Wahrheitspresse

Patrick Cockburns Reportagen aus dem Nahen und Mittleren Osten

Jeder weiß – oder sollte wissen: Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit. Nicht nur die Militärmaschinerien laufen auf Hochtouren, auch die Propagandaapparate tun es. Und nicht nur die jeweiligen Kriegsparteien verbiegen nach Kräften die Wirklichkeit, auch die Medien sind mit von der Partie, mal mehr, mal weniger. „Wahrheitspresse“ weiterlesen

Aleppo

„Ist Aleppo verloren?“, fragte Anne Will vor gut zwei Monaten. Die Sorge um die Menschen im Ostteil der Stadt stand ihr ins Gesicht geschrieben. Seither haben die Dinge unerbittlich ihren Lauf genommen. Und die düsteren Ahnungen der ARD-Gesprächsleiterin sind wahr geworden. Ja, Aleppo ist verloren.

Doch für wen ist Aleppo verloren? Die Antwort liegt auf der Hand: Für uns natürlich. Als vor vier Jahren jene Kräfte, die man im Westen wahlweise als „Aufständische“, „Rebellen“ oder schlicht „Opposition“ bezeichnet, sich des Ostens der Stadt bemächtigten, erschien das vielen als gute Sache. Der angestrebte Regime Change machte Fortschritte, der „Schlächter Assad“ stand unter Druck.

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So geht guter Journalismus

In meinem Buch „Lückenpresse“ kritisiere ich schlechten Journalismus. Was ich unter gutem Journalismus verstehe, sage ich eher indirekt. Lediglich im letzten Kapitel entwickele ich einige Maximen.

Der Einwand liegt auf der Hand: „Alles gut und schön, aber kannst Du uns mal ein Beispiel nennen? Wie sieht guter Journalismus konkret aus, also in der Praxis?“ Bitte, hier sind gleich zwei Beispiele. Sie stammen aus ein und demselben Medium, dem „Independent“. „So geht guter Journalismus“ weiterlesen

Nach dem Terror – vor dem Terror

Die mediale Bearbeitung der gestrigen Terroranschläge in Brüssel lief ab, wie man sie erwarten musste. Während der Terror längst Grenzen überschreitet, hielten sich die Sondersendungen von ARD und ZDF in einem eng gesteckten Rahmen.

Im Vordergrund standen Entsetzen, Schock, Trauer. Dann die Fragen: Wie wurden die Attacken ausgeführt? Wer sind die Täter? Gab und gibt es „Sicherheitslücken“? Und: Stehen uns weitere Anschläge bevor? Wie groß ist die aktuelle Gefahr? Was könnte man dagegen tun? Nicht fehlen durften selbstverständlich pathetische Worte von Merkel, Gauck, de Maizière: tiefe Betroffenheit, der Verweis auf die europäischen Werte, die Entschlossenheit im Kampf gegen den Terror. Und so weiter.

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Guter und schlechter Journalismus

Beginnen wir mit einem Zitat. Es stammt von Johannes Grotzky, langjähriger ARD-Hörfunkkorrespondent und bis 2014 Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks. In einem Interview zur aktuellen Mediendebatte (Mitte 2015) fragte ich ihn, ob unser Journalismus, verglichen etwa mit den 1960er oder 70er Jahren, schlechter geworden sei. Seine Antwort:

„Ich glaube nicht, dass der Journalismus per se schlechter ist, es gibt auch nach wie vor extrem guten Journalismus, er wird nur von vermeintlichem Journalismus in der Masse anderer überlagert, so ist mein Eindruck…“

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