Solidarität mit Julian Assange

WikiLeaks-Gründer Julian Assange befindet sich in großer Gefahr. Zwar haben seine Verfolger noch nicht gewonnen, sagte John Pilger Ende Mai in einem Statement für das New Yorker „Left Forum“, zwar haben sie diesen Menschen noch nicht zerstört. Aber sie werden gewinnen, wenn wir weiter schweigen, prophezeit er. Noch nie sei Assange so isoliert gewesen wie gegenwärtig. Noch nie sei es dringlicher gewesen, sich mit ihm zu solidarisieren.

Wenige Tage später erläuterte Pilger (ein – wie Assange – aus Australien stammender weltbekannter Publizist) seine Besorgnis und Empörung in einem Gespräch mit Dennis J. Bernstein. Hier einige besonders markante und eindringliche Passagen:

There is a kind of eerie silence around the Julian Assange case. Julian has been vindicated in every possible way and yet he is isolated as few people are these days.  He is cut off from the very tools of his trade, visitors aren’t allowed. […] Rafael Correa, the former president of Ecuador, said recently that he regarded what they are doing to Julian now as torture.

… even in the media outside the mainstream, there is this silence about Julian. The streets outside the embassy are virtually empty, whereas they should be full of people saying that we are with you. The principles involved in this case are absolutely clear-cut. Number one is justice. The injustice done to this man is legion, both in terms of the bogus Swedish case and now the fact that he must remain in the embassy and can’t leave without being arrested, extradited to the United States and ending up in a hell hole.  But it is also about freedom of speech, about our right to know, which is enshrined in the United States Constitution. If the Constitution were taken literally, Julian would be a constitutional hero, actually.

Es macht John Pilger fassungslos, dass große Medien (er nennt die New York Times, die Washington Post und den Guardian) Julian Assange hemmungslos angreifen, obwohl sie in früheren Zeiten WikiLeaks-Enthüllungen publiziert und von ihnen profitiert hatten.

It is a terrible time for journalism. I have never known anything quite like it in my career. […]

One of Assange’s great tormentors, The Guardian‘s Luke Harding, made a great deal of money with a Hollywood version of a book that he and David Lee wrote in which they basically attacked their source. I suppose you have to be a psychiatrist to understand all of this. My understanding is that so many of these journalists are shamed. They realize that WikiLeaks has done what they should have done a long time ago, and that is to tell us how governments lie.

WikiLeaks […] has given people the information they have a right to have. They had a right to find out from the so-called War Logs the criminality of our wars in Afghanistan and Iraq. They had a right to find out about Cablegate. That’s when, on Clinton’s watch, we learned that the NSA was gathering personal information on members of the United Nations Security Council, including their credit card numbers. You can see why Julian made enemies. But he should also have made a huge number of friends. This is critical information because it tells us how power works and we will never learn about it otherwise.  I think WikiLeaks has opened a world of transparency and put flesh on the expression ‚right to know‘. This must explain why he is attacked so much, because that is so threatening.“

Interviewer Dennis Bernstein beschließt das Gespräch:

„They want to prosecute Assange and maybe hang him from the rafters in Congress, but what about Judith Miller and The New York Times lying the West into war [gemeint ist der Irakkrieg 2003, UT]? There is no end of horrific examples of what passes for journalism, in contrast to the amazing contribution that Julian Assange has made.“

4 Kommentare zu „Solidarität mit Julian Assange

  1. Wie dumm muss man sein, um nicht begreifen zu wollen, dass Assange oder auch Snowden NICHTS erreicht haben, außer ihr eigenes Leben zu zerstören?

    Gefällt mir

    1. Zu sagen, Assange oder Snowden hätten nichts erreicht, hängt die Messlatte für „etwas erreichen“ meilenweit zu hoch. Was hätten SIe denn erwartet, was Einzelpersonen mit begrenzten Netzwerken in einem derart hochsensiblem Machtbereich erreichen können?

      Verglichen damit, was vor Wikileaks oder Snowden im Mainstream als unbestreitbare Realität galt („die NSA kann alles absaugen? Backdoors in allen großen Valley-Diensten? Verschwörungstheorie!1″) ist das gesellschaftliche Bewusstsein für moderne Machtentwicklung im Zusammenhang mit dem Internet iwS genauso wie der Rechtfertigungsdruck in machtsensiblen Bereichen der Politik stark gewachsen, und auch große Medien können sich nicht mehr ganz so leicht wegducken.

      Das ist alles nicht viel, sehr richtig, aber, um Sie zu zitieren, wie dumm muss man sein um zu glauben, irgendjemand könne den Kernbereich des modernen westlichen Machtgefüges mit ein paar Leaks in wenigen Jahren komplett aus den Angeln heben? Assange und Snowden haben entscheidend dazu beigetragen, eine Maische anzusetzen, aber wie schnell und wie stark sie gärt, das wird erst die Zeit zeigen. Aber ohne die beiden gäbe es mangels WIssen um die Realität noch nicht einmal die Chance auf gesellschaftliche Debatten.

      Seien Sie froh, dass es Menschen gibt, die für solche Chancen bereit sind, „ihr Leben wegzuschmeißen“. Ohne die würden Sie heute noch als Leibeigener irgendeines Herzogs dienen, in einer von Gott gegebenen Ordnung der Dinge.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s