Leistungsgerecht?

Was Top-Journalisten so alles verdienen

Das „Kanzlerduell“! Sie erinnern sich? Eine Stunde plätscherte das stupide Frage- und Antwortspiel dahin, bis dann doch noch das Stichwort „soziale Gerechtigkeit“ fiel. Es blieb Sandra Illner – oder war es Maybrit Maischberger? – vorbehalten, den sogenannten Kanzlerkandidaten der SPD wie folgt anzugehen: „Deutschland boomt, es gibt ein Wirtschaftswachstum, das sich gewaschen hat …, und doch sagen Sie, es geht ein tiefer Riss durch unsere Gesellschaft. Leben Sie vielleicht in einem anderen Land, mit anderen Nachbarn?“

Wolfgang Michal hat diese Episode im „Freitag“ treffend kommentiert: „Wäre Martin Schulz schlagfertig gewesen“, schrieb er, „hätte er diese unverschämte Frage sofort auf die vier Moderatoren zurückschnellen lassen: Ob nicht sie es seien, die hier in einer sozialen Filterblase lebten, in einem Wohlstands-Märchenland mit schicken Villen und Gärten und bestens beleumundeten Nachbarn? Denn es fragten ja keine normalen Journalisten, sondern saturierte Millionäre, die mit Armen, Arbeitslosen, prekär Beschäftigten, Alleinerziehenden oder Flüchtlingen kaum in Berührung kommen dürften.“

Jeder der vier Fragesteller (Illner, Maischberger, Kloeppel, Strunz) ist Millionär, jeder von ihnen verdient nicht nur mehr als Kanzlerin und Kanzlerkandidat zusammen, sondern, so darf man hinzufügen, bewegt sich in Einkommenssphären, von denen richtige Journalisten nur träumen können. Alle vier, sagt Michal, seien „erfolgreiche Unternehmer in eigener Sache“. Und politisch korrekt fügt er hinzu: „Das ist auch gar nicht zu kritisieren.“

Warum nicht? Warum sollte man das nicht kritisieren? Etwa weil das alles „leistungsgerecht“ ist? Zugegeben, Deutschland geht es noch relativ gut. Anderswo ist es viel schlimmer, in den USA zum Beispiel. Dort nähern sich die Einkommensverhältnisse der Top-Fernsehjournalisten inzwischen denen der so verachteten „Bankster“.

Matt Lauer von NBC liegt bei etwa 20 Millionen Dollar pro Jahr, Bill O’Reilly von FOX News zwischen 18 und 20 Millionen. Shepard Smith und George Stephanopoulos begnügen sich mit bescheidenen 10 Millionen, Anderson Cooper ebenso. Megyn Kelly, früher bei FOX, kriegt bei NBC jetzt etwas mehr, so zwischen 15 und 20 Millionen.

Sie alle geben sich als „Journalisten“ aus. Sie alle gerieren sich als „Anwälte des Publikums“. Sie alle buhlen um unser „Vertrauen“.

Gimme a break, wie die Amis gerne sagen.

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