Barfuß durch die Hölle

Im Dezember vergangenen Jahres wurde ein von vielen Filmfreunden schon verloren geglaubter Schatz gehoben. Die legendäre japanische Fernsehserie „Barfuß durch die Hölle“ erschien auf DVD – endlich! Sie war 1962 produziert und 1967 vom ZDF in einer zwar gekürzten, aber immer noch fast 600 Minuten langen, siebenteiligen Fassung ausgestrahlt worden.

Grundlage der Produktion war das sechsbändige Roman-Epos von Gomikawa Jumpei. Ende der 1950er / Anfang der 1960er wurde daraus zunächst ein dreiteiliger japanischer Kinofilm (der ebenfalls auf DVD vorliegt). Doch viele Menschen meines Alters kennen nur die absolut überragende Fernsehproduktion. Als ich nach deren Veröffentlichung (Dezember 2016) die ersten Kundenrezensionen bei Amazon las, wurde mir klar, dass ich offenbar nicht der einzige junge Mensch war, auf den diese Serie damals, als sie im ZDF lief, eine tief prägende Wirkung entfaltet hatte.

Der Film spielt in den Jahren 1943 – 1945. Das imperialistische Japan führt in der chinesischen Mandschurei ein Schreckensregiment. Der von humanistischem Gedankengut durchdrungene, pazifistisch und marxistisch orientierte Intellektuelle Kaji wird zunächst – begleitet von Mitschiko, seiner jungen Frau – als Zivilverwalter in der Mandschurei eingesetzt, später dann – wegen angeblichen Verrats – an die Front strafversetzt.

Das große Thema des Films sind die „Bedingungen des Menschseins“ unter unmenschlichsten Verhältnissen. Immer wieder gerät Kaji in Situationen, in denen er sich entscheiden muss: Soll er seinen Idealen treu bleiben, auch wenn das mit größten Risiken und Opfern einhergeht, oder soll er Kompromisse eingehen, sich anpassen, mitmachen, schuldig werden?

Es bedurfte einiger Kämpfe, bevor die Serie 1967 erstmals ins deutsche Fernsehen kam. Obwohl das ZDF sie eingekauft hatte, wollte der Intendant die Ausstrahlung verhindern, angeblich wegen zu großer Brutalität. Das misslang glücklicherweise. „Barfuß durch die Hölle“ wurde zum Straßenfeger.

Von „Brutalität“ kann im Grunde keine Rede sein. Gewiss, es geschehen viele furchtbare Dinge in diesem Film. Doch sie werden in der Regel nicht gezeigt. Stattdessen widerspiegeln sich die Geschehnisse – zum Beispiel – in der entsetzten Mimik der Augenzeugen. Das ist äußerst subtil und zurückhaltend inszeniert und entfaltet gerade darum eine ungeheure Intensität und Wirkung. Wollte man es paradox ausdrücken, könnte man sagen: Gerade die Bilder, die dieser Film nicht zeigt, gehen unter die Haut und nie mehr aus dem Kopf.

Für mich ist „Barfuß durch die Hölle“ der Antikriegsfilm schlechthin. Angesichts der gegenwärtig so kriegslüsternen Stimmung in Politik und Medien ist nicht damit zu rechnen, dass die großartige Produktion noch einmal im Fernsehen gezeigt werden wird. Umso verdienstvoller ist die Veröffentlichung der DVD.

Barfuß durch die Hölle. Siebenteilige japanische Fernsehserie. Erschienen bei „fernsehjuwelen“. Vier DVDs in Kassette samt Booklet (Autor: Dominik Starck)

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