Lückenpresse-Bilanz

In einigen Tagen wird im Frankfurter Westend-Verlag mein neues Buch erscheinen: Der Krieg vor dem Krieg – Wie Propaganda über Leben und Tod entscheidet. Vielleicht eine gute Gelegenheit, eine kleine Besinnungspause einzulegen und zu fragen, wie es meinem Vorgängerbuch Lückenpresse ergangen ist.

Die Lückenpresse erblickte vor etwa zweieinhalb Jahren, am 1. September 2016, das Licht der Welt. Ich habe mich zu dem Buch bislang eigentlich nur geäußert, wenn ich gefragt wurde. Im Folgenden will ich nun ein paar Punkte festhalten, die aus meiner Sicht zu einer Lückenpresse-Bilanz gehören und aus denen ich Konsequenzen für meine zukünftige Arbeit ziehen werde.

Zunächst: Das Buch war (und ist immer noch) erfolgreich, hat also viele Leserinnen und Leser gefunden. Deren Resonanz fiel überwiegend positiv aus. In der Folge erhielt ich so viele Einladungen zu Veranstaltungen, dass ich aus Zeitgründen gar nicht alle annehmen konnte.

Auffällig war dabei: Obwohl ich mein Buch unverkennbar aus einer politisch linken Perspektive geschrieben hatte, kamen die Einladungen auch aus ganz anders gefärbten Kreisen. Die meisten Anfragen stammten erfreulicherweise aus jenem Segment, das man gerne als „die Mitte der Gesellschaft“ bezeichnet, also zum Beispiel von katholischen oder evangelischen Akademien, Volkshochschulen oder sonstigen Bildungseinrichtungen. Das zeigte mir sehr deutlich, dass der vieldiskutierte Vertrauensverlust der etablierten Medien tatsächlich kein Randphänomen ist, sondern Menschen aus allen Bereichen umtreibt.

Während also Medienkritik längst im gesellschaftlichen Mainstream angekommen ist, sieht es mit dem medialen Mainstream etwas anders aus. So gab es – von zwei, drei kleineren Ausnahmen abgesehen – in den etablierten Print-Medien keine Rezensionen der Lückenpresse. Obwohl der Medien-Branchendienst Kress gleich bei Erscheinen auf das Buch hingewiesen und ein Interview mit mir gebracht hatte, wurde es in der Folgezeit beinahe komplett ignoriert. Das gilt für die überregionalen Zeitungen ebenso wie für die Magazine oder die Regionalzeitungen.

Eine rühmliche Ausnahme bildete die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post. Sie zeigte, dass man mit dem brisanten Thema Medienkritik auch souverän umgehen kann: Im letzten Jahr bestritt ich eine Veranstaltung bei der VHS Düsseldorf-Kaarst. Die RP brachte sowohl einen großen Vorbericht (basierend auf einem längeren Telefonat mit mir) als auch einen Bericht nach der Veranstaltung. Die Beiträge stammten von zwei unterschiedlichen Autoren und waren aus meiner Sicht absolut fair und untadelig. Eigentlich sollte so etwas selbstverständlich sein, doch leider ist dem nicht so.

Während also die Printmedien das Buch weitestgehend ausblendeten, zeigte der öffentlich-rechtliche Rundfunk großes Interesse. Das mag daher gerührt haben, dass ich in meinem Text eine Lanze für ein grundlegend reformiertes öffentlich-rechtliches System gebrochen und mich für einige sehens- und hörenswerte Radio- und Fernsehprogramme eingesetzt habe, die seit einiger Zeit immer stärker in Nischen abgedrängt werden oder in ihrer Existenz bedroht sind.

Zwar gab es auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk keine einzige Rezension der Lückenpresse, wohl aber eine Reihe von Interviews mit mir in den Kulturwellen des ARD-Hörfunks und des ORF. Auch ein großes, 45-minütiges Fernsehinterview für ARD-Alpha war dabei – für die Sendereihe „Alpha-Forum“, die inzwischen eingestellt wurde (soll man sagen „bezeichnenderweise“?).

Alles in allem ist die Tatsache, dass die Lückenpresse einen gewissen Publikumserfolg erzielte, nicht den etablierten Medien zu verdanken, sondern den alternativen (oder nicht-etablierten) Medien unterschiedlicher Couleur, etwa den NachDenkSeiten, Telepolis, Rubikon, Hintergrund oder KenFM sowie den diversen Blogs, an erster Stelle der inzwischen eingestellten Propagandaschau. Man sieht daran: Die Medienwelt wandelt sich. Ein Buch kann erfolgreich sein auch ohne lobende Erwähnung in der Süddeutschen oder im Spiegel.

Da ich in meinem Buch nicht zuletzt die Russland-Bilder westlicher Medien aufs Korn genommen hatte, zeigten natürlich auch russische Medien Interesse. So gab ich denn RT Deutsch ein Interview, der Agentur RIA Novosti sogar mehrere. „Feindberührungen“ dieser Art werden im Mainstream offenbar aufmerksam registriert. Die österreichische Zeitung Kurier brachte an der Jahreswende 2016/17 einen Rückblick auf die Mediendebatte, erwähnte mein Buch (ohne inhaltlich darauf einzugehen) und stellte sinngemäß fest, dass ich inzwischen ein gern gesehener Interviewgast bei Ken Jebsen und russischen Medien sei.

Mit dieser kleinen Denunziation zeigte der Autor ungewollt ein schönes Beispiel für Lückenpresse: In der Tat war ich Interviewgast besagter Medien. Insofern ist seine Aussage zutreffend. Aber sie ist unvollständig. Ebenso gut (und weniger „ehrenrührig“) hätte der Kurier schreiben können: „Seit der Publikation der Lückenpresse ist T. ein gern gesehener Interviewgast öffentlich-rechtlicher Medien.“ Doch auch diese Aussage wäre unvollständig gewesen. Korrekt hätte es heißen müssen: „… ist er Interviewgast etablierter und alternativer Medien unterschiedlicher Ausrichtung und Herkunft.“

In der Lückenpresse hatte ich den Mainstream-Medien eine düstere Zukunft prophezeit; im Untertel war vom „Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten“ die Rede. In dieser Prognose lag, wie ich zugebe, auch ein wenig Zweckpessimismus. Klammheimlich hatte ich gehofft, Unrecht zu haben und eines Besseren belehrt zu werden. All die medienkritischen Bücher (etwa von Uwe Krüger, Jens Wernicke, Volker Bräutigam, Friedhelm Klinkhammer und anderen), all die Artikel, Leserforen, Diskussionsrunden, Meinungsumfragen – das konnte doch auf die Dauer seine Wirkung nicht verfehlen, sagte ich mir.

Und doch – all das hat seine Wirkung verfehlt! Ich kann keine Wende zum Besseren erkennen. Eher ist das Gegenteil der Fall. Und, ganz ehrlich, ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass sich noch viel Positives tun könnte. Die etablierten Medien sind nicht reformierbar. Sie werden einfach weitermachen wie gehabt – und sich dann über die unvermeidlichen Folgen wundern.

Während ich beim Schreiben der Lückenpresse noch eine gewisse Hoffnung hegte und vor diesem Hintergrund immer wieder konziliante Töne angeschlagen habe, wird dies in meinem neuen Buch nicht mehr der Fall sein. Der Krieg vor dem Krieg wird Ende März in den Handel kommen.

3 Kommentare zu „Lückenpresse-Bilanz

  1. Hallo Herr Teusch, alles richtig gemacht! Sehr interessant auch, wie die Resonanz außerhalb der etablierten Medien zu Ihrem Buch war. Die Resignation bzgl. der ÖR-Medien verstehe ich, teile ich jedoch nicht, da ich in meinem Freundes- und Bekanntenkreis so langsam auch einen Wandel im Bewusstsein feststelle. D. h. der Druck wird in nächster Zeit mit Sicherheit immer größer werden. Einen gesellschaftlichen Wandel herbeizuführen heißt sehr sehr dicke Bretter bohren. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben und das sollten Sie auch nicht tun. Ich stelle nur etwas enttäuscht fest, dass Deutschland noch nicht bereit ist für gelbe Westen. Viele Grüße und machen Sie weiter so!

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