Das schlimme Ende

Machiavelli über Merkel

Niccolò Machiavelli lebte vor 500 Jahren in Florenz. Er war ein mutiger Mann, der kein Blatt vor den Mund nahm. Er hat, wie man heute sagen würde, Tacheles geredet. Hätte es damals schon Massenmedien oder gar den Begriff „Verschwörungstheoretiker“ gegeben – Machiavelli wäre nicht ungeschoren davongekommen. Nicht nur wäre er nie in eine Polit-Talkshow eingeladen worden, er hätte auch viele bösartige Artikel über sich lesen müssen. Und Schlagzeilen wie Der Florentiner mit dem Aluhut wären an der Tagesordnung gewesen.

Doch auch ohne Massenmedien und ihre Lieblingsetiketten – verfemt wurde Machiavelli natürlich trotzdem, sogar über Jahrhunderte. Mittlerweile gilt er zwar als „Klassiker“, aber „umstritten“ ist er nach wie vor. Soll heißen: Machiavelli (1469-1527) mag zwar ein toter Hund sein – aber er beißt noch.

Nehmen wir sein berühmtestes Werk, Il Principe / Der Fürst (geschrieben 1513, gedruckt 1532). Im XXII. Kapitel dieser skandalträchtigen Schrift macht Machiavelli einige Ausführungen zur Intelligenz von politischen Herrschern. Er trifft folgende Unterscheidungen:

„Es gibt drei Arten der Intelligenz [von Herrschern]: die eine versteht alles von selber, die zweite vermag zu begreifen, was andere erkennen, und die dritte begreift weder von selber noch mit Hilfe anderer. Die erste Art ist hervorragend, die zweite gut und die dritte unbrauchbar.“

Folgt man dieser Einteilung, dann wäre Putin hervorragend, weil er alles von selber versteht. Trump hingegen wäre unbrauchbar, weil er weder von selber noch mit Hilfe anderer irgendetwas versteht (dass er sich dennoch für ein „sehr stabiles Genie“ hält, ist in diesem Zusammenhang bezeichnend, aber belanglos).

Auch das Führungspersonal der SPD wäre Machiavelli zufolge unbrauchbar, weil es nichts von selber versteht. Erst recht versteht es nichts, wenn man es ihm erklärt. Dann reagiert es sogar regelrecht pampig.

Interessanter als die beiden Extreme ist die mittlere Intelligenz, also diejenige, die zwar nicht von selber versteht, aber doch, wenn andere es erklären. Auf den ersten Blick könnte man annehmen, Kanzlerin Merkel falle in diese Kategorie. Denn: Sie tut, was man ihr sagt, sie liest vor, was man ihr aufgeschrieben hat oder lernt es auswendig.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Machiavelli macht nämlich darauf aufmerksam, dass es entscheidend auf die Fähigkeiten derjenigen ankommt, die dem Herrscher etwas erklären, also auf die jeweiligen Berater. Von deren Qualität hängt es ab, ob der Herrscher, der von selber nichts versteht, dennoch ein intelligenter Herrscher sein kann. Ja, man kann sogar von der Qualität der Berater auf die Klugheit des Herrschers zurückschließen:

„Sind diese [die Berater] fähig und treu ergeben, so kann man ihn [den Herrscher] stets für klug halten, weil er es verstanden hat, deren Fähigkeiten zu erkennen und sich ihre Ergebenheit zu erhalten. Sind sie es aber nicht, so kann man sich immer ein ungünstiges Urteil über den Herrscher bilden; denn der erste Fehler, den er begeht, ist diese Auswahl.“

Schaut man sich den Fall Merkel unter diesem Gesichtspunkt genauer an, muss man, wie Machiavelli sagt, zu einem „ungünstigen Urteil“ gelangen. Denn keiner der Merkel-Berater ist zugleich fähig und ihr ergeben. Entweder sind sie ihr zwar ergeben, aber offenkundig unfähig. Oder sie sind ihr nicht ergeben und obendrein unfähig.

Eine solche Konstellation, prophezeit Machiavelli, wird „immer ein schlimmes Ende nehmen“.

5 Kommentare zu „Das schlimme Ende

  1. Es ist dann doch erstaunlich, wie lange sich die Unfähigkeit an der Macht halten kann. Aber Macchiavelli hat sich zeitlich ja nicht festgelegt. Es war ein Dauerschrecken, der in Bälde endet.

    Danke für diesen schönen Beitrag!

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  2. Herrscher und Herrscherinnen in Intelligenz-Kategorien zu betrachten, wie das Niccolò Machiavelli getan hat, liest sich in gewisser Weise amüsant.
    Wichtiger erscheint mir, das Herrschen selbst zu bewerten, und dieses ordne ich als nicht zu überbietende Dummheit ein, die für Menschen gefährlich wird, wenn über sie ‚geherrscht‘ wird.
    Spannend der folgende Beitrag, der zeigt, dass schon Machiavelli wusste, dass Macht und Politik nicht dasselbe sind. http://www.bzw-weiterdenken.de/2011/07/politik-und-macht-sind-nicht-dasselbe/

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  3. Eine Lebensweisheit.
    Es gibt drei arten von Menschen:

    Der dumme Mensch kreiert Fehler, schöpft keine Weisheit aus seinem Fehler und ist verdammt den gleichen Fehler immer zu wiederholen.

    Der kluge Mensch begeht einen Fehler, erkennt den Fehler und schlussfolgert es künftig zu unterlassen.

    Der geniale Mensch lernt von den Fehlern der anderen und vermeidet selbige von vornherein.

    Jeder Mensch ist in der eigenen Verantwortung gefangen, sich zu entscheiden in welcher Kategorie er sich bewegen will. Auch meiner einer muss eingestehen, dass ich durch Dummheit schon glänzte.
    Doch wenigstens ist es ein bestreben meinerseits, Klugheit walten zu lassen doch das geniale erfordert grosse selbst Disziplin.
    Darum sind auch Genies so selten auf diesem Planeten.

    Ergo zwangsläufig vermehren sich die dummen und nur mit erheblichen aufwand lässt sich Klugheit fördern.
    Doch die sogenannten Eliten wünschen sich dumme Untertannen, den kluge fügen sich so schlecht in ihre Knechtschaft und Genies sind unberechenbar.

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  4. Mit Verlaub, Herr Teusch, da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens, denn Machiavelli sagt auch etwas über die „Vom Volk übertragene Herrschaft“.

    Zitat: „Man gelangt dazu mittels einer Begünstigung – entweder des Volks oder der Großen in ihm. (…) Das Schlimmste, was derjenige zu fürchten hat, dem das Volk abgeneigt ist, besteht darin, von ihm verlassen zu werden: Aber wem die Großen Feind sind, der läuft Gefahr, dass sie ihn nicht nur verlassen sondern sich selbst gegen ihn erheben, weil sie mehr Einsicht und Schlauheit haben, schon im Voraus auf ihre Sicherheit bedacht sind und sich bei demjenigen beliebt zu machen suchen, von dem sie glauben, er werde den Sieg davontragen.“

    Und wer sind „die Großen“ im Falle Angela Merkels? Friede Springer und Liz Mohn! Beides Eigentümer der größten Medienkonzerne und Freundinnen Angela Merkels. So lange sich Merkel dieser Freundschaften gewiss sein kann, hat sie auch wenig zu befürchten. Wir können uns sicher sein, dass Merkel die deutsche Bevölkerungsmehrheit gegen sich hat – das Wahlergebnis ist der beste Beweis – doch das schlimme Ende, wie Sie es beschreiben, sehe ich nicht. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass sie noch eine Amtszeit regieren und dann abtreten wird. Wahrscheinlich wird in der „Zeit danach“ ein Korruptionsskandal den Anderen jagen, so wie es bei Helmut Kohl der Fall war, aber zur Rechenschaft wird Frau Merkel deswegen nicht gezogen werden.

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  5. „Trump hingegen wäre unbrauchbar, weil er weder von selber noch mit Hilfe anderer irgendetwas versteht…“

    Surreal, wie jemand einer hoch erfolgreichen Person so plump Dummheit andichtet. Man muss schon selbst von ziemlich einfachem Gemüt sein, um die These des Minderbemittelten im Weißen Haus wie eine in Stein gehauene Wahrheit zu verinnerlichen. Bei solchen sicher geistig anders begabten Kritikern der schreibenden Zunft drängt sich zum Thema Dummheit folgende leicht modifizierte Redewendung auf: Spiegelredner, ick hör dir trapsen!

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