Robert Parry (1949 – 2018)

Am vergangenen Samstag ist der große US-amerikanische Journalist Robert Parry im Alter von 68 Jahren verstorben.

Aus dem bewegenden Nachruf, den sein Sohn Nat auf consortiumnews.com veröffentlichte, erfahren wir, dass Robert Parry seit mehreren Jahren, ohne es zu ahnen, an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war. An Weihnachten hatte er, völlig überraschend und ohne vorherige Anzeichen, einen leichten Schlaganfall erlitten. Parry, der immer gesund gelebt hatte, glaubte diese Attacke auf zu viel Stress und Überarbeitung zurückführen zu können. Im Laufe der letzten Wochen wurde dann offenbar, dass die Ursachen tiefer lagen.

Wer professionellen, integren Journalismus zu schätzen weiß, wird diesen Verlust als unersetzlich empfinden müssen. Robert Parry vereinigte alle Tugenden, die echte journalistische Größe ausmachen: ein profundes historisches Wissen, ausgedehnte Welterfahrung, ein genauer, unbestechlicher Blick auf die Tatsachen und ihre Zusammenhänge, höchste persönliche Integrität. Und vor allem: Parry hatte den Mut, Dinge offen aus- und anzusprechen, die andere, aus welchen Gründen auch immer, lieber verschweigen.

Wahre journalistische Größe ist immer auch menschliche Größe. Was mir besondere Bewunderung abnötigte, war Parrys ungeheure Selbstdisziplin: Kaum je ließ er sich zu polemischen, sarkastischen oder zynischen Bemerkungen hinreißen. Er schrieb „sine ira et studio“, fügte beharrlich Argument an Argument, und er hielt stets fest an seiner Überzeugung, dass die Kraft der besseren Argumente und die klar und deutlich ausgesprochenen Tatsachenwahrheiten auf Dauer den harten Stein brechen würden. Sein Erfolg gab ihm Recht. Sein Portal consortiumnews ist seit über zwei Jahrzehnten eine der ersten und besten Adressen für unabhängigen Journalismus. Parry hatte es 1995 gegründet, als er einsehen musste, dass im medialen Mainstream für seine Art des Journalismus kein Platz mehr war.

Robert Parry war und ist ein journalistisches Vorbild. Sein Geist lebt weiter – in uns, die wir anders sind als die anderen.

2 Kommentare zu „Robert Parry (1949 – 2018)

  1. Ein wahrlich großer Verlust. Im Zeitalter Trumps, in dem sich auch progressive Kollegen allzu oft dazu verführen lassen, das Heil in der Demokratischen Partei zu suchen, wird die unabhängige Stimme Parrys kaum zu ersetzen sein.

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