollte er vom russischen Präsidenten Genaueres über dessen angebliche Trump-Sympathien wissen.

Zakaria hätte besser seinen Mund gehalten. Denn mit sichtlichem Spaß zog ihn Putin minutenlang nach Strich und Faden durch den Kakao. Das Publikum kam voll auf seine Kosten, quittierte die kabarettistische Einlage des Präsidenten mit Szenenapplaus und viel Gelächter. Zakaria fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut.

Auf Youtube hat Putins Zakaria-Nummer schon über fünf Millionen Aufrufe. Im deutschen Fernsehen hat man sie – welche Überraschung! – noch nie gesehen, nicht mal in der „heute show“.

[Nö, so was zu zeigen, das traut sich der olle Welke nicht.]

Aber, wie gesagt, die Zeiten ändern sich. Nachdem Donald Trump 59 Tomahawks gen Syrien geschickt hatte, kam auch Fareed Zakaria vermutlich ins selbstkritische Grübeln. Habe ich diesem Mann womöglich Unrecht getan? Am Freitag, den 7. April 2017, sprach er dann einen Satz, der es verdient, in Stein gemeißelt zu werden:

„Ich glaube, Donald Trump wurde vergangene Nacht Präsident der Vereinigten Staaten.“

Na also, es geht doch. Das Zakaria-Zitat habe ich einem Artikel entnommen, den Paul Street im Magazin Counterpunch veröffentlicht hat: „Trumpenstein’s Tomahawk Dog-Wag: On Real and Fake News“.

In seinem Beitrag zitiert Street auch noch einen anderen kriegslüsternen Medienstar der USA, von dem der Lack aber schon ein bisschen ab ist: Brian Williams. Erinnern Sie sich? Williams war mal Anchorman der NBC Nightly News, machte sich da aber unmöglich, als herauskam, dass er ein kleiner Lügenbaron ist. Jetzt isser bei MSNBC.

Ob Zakaria oder Williams, die beiden (und viele andere) versinnbildlichen Paul Street zufolge den Niedergang des Mainstream-Journalismus. Und hätte es noch einen letzten Beweises für die Verfallsthese bedurft – jetzt, nach den 59 Tomahawks, ist sie erbracht und wir können den Sack zumachen.

„MSNBC’s disgraceful imperial cheerleader Brian Williams set a new standard for obsequious war worship. ‘We see these beautiful pictures, at night, from the decks of these two U.S. Navy vessels in the eastern Mediterranean’, Williams ejaculated during a Thursday night broadcast. The anchor even quoted a line from Leonard Cohen, ‘I am guided by the beauty of our weapons.’ Williams continued: ‘They are beautiful pictures of fearsome armaments making what is for them a brief flight over to this air field.’”

Streets Kommentar: „It’s hard to imagine a corporate media operative sinking any lower than that.”

Er habe sich, erzählt Paul Street, gerade in einem – mit TV ausgestatteten – Fitness-Center abgestrampelt, als er erfuhr, dass das „Orange Haired Beast“ (so nennt er Trump) „had gone Tomahawk”. Einer jungen College-Studentin, die sich neben ihm abmühte, gab er den Tipp, doch mal für einen Moment CNN zu schauen, könnte sein, dass Trump gerade den Dritten Weltkrieg beginnt. Die Studentin bleibt cool: „Who cares? I don’t pay attention to that crap.”

Obwohl ihm die Antwort der jungen Frau „kriminell apathisch” vorkam, konnte Street sie doch irgendwie verstehen, denn: „The dominant U.S. media is a relentless purveyor of endless bullshit on numerous levels but with especially noxious distortion when it comes to U.S ‘foreign affairs’ – an overly polite establishment term for American imperialism.”

Kein Krieg – sieht nur so aus

Was ist also jetzt mit dem angeblichen Krieg zwischen Trump und den Medien im Allgemeinen – und Trump und CNN im Besonderen? Nathan Robinson hat sich über das Thema schon am 2. März 2017 seine Gedanken gemacht, die – aus heutiger Sicht – geradezu prophetisch anmuten.

Nein, so Robinson, es gibt keinen Krieg zwischen Trump und CNN. Was sich zwischen den beiden abspielt, sieht nur so aus wie Krieg. Aber es ist keiner. Das liegt daran, dass Trump und CNN im Wesentlichen das gleiche Ziel verfolgen. Es geht ihnen darum, eine richtig gute Show auf die Bühne zu bringen.

„… it’s an undeniable fact that CNN exists to serve the interests of the Turner Broadcasting System, which in turn exists to serve the interests of Time Warner, Inc., which exists to serve the interests of the shareholders of Time Warner, Inc. And Donald Trump exists to serve the interests of Donald Trump, whose primary interest is in appearing on television a lot and being famous and powerful. These two sets of interests are perfectly symbiotic, and there is no reason that there should be any serious conflict between them. Donald Trump wants to be on television. CNN wants people to watch television. And because people watch television when Donald Trump is on it, neither CNN nor Trump has any reason to make any effort to seriously undermine the other.”

Nun könnte man einwenden, dass CNN nicht nur eine ökonomische Motivation hat, sondern irgendwo, und sei sie noch so verborgen, auch eine journalistische, und dass die journalistische der ökonomischen ins Gehege kommen könnte. Wär doch möglich, dass jemand bei CNN sagt: Trump ist zwar gut fürs Geschäft, aber schlecht für Amerika. Deshalb müssen wir ihn bekämpfen – Geschäft  hin, Geschäft her.

Hat das wirklich jemand so gesagt? Echt jetzt?

Robinson glaubt das nicht. Die ökonomische Motivation gibt letztlich den Ausschlag, sagt er. Für CNN heißt das: Ja, wir bekämpfen Trump, aber wir bekämpfen ihn nicht mit dem Ziel, ihn zu schlagen.

„…since it’s the economic dimension that directs most corporate action, especially when there are billions of dollars to be made, CNN has a lot to gain from being just antagonistic enough toward Trump to guarantee some good entertainment without being so antagonistic as to bring him down…”

Das alles wurde vor der Sache mit den 59 Tomahawks geschrieben. Jetzt, nach der Sache mit den 59 Tomahawks, ist (fast) alles wieder im Lot. Jetzt wächst wieder zusammen, was zusammengehört: das Ökonomische und das Journalistische. Ab jetzt gilt: Trump ist nicht nur gut fürs Geschäft, er ist auch gut für Amerika. CNN-Zakaria hat es ausgesprochen:

„Ich glaube, Donald Trump wurde vergangene Nacht Präsident der Vereinigten Staaten.“

Tja, so’n richtiger CEO des Empire wird man eben erst, wenn man in einem fremden Land einen Haufen Leute umgebracht hat.

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