Alles richtig und wahr…

Philip Pettit: Gerechte Freiheit. Ein moralischer Kompass für eine komplexe Welt. Aus dem Amerikanischen von Karin Wördemann. Suhrkamp, € 29,95.

 

Um zu verdeutlichen, worum es ihm geht, unternimmt Philip Pettit zu Beginn seines Buchs einen Ausflug in die Literatur, zum Schauspiel Nora oder Ein Puppenheim des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen. Die Titelfigur Nora erfreut sich in ihrer Ehe mit Torvald außergewöhnlicher Freiräume, höchst untypisch für eine Frau des 19. Jahrhunderts. Die damaligen Konventionen des Ehelebens hätten Torvald auch ein ganz anderes, repressives Gebaren erlaubt. Doch er liebt seine Frau über alles. Das ist Glück für Nora. Die Frage lautet: Genießt sie, nur weil sie nach eigenem Gusto leben darf, auch echte Freiheit? Philip Pettit antwortet mit einem klaren Nein. Denn wenn es Torvald plötzlich einfiele, seine Frau nicht an der langen, sondern an der kurzen Leine zu halten, hätte sie dagegen keine Handhabe. Sie müsste sich fügen. „Alles richtig und wahr…“ weiterlesen

Unbelangbar?

Thomas Meyer: Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren. Edition Suhrkamp, 186 Seiten, € 15.-

26. März 2014: Im „heute-journal“ des ZDF kommt es zu einem Eklat. Das Fernsehstudio wird zum Gerichtssaal. In der Rolle des Staatsanwalts: Claus Kleber, der eigentlich fürs „moderieren“, also mäßigen, bezahlt wird; in der des Angeklagten: Joe Kaeser, Vorstandschef der Siemens AG. Der Vorwurf: Während der sich aufheizenden Ukraine-Krise hatte Kaeser eine Geschäftsreise unternommen, ausgerechnet nach Russland, ausgerechnet zu Wladimir Putin. Aus Klebers Sicht war damit die rote Linie überschritten. Wie auch immer man das bezeichnen will, was der „Alpha-Journalist“ mit seinem Gast veranstaltete – ein „Interview“ war es nicht. Zwei Tage später sieht sich Kleber selbst an den Pranger gestellt, und zwar durch einen anderen Alpha-Journalisten, den inzwischen verstorbenen FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher. In einem zornigen Artikel rechnet er mit seinem Kollegen gnadenlos ab, geißelt dessen „journalistisches Übermenschentum“, wirft ihm vor, statt eines Interviews ein inquisitorisches Verhör abgeliefert zu haben. „Unbelangbar?“ weiterlesen