Spartacus ante portas!

Die „Wachhunde“ proben den Aufstand

Hunderte US-amerikanische Mainstream-Zeitungen haben sich gestern in Editorials – meist auf der Titelseite – gegen Donald Trumps Angriffe auf die „freie Presse“ verwahrt. Die Initiative ging vom Boston Globe aus. Aber nicht alle machten mit. Die Los Angeles Times etwa wollte mit dieser Art von „Gruppendenken“ nichts zu tun haben. Auch einzelne Journalisten distanzierten sich. Sie warfen ihren Kollegen Heuchelei und Selbstbetrug vor.

Man könnte glauben, der römische Sklavenbefreier Spartacus höchstpersönlich hätte die Feder geführt. War das nicht ein heldenmütiger Akt des Widerstands?

Nein, es war nichts dergleichen.

Die schlichte Wahrheit lautet: Die Konzernmedien solidarisieren sich mit sich selbst. Nur für sie soll die Medienfreiheit gelten, nicht für die anderen. Sie haben – wieder einmal – den entscheidenden Punkt nicht begriffen, sagt Lee Smith, der eloquente Medienkritiker des jüdischen Online-Magazins Tablet.

Erst vor wenigen Tagen, schreibt Smith, hätte sich den etablierten US-Medien die große Gelegenheit geboten, sich für Alex Jones in die Bresche zu werfen. Aber sie taten es nicht, ganz im Gegenteil. Denn: Jones ist ein „Verschwörungstheoretiker“! Igitt! Für so einen gilt der erste Verfassungszusatz selbstverständlich nicht. Dass Facebook & Co. ihm einfach den Stecker rauszogen – völlig in Ordnung. „Oh yes, Facebook, you did exactly the right thing by sending Alex Jones down the memory hole—and please don’t let me be next. “

Wie bescheuert kann man sein?

Die Konzernmedien, die sich jetzt als heroische Verteidiger der Pressefreiheit inszenieren, solidarisieren sich selbstverständlich auch nicht mit ihrem Kollegen Julian Assange, der sich in akuter Gefahr befindet. Von seinen Enthüllungen haben sie zeitweise zwar gerne profitiert, aber jetzt lassen sie ihn im Stich und versetzen ihm noch Fußtritte. Sie solidarisieren sich auch nicht mit Chelsea (Bradley) Manning oder mit Reality Winner.

Rein gar nichts liegt ihnen an ihren in den USA tätigen russischen Kollegen (den „Informationskriegern“), die sich als „ausländische Agenten“ registrieren lassen mussten und in ihrer Arbeit behindert werden. Ebenso wenig interessieren sie sich für die Kollegen von Al Jazeera, denen das Gleiche bevorsteht. Oder für den südamerikanischen Nachrichtenkanal TeleSur, der schon wiederholt von Facebook attackiert wurde.

Nein, nein. Sie tun das gerade Gegenteil. Vor zwei Jahren denunzierte die Washington Post an prominenter Stelle über 200 Alternativmedien (linke, konservative, libertäre), die angeblich alle mit Russland unter einer Decke stecken oder als nützliche Idioten des Kreml agieren. Darunter waren so renommierte Portale wie Counterpunch, Truthdig oder Consortiumnews. Die Liste war von einer dubiosen und bis dahin nie in Erscheinung getretenen Gruppe namens „PropOrNot“ zusammengestellt worden. Irgendwann ruderte die Post zwar zurück, aber da war der Schaden längst angerichtet.

Mit all den genannten Schmuddelkindern haben die freiheitsliebenden Konzernmedien selbstredend nichts am Hut. Sie verteidigen stattdessen (und viel lieber) den Ex-CIA-Chef John Brennan, dem der böse Trump gerade die „Sicherheitsfreigabe“ entzogen hat. Welch ungeheuerliche Menschenrechtsverletzung aber auch! Zwar darf Brennan weiterhin und jederzeit seine Meinung in der New York Times verbreiten, zwar ist er nach wie vor ein gefragter Experte Trump-feindlicher Nachrichtenkanäle, ABER…

Sicher, innerhalb der US-Elite tobt gerade ein Machtkampf. Und es handelt sich nicht zuletzt um einen Kampf zwischen Trump und den Konzernmedien. Die einen leisten heroischen „Widerstand“, der andere keilt zurück. Jedoch, wie Sam Husseini schreibt, im schlimmsten Fall sind die beiden Seiten „frenemies“. Wo’s drauf ankommt, sind sie nur mit Mühe unterscheidbar, etwa bei der gerade beschlossenen exorbitanten Erhöhung des ohnehin schon exorbitant hohen Rüstungshaushalts. Oder wenn The Donald mal wieder seine Raketen gen Syrien schickt, um dem „Tier Assad“ eine Lektion zu erteilen. Dann ist CNN schier aus dem Häuschen.

Lassen wir uns nicht für dumm verkaufen. Es steht nicht ernstlich das Verbot der Washington Post zu befürchten. Auf der Abschussliste befinden sich vielmehr einheimische wie ausländische Medien, die Kritik an der US-Außenpolitik üben – wobei es völlig unerheblich ist, ob sie sich als links, rechts oder libertär verstehen. Die Einschläge werden zahlreicher – und sie kommen näher.

Wenn irgendwo Widerstand vonnöten ist, dann hier. Von den Konzernmedien ist da keinerlei Hilfe zu erwarten. In ihrem jetzigen Zustand, so der schon zitierte Lee Smith, kann man sie schlicht vergessen:

„What we call the ‚press‘ bears little resemblance to the institution that became a kind of unelected branch of government in 20th-century America. For the most part, it now acts as an extension of the seamy world of Washington, D.C. operatives-for-hire and partisan campaign propaganda.“

So sieht’s aus mit der Medienfreiheit. Wer sie sucht, findet sie nicht bei denen, die gestern den Aufstand probten, sondern ganz woanders. Und genau da, wo sie noch lebt, muss man sie auch verteidigen. Das Schlachtfeld, auf dem dieser Kampf stattfindet, hat jüngst Elizabeth Vos eindrücklich beschrieben. Lee Smith teilt ihre Einschätzung. Wenn es den US-Medien tatsächlich um die Pressefreiheit und die Bedrohung der Demokratie ginge, dann, so sagt er,

„they would coordinate editorials explaining how digital giants like Google, Facebook and Twitter gutted their business, and turned them into providers of free content for social media platforms owned by tech oligarchs.

That the same corporations controlling our personal data and are now doing massive business with the intelligence and defense communities is an even more dire threat to our democracy. It raises the very real specter of information monopolies controlled by a combination of tech executives and unelected bureaucrats, who can shape public opinion and censor unwelcome thought through all-embracing algorithms. With that power they could track and defame dissenters from any official narrative through invasive 24-hour surveillance.“

8 Kommentare zu „Spartacus ante portas!

  1. Zu Alex Jones, Telesur, Ron Paul, etc.. Hier ist Vorsicht geboten! Wenn man Twitter, Facebook, etc. als öffentlichen Debattenraum akzeptiert, hat man bereits den ersten Fehler begangen. Diese Plattformen sind allesamt abzulehnen, weil sie im Machtkontext von Konzern- und staatlichen Sicherheitsinteressen operieren und nichts mit Öffentlichkeit zu tun haben. Don’t get trapped!

    Gefällt mir

  2. Ja, die an kognitiver Dissonanz leidenden Jammerlappen der Hetzpresse, bewinseln ihr eigenes „ungerechtes“ Schicksal. Namentlich von Trump euphemistisch als „Fake News“ benannt zu werden. Sie wähnen sich in „Lebensgefahr“ weil der amerikanische Präsident ihnen den Kotau verweigert. Die, die jeden Tag groteske Schlagzeilen produzieren, die nur noch als Einladung an total Übergeschnappte zum Präsidentenmord bezeichnet werden können. Während ihre guten Kumpels von den „Social Media“ lustig herumzensieren was das Zeug hält. Da hat sich DRECK der übelsten Sorte gesucht und gefunden!

    Gefällt mir

    1. Einladung zum Präsidentenmord? Das ist dann doch eine etwas übertriebene Interpretation (wobei ich natürlich nicht jede Schlagzeile kenne…). Die Äußerungen von Alex Jones sind da schon wesentlich deutlicher als Aufforderung zur Gewalt zu verstehen. Wenn man dann noch andere Menschen als „Dreck“ bezeichnet ist es nur noch Doppelmoral.

      Just my two Cents.

      MfG

      Datsyuk

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s