Eine notwendige Debatte (samt Update)

Paul Schreyer und die NachDenkSeiten

In den vergangenen Wochen hatte ich an dieser Stelle in zwei Beiträgen die Kontroverse zwischen der Redaktion der NachDenkSeiten (NDS) und ihrem Mitarbeiter Paul Schreyer kommentiert – hier und hier. Es handelt sich aus meiner Sicht um eine notwendige Debatte, und mit meinen Veröffentlichungen wollte ich (wie einige andere Autoren und NDS-Leser auch) dazu beitragen, sie in eine konstruktive Richtung zu lenken. Das ist leider misslungen. Gestern haben die NDS ihre mehrjährige Zusammenarbeit mit Paul Schreyer beendet.

Der betroffene Autor hat diese – aus meiner Sicht fatale – Entscheidung heute auf seinem Blog wie folgt kommentiert:

Seit dem Frühjahr 2016 gehöre ich zum Team der NachDenkSeiten. Ich schreibe hin und wieder Artikel für das Portal und stelle einmal die Woche die „Hinweise des Tages“ zusammen, eine Art Presseschau, die jeden Wochentag ein anderer Redakteur betreut und wo das politische Tagesgeschehen kritisch kommentiert wird. Damit ist es nun leider vorbei. Die Redaktion der NachDenkSeiten teilte mir gestern mit, die Zusammenarbeit mit mir zu beenden.

In einer gemeinsamen E-Mail werfen mir Albrecht Müller und Jens Berger vor, „Stimmungsmache“ gegen die NachDenkSeiten zu betreiben, was eine weitere Mitarbeit unmöglich mache. Sie beziehen sich dabei auf meine Stellungnahme zur Löschung und anschließenden Wiedereinstellung eines Artikels von mir. –>Weiterlesen

UPDATE: Am 17.12.2017 habe ich für die SWR 2-Sendung Mehrspur die NDS-Kontroverse im Gespräch mit Wolfram Wessels aufgearbeitet – hier nachzuhören.

3 Kommentare zu „Eine notwendige Debatte (samt Update)

  1. Ja, die Debatte ist notwendig, doch die Art und Weise, wie sie geführt wird, schadet der NDS-Redaktion wie ihrem (ehemaligen) Mitarbeiter Paul Schreyer, weil diese zum Glaubwürdigkeits- und Vertrauensverlust führt. Ein verletztes Ego kann sehr unerbittlich und destruktiv sein. Wie schon erwähnt: Es gibt keine Unfehlbarkeit. Zur Dynamik dieses Konfliktes (den ich für lösbar erachte), haben alle Beteiligten beigetragen. Anstatt der gegenseitigen Vorhaltungen und Mutmaßungen im Hin- und Herschreiben, halte ich es für angebracht, dass sich die NDS-Redaktion und Paul Schreyer (unter Zuhilfenahme einer kompetenten Moderation) zusammen setzen, um die Vorwürfe und Differenzen in Offenheit anzugehen.

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    1. Ich stimme Ute vollkommen zu.
      So wie ich diese Diskussion verstanden habe, hat die Redaktion der NDS Schreyer eine Nähe zur AFD angedichtet, nur weil dieser die Zensurmethoden in Frage gestellt hat, nach denen ein Bestseller eines AFD-nahen Schriftstellers in einem Buchregal nicht aufgeführt wurde.
      Wenn man diesen Zustand nicht kritisiert, werden als nächstes systemkritische und vielleicht friedensbejahende Werke zensiert oder Webseiten verboten. So wenig Voraussicht hätte ich von den NDS nicht erwartet.

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  2. Ich bin durch Zufall auf diesen Konfloikt gestoßen und habe mich sehr gewundert. Zum einen, dass heimliche Bestseller-Zensur mit der Person des Buchautors vermengt wird. Das sind 2 Paar Schuhe. Aber zum anderen verwundert mich auch, wie unkritisch die „AfD-Nähe“ des Buchautors als Tatsache hingenommen wird. Ich hatte mir das Buch aufgrund überwältigend positiver Bewertungen auch zugelegt, ohne den Ruf des Autors zu kennen. Der Umstand, dass das Vorwort von Willy Wimmer geschrieben ist, war für mich ein weiteres Argument zum Kauf. Das, was ich von Herrn Wimmer gelesen und gesehen habe, schätze ich als heutzutage sehr seltene, aufrichtige Äußerungen für Frieden und Demokratie. Ich wäre nicht im Traum darauf gekommen, dass Herr Wimmer einem ideologisch fehlgeleiteten Demagogen (so versteht man doch wohl die AfD, oder?) ein Vorwort schreibt…
    Aufgrund dieses unsäglichen Konflikts, der aus meiner Sicht eher in den Kindergarten gehört als zu verständigen Erwachsenen, werde ich das Buch nun gerade lesen, und es interessiert mich nicht die Bohne, in welche Schublade der Autor gesteckt wird. Gestatten, dass ich mir erlaube, meine Meinung anhand des Inhalts des Buches zu bilden?
    Hier in der „alternativen Ecke“, die die Fahne der Demokratie hochhält und zu Recht viele grundlegene Missstände anprangert, sollte man doch die Gefahr kennen, die davon ausgeht, dass missliebige Autoren oder Journalisten in bestimmte diffamierende Schubladen gesteckt werden. So geschehen mit Daniele Ganser oder Ken Jebsen. Keine Inhaltliche Auseinandersetzung, sondern Diffamierung der Person.
    Ich habe bei der ganzen Diskussion nicht ein einziges Mal etwas zum Inhalt des Buches gelesen. Nur diesen Reflex „Igitt, der Autor steht der AfD nahe. Bloß nicht lesen!“. Auch hier findet keine inhaltliche Auseinandersetzung statt. Null. Was bitteschön macht ein solches Verhalten besser oder moralischer als die Diffamierung von Ganser oder Jebsen?
    Eine Debatte und ein Meinungsaustausch müssen mögich sein. Ja, auch und gerade über Inhalte des (vermeintlichen) ideologischen Gegners. Nur dann kann man von Meinungsfreiheit reden. Dazu muss man die Inhalte aber erstmal kennen und dann darüber diskutieren. Nicht einfach die Person in Bausch und Bogen verurteilen. Das ist genau das Meinungsdiktat, das die MSM vorleben. Gratulation, dass es die, die es eigentlich besser wissen müssten, letztlich genauso machen wie die, denen sie so etwas vorwerfen.
    Herr Schreyer stand über diesem Kindergarten. Er hat verstanden, was Meinungsfreiheit bedeutet. Die Engstirnigkeit der NDS-Macher hat mich hingegen sehr verwundert. Eigentlich hätten sie Herrn Schreyer den Rücken stärken müssen und den Artikel erst gar nicht herausnehmen dürfen.

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