Sechs-Tage-Krieg 1967

Ein Themenabend bei ARD-alpha

Es war eine Sternstunde des politischen Fernsehjournalismus. Am 09. Juni 2017 brachte ARD-alpha einen Schwerpunktabend zum 50. Jahrestag des von Israel im Juni 1967 ausgelösten „Sechs-Tage-Krieges“, der mit einem militärischen Triumph über die arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien endete. Welche Ursachen, Hintergründe und vor allem: welche mittel- und längerfristigen Folgen hatte dieser Krieg? Und wie steht es heute? Welche Chancen gibt es für eine Regelung  des israelisch-palästinensischen Konflikts, welche Hindernisse liegen einer friedlichen und gerechten Lösung im Weg?

Im Zentrum des bemerkenswerten Abends stand eine intensive, einstündige Diskussionsrunde, wie sie im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen inzwischen leider absoluten Seltenheitswert hat. Schon die Auswahl der Diskutanten ließ aufhorchen: Auf der einen Seite die junge, in Deutschland aufgewachsene und dann nach Israel emigrierte Politikberaterin Melody Sucharewicz; sie vertrat engagiert und zuweilen scharfzüngig und provokativ die Linie der aktuellen israelischen Regierungspolitik. Als ihr Gegenpol fungierte die Politikwissenschaftlerin Helga Baumgarten, eine ausgewiesene Expertin für Palästina-Fragen und seit 1993 Professorin an der Bir Zeit Universität Ramallah. Ihr zur Seite stand der sensibel und klug argumentierende Architektur-Professor Omar Yousef. Und schließlich war da noch, gleichsam als primus inter pares, der frühere Deutschland-Botschafter Israels, Avi Primor, der auch diesmal durch seine nachdenklichen, selbstkritischen und nüchternen Urteile beeindruckte.

Die Diskussionsrunde hatte sich im Freien versammelt, hoch über den Dächern Jerusalems. Die Debatte zeichnete sich durch Kompetenz, Ernsthaftigkeit und eine vorbildliche Streitkultur aus: in der Sache scharf, aber immer mit der Bereitschaft, das Argument des Gegners anzuhören und gelten zu lassen. Zwei-, dreimal gerieten die Diskutanten heftig aneinander, doch es gelang der Moderatorin Susanne Glass scheinbar mühelos, die Wogen zu glätten und die Auseinandersetzung in ruhigere, konstruktive Fahrwasser zurückzuleiten.

Überhaupt – diese Moderatorin! Bestens informiert und vorbereitet, einem klar erkennbaren Konzept folgend, präzise Fragen stellend und beharrlich nachhakend, wenn ein Gesprächspartner ausweichend antwortete. Sie ließ ihre Gäste ausreden, beherrscht aber auch die Kunst, im richtigen Moment zu unterbrechen. Sie kann sich zurücknehmen und die Diskussion laufen lassen oder ebenso rigoros wie charmant eingreifen, wenn sie über die Stränge zu schlagen droht. Und vor allem: Sie führte das Gespräch entschieden ergebnisorientiert, auch dies eine Tugend, die inzwischen in den quoten-fixierten Polit-Talkshows des deutschen Fernsehens nebensächlich zu sein scheint.

Selbst wer sich seit langem und intensiv mit der in der Sendung verhandelten Problematik beschäftigt, wird an diesem Abend viel Neues, Anregendes, Bedenkenswertes erfahren haben. Ja, so kann öffentlich-rechtliches Informationsfernsehen auch sein – wenn es denn wirklich will.

Der Diskussionsrunde voran ging eine Dokumentation zum Sechs-Tage-Krieg (bzw. Junikrieg, wie Helga Baumgarten ihn nennt), die eine solide Informationsbasis bereitstellte. Im Anschluss konnte man dann noch ein weiteres Highlight erleben, die Wiederholung von Richard Schneiders großartigem Feature „In Erwartung des Messias“ über die israelische Siedlerbewegung (produziert 2010).

2 Kommentare zu „Sechs-Tage-Krieg 1967

  1. Ich habe ganz zufällig den Bericht über die Siedler gesehen. Mußte mir erst einmal die Augen reiben.
    Das ich dies nochmal im öffenlich-rechtlichen Fernsehen erleben durfte…
    Kleiner Wermutstropfen: Spartensender, den vermutlich viele gar nicht, oder sehr selten wahrnehmen. Dennoch, es gibt ihn (sachlichen und informativen Journalismuss). Bitte wieder mehr davon!!!!!!

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