Für Putinversteher gibt’s kein Recht auf Gegendarstellung

von Paul Schreyer

In einer aktuellen Rezension von „Wir sind immer die Guten“ werden Mathias Bröckers und mir Aussagen unterstellt, die wir nicht getätigt haben – um uns auf dieser Grundlage um so heftiger kritisieren zu können. Eine Gegendarstellung wird verweigert. „Für Putinversteher gibt’s kein Recht auf Gegendarstellung“ weiterlesen

Verachtete Völker (II)

R.L. Stevenson über Indianer

Im vorangegangenen Beitrag hatte ich Robert Louis Stevensons Buch Emigrant aus Leidenschaft vorgestellt und eine längere Passage aus dem Kapitel „Verachtete Völker“ zitiert, die vermutlich Anfang der 1880er Jahre verfasst wurde und den Hass weißer Europäer und Amerikaner auf chinesische Menschen beschreibt und kritisiert. In der folgenden Passage spricht Stevenson über das Schicksal der Indianer. „Verachtete Völker (II)“ weiterlesen

Verachtete Völker (I)

R.L. Stevenson über Chinesen

Im Sommer 1876 hatte Robert Louis Stevenson in Frankreich die verheiratete Amerikanerin Fanny Osbourne kennenglernt. Die beiden verliebten sich. Als Fanny zwei Jahre später in die USA zurückkehrte, folgte ihr Stevenson im August 1879 mit dem Ziel, ihre Scheidung zu erwirken und sie zu seiner Frau zu machen. „Verachtete Völker (I)“ weiterlesen

Lebensfäden

Erinnerungen von (und an) Ekkehart Krippendorff

Vor einem Jahr, am 27. Februar 2018, verstarb der Politikwissenschaftler und Autor Ekkehart Krippendorff. Seine Autobiografie „Lebensfäden“ war 2012 erschienen – nach wie vor eine lohnende Lektüre.

Ein typisch-deutscher Professor ist Ekkehart Krippendorff nie gewesen. Die Universitätslaufbahn des 1934 geborenen Politikwissenschaftlers war von zahlreichen Konflikten begleitet.

„Lebensfäden“ weiterlesen

Königreich der Angst

Martha Nussbaums Zeitdiagnose

In der jüngsten Ausgabe des WDR 3-Literaturmagazins Gutenbergs Welt (9. Februar 2019) sprach ich mit Walter van Rossum über Martha Nussbaums neues Buch „Königreich der Angst“, erschienen im Verlag wbg Theiss – hier der Beitrag zum Nachhören.

Die graue Eminenz

Anmerkungen zu Hans Globke (1898-1973)

Auf den Tag genau vor 120 Jahren, am 10. September 1898, erblickte Hans Josef Maria Globke das Licht der Welt. Er wurde zu einer der fragwürdigsten Gestalten in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts und stand für deren mitunter frappierende Kontinuität. Während der NS-Zeit verfasste er den maßgeblichen Kommentator zu den Nürnberger Rassengesetzen, nach dem Zweiten Weltkrieg war er viele Jahre Chef des Bundeskanzleramts und die „graue Eminenz“ der Adenauer-Ära. 2009 hatte ich einige Bücher zum Fall Globke für die Süddeutsche Zeitung rezensiert. Hier der Artikel zum Nachlesen. „Die graue Eminenz“ weiterlesen

Demo-crazy

In der letzen Ausgabe des WDR 3-Literaturmagazins Gutenbergs Welt (25. August 2018) sprach ich mit Walter van Rossum über das Buch von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt „Wie Demokratien sterben“ (Deutsche Verlags-Anstalt). Hier der Beitrag zum Nachhören.

Zur Tagesordnung

Die letzte Ausgabe des WDR 3-Literaturmagazins Gutenbergs Welt (16. Juni 2018) fragte nach den „Meriten der Eliten“. Hier zum Nachhören mein Gespräch mit Moderator Walter van Rossum über Éric Vuillards „Die Tagesordnung“ (übersetzt von Nicola Denis, erschienen bei Matthes & Seitz). Der Beitrag beginnt mit einer kurzen Lesung aus dem Buch. „Zur Tagesordnung“ weiterlesen

100 Jahre Oktoberrevolution

Zu Stephen Smiths Buch Revolution in Russland

Zum hundertsten Jahrestag der russischen Oktoberrevolution sind zahlreiche Bücher unterschiedlicher Qualität erschienen. In mehrfacher Hinsicht herausragend ist die umfangreiche und akribische Studie des Oxforder Historikers Stephen A. Smith. Das fast zeitgleich in Großbritannien und Deutschland publizierte Buch gehört zum Besten, was je zu diesem Thema geschrieben wurde.
„100 Jahre Oktoberrevolution“ weiterlesen

Aufstand der Ruinenkinder?

Heinz Bude über die 68er-Bewegung

Das WDR 3-Literaturmagazin Gutenbergs Welt blickte am 4. Februar 2017 auf die 68er-Bewegung zurück. Hier zum Nachhören mein Gespräch mit Moderator Walter van Rossum über das Buch des Soziologen Heinz Bude Adorno für Ruinenkinder: Eine Geschichte von 1968 (Hanser Verlag). „Aufstand der Ruinenkinder?“ weiterlesen

Lügen lesen

Über einen Essay von Bettina Stangneth

Die Philosophin Bettina Stangneth hat mit ihrer Studie über den NS-Verbrecher Adolf Eichmann sowie dem nachfolgenden Essay über „Böses Denken“ große Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden. In ihrem neuen Buch bleibt sie ihrem Thema treu: Sie beschäftigt sich mit dem Phänomen der Lüge, jener eigentümlichen Kommunikationsform, die wir zwar missbilligen, wenn wir von ihr betroffen sind, der wir uns aber selbst immer wieder wie selbstverständlich bedienen. „Lügen lesen“ weiterlesen

Wenn das Volk sich erhebt

Im WDR 3-Literaturmagazin Gutenbergs Welt ging es am 14. Januar 2018 um das Thema „Revolution“. Hier zum Nachhören mein Gespräch mit Moderator Walter van Rossum über Gero von Randows Buch Wenn das Volk sich erhebt: Schönheit und Schrecken der Revolution (Kiepenheuer & Witsch).

The Doomsday Machine

Ein neues Buch von Daniel Ellsberg

Dieser Tage ist das Buch The Doomsday Machine – Confessions of a Nuclear War Planner erschienen. Sein Autor, Daniel Ellsberg, gilt als „elder statesman of whistleblowing“. Henry Kissinger bezeichnete ihn einst als „the most dangerous man in America“. 1971 hatte Ellsberg für weltweites Aufsehen gesorgt, als er verschiedenen US-Medien die „Pentagon Papers“ zuspielte. Sie belegten, dass die Regierung ihre eigene Bevölkerung über den Krieg in Vietnam jahrelang belogen und hinters Licht geführt hatte. „The Doomsday Machine“ weiterlesen

Am Pranger

Ute Frevert über die „Politik der Demütigung“

Ob im Militär, in der Kindererziehung, im Strafrecht oder in der Politik – Demütigung und Beschämung haben im Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft oder zwischen rivalisierenden gesellschaftlichen Gruppen einen festen Platz. Die Demütigung, sagt die Historikerin Ute Frevert, ist immer eine „Inszenierung von Macht“. In ihrem neuen Buch mit dem Titel „Die Politik der Demütigung“ lässt sie die vergangen 250 Jahre Revue passieren. Frevert erzählt eine Geschichte, die zivilisatorische Fortschritte, aber auch neue Gefahren sichtbar macht. „Am Pranger“ weiterlesen

Der patagonische Hase

Erinnerungen von (und an) Claude Lanzmann

Heute wird der Dokumentarfilmer Claude Lanzmann („Shoah“) 92. Kein runder Geburtstag. Aber was ist an Lanzmann schon rund? Oder stromlinienförmig? Man kann sich dem großen Regisseur über seine Filme nähern – oder über seine Lebenserinnerungen, die er 2009 in Frankreich veröffentlichte und die ein Jahr später in deutscher Übersetzung erschienen. Eine (nach wie vor) lohnende Lektüre. „Der patagonische Hase“ weiterlesen

Am Anfang war Gewalt

Mark Jones über die Geburt der Weimarer Republik

Nach dem Ersten Weltkrieg kommt es in Deutschland zum politischen Umbruch: Novemberrevolution, verfassunggebende Versammlung, freie Wahlen. Aus dem Kaiserreich wird die demokratische „Weimarer Republik“. Diesem verbreiteten Bild eines weitgehend friedlichen Übergangs setzt der 1981 geborene Historiker Mark Jones eine ganz andere Erzählung entgegen. In seinem Buch Am Anfang war Gewalt beschreibt er die heftigen militanten Auseinandersetzungen in der Geburtsphase der Weimarer Republik. „Am Anfang war Gewalt“ weiterlesen