Barfuß durch die Hölle

Im Dezember vergangenen Jahres wurde ein von vielen Filmfreunden schon verloren geglaubter Schatz gehoben. Die legendäre japanische Fernsehserie „Barfuß durch die Hölle“ erschien auf DVD – endlich! Sie war 1962 produziert und 1967 vom ZDF in einer zwar gekürzten, aber immer noch fast 600 Minuten langen, siebenteiligen Fassung ausgestrahlt worden. „Barfuß durch die Hölle“ weiterlesen

Jahre, die ihr nicht mehr kennt…

Unter diesem Titel stand das WDR 3-Literaturmagazin „Gutenbergs Welt“ am 19. März 2017. Eines der Themen war der „Kalte Krieg“, der sich kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entfaltete und 1991 mit dem Untergang der Sowjetunion sein Ende fand. Mit Moderator Walter van Rossum sprach ich über diese Epoche sowie über das Buch des Historikers Bernd Stöver „Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters 1947-1991“ (Verlag C.H. Beck). Hier der Beitrag zum Nachhören – er beginnt mit einem Zitat des US-Präsidenten Harry S. Truman aus dem Jahr 1947.

 

Ein Verbündeter des Westens

Sebastian Sons über Saudi-Arabien

Saudi-Arabien spielt eine Schlüsselrolle in den Kriegen und Konflikten des Nahen und Mittleren Ostens. Obwohl seine inneren Verhältnisse äußerst repressiv sind und seine Außenpolitik aggressiv, wird das Land vom Westen hofiert wie kein anderes in der Region. Sebastian Sons, Mitarbeiter der „Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik“, hat Ende 2016 ein Buchportrait Saudi-Arabiens vorgelegt. Es trägt den Titel „Auf Sand gebaut“. „Ein Verbündeter des Westens“ weiterlesen

Plädoyer für eine Kurskorrektur

Guy Standings Charta des Prekariats

Immer mehr Menschen fallen durch die Maschen sozialer Sicherung. Ihre Arbeits- und Lebensverhältnisse sind prekär. Der britische Wirtschaftswissenschaftler Guy Standing versteht sich als Anwalt dieser Menschen. Er sagt, dass die Unterprivilegierten inzwischen eine neue soziale Klasse bilden. Und er ist überzeugt: Sie werden sich organisieren und aufbegehren. In seinem neuen Buch fasst Standing seine Theorie des Prekariats zusammen und entwickelt ein konkretes Aktionsprogramm.
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Wohin die Erinnerung führt

Saul Friedländer über sein Leben nach 1945

Der 1932 in Prag geborene Saul Friedländer gehört zu den bedeutendsten Historikern der Shoa. Im Zentrum seiner jahrzehntelangen Forschungen steht sein zweibändiges opus magnum „Das Dritte Reich und die Juden“. Der aus einer deutschsprachigen jüdischen Familie stammende Friedländer zählt selbst zu den Opfern der Verfolgung. Unter schwierigsten Umständen hat er im besetzten Frankreich überlebt, seine Eltern wurden ermordet, vermutlich in Auschwitz. Über die Jahre seiner Kindheit und frühen Jugend hatte er 1979 eine autobiografische Schrift publiziert: „Wenn die Erinnerung kommt“. Jetzt ist bei C.H. Beck die Fortsetzung seiner Memoiren erschienen, in denen Friedländer von seinem Leben seit Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt.

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Die Affäre Schiwago

Der Kalte Krieg war immer auch ein Propaganda-Krieg, ein Krieg um die Köpfe der Menschen in Ost und West. Auch die Literatur spielte in dieser Auseinandersetzung eine wichtige Rolle. Doktor Schiwago, der große Roman des russischen Autors Boris Pasternak, ist sicherlich das bekannteste Beispiel. Peter Finn und Petra Couvée haben jetzt eine umfassende Darstellung der „Affäre Schiwago“ vorgelegt. „Die Affäre Schiwago“ weiterlesen

Eine wirkungsvolle Geste

Kleine Geschichte des Stinkefingers

Man kann andere mit Worten beleidigen – oder mit Gesten. Für Furore sorgt immer wieder der sogenannte Stinkefinger. Obwohl (oder weil?) ausgesprochen vulgär und obszön, erfreut er sich großer Beliebtheit. Selbst angesehene Politiker schrecken nicht vor ihm zurück, man denke an Varoufakis oder Steinbrück. Jetzt hat sich der Kulturhistoriker Reinhard Krüger des Themas angenommen und lädt ein zu einem mit vielen einschlägigen Bildern garnierten Streifzug durch die „Geschichte einer wirkungsvollen Geste“. „Eine wirkungsvolle Geste“ weiterlesen

Dunkle Verhältnisse

Die WDR 3-Literatursendung Gutenbergs Welt am 05. Juni 2016 beschäftigte sich mit „dunklen Verhältnissen“. Mit Moderator Walter van Rossum sprach ich über die Panama Papers im Allgemeinen und das gleichnamige Buch von Bastian Obermayer / Frederik Obermaier im Besonderen (erschienen bei Kiepenheuer & Witsch). Weitere Themen der Sendung: das neue Buch von Paul Schreyer Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung (Westend Verlag) und Hans-Ulrich Treichels Erzählung Tagesanbruch (Suhrkamp). „Dunkle Verhältnisse“ weiterlesen

Die Belasteten

Götz Aly über die NS-„Euthanasie“

In der NS-Zeit galten psychisch Kranke und Behinderte als „nutzlose Esser“, als „Ballastexistenzen“, als „lebensunwertes Leben“. Mit ihnen kannte das Regime keine Gnade. Seit Anfang 1934 wurden 400 000 Menschen zwangssterilisiert. Gegen Ende der 1930er Jahre setzten dann die systematischen Kranken- und Behindertenmorde ein. Betrachtet man nicht allein das deutsche Kernreich, sondern auch die im Krieg besetzten Gebiete, dann fielen diesen Morden insgesamt bis zu 300 000 Menschen zum Opfer, darunter weit über Zehntausend Kinder.

„Die Belasteten“ weiterlesen

„Krieg der Medien“

Unter diesem Titel beschäftigte sich die WDR 3-Literatursendung „Gutenbergs Welt“ am 17.04.2016 mit neuen Büchern zur aktuellen Mediendebatte. U.a. sprach Moderator Walter van Rossum mit Uwe Krüger über dessen Buch „Mainstream“. Ich habe Julia Cagés „Rettet die Medien“ rezensiert. „„Krieg der Medien““ weiterlesen

Hugo Ball und Michael Bakunin

Hugo Ball: Michael Bakunin. Ein Brevier. Herausgegeben von Hans Burkhard Schlichting unter Mitarbeit von Gisela Erbslöh. Wallstein Verlag 2010, 580 S. (= Sämtliche Werke und Briefe, Band 4), € 39.-

1927 veröffentlicht Hugo Ball ein autobiografisches Werk, eine Art Tagebuch mit dem Titel Die Flucht aus der Zeit. Darin notiert er unter dem Datum des 15. Juni 1915:

„Ich habe mich genau geprüft. Niemals würde ich das Chaos willkommen heißen, Bomben werfen, Brücken sprengen und die Begriffe abschaffen mögen. Ich bin kein Anarchist.“

Die Flucht aus der Zeit ist bekanntlich kein authentisches Tagebuch; Ball überliefert seine Eintragungen vielmehr in bearbeiteter, stilisierter Form. Und die Frage stellt sich: Ist es „Hugo Ball und Michael Bakunin“ weiterlesen

Die rote Köchin

Revolution geht durch den Magen

Anonym: Die Rote Köchin. Geschichte und Kochrezepte einer spartakistischen Zelle am Bauhaus Weimar. Aus dem Italienischen von Ambros Waibel. Ventil Verlag, 224 Seiten, € 15,90

Schon die Vorgeschichte dieses merkwürdigen Buches ist eigentlich viel zu schön, um wahr zu sein. Sie spielt in Italien, vor ein paar Jahren. Ein Mailänder Kunstsammler und –mäzen beauftragt einen Freund, nach Ascona zu fahren und in einer dort ansässigen Galerie ein kleines Aquarell von Paul Klee zu erwerben. Doch die aus Deutschland stammende Galeristin ziert sich, ihrem Kunden das Objekt auch nur zu zeigen. Nach einigem Hin und Her taut das Eis und sie fasst Vertrauen zu ihm. Es stellt sich heraus, dass „Die rote Köchin“ weiterlesen

Wenn der Iwan kommt…

Hannes Hofbauers Buch über das „Feindbild Russland“

Als kleiner Steppke spielte ich gerne Mäuschen, wenn ein paar ältere Männer aus unserem kleinen Eifeldorf die Köpfe zusammensteckten, um die großen politischen Fragen der Zeit zu verhandeln. Das war in den 1960er Jahren, im Kalten Krieg. Die weltpolitischen Zeichen standen zwar schon ein wenig auf Entspannung, aber das hatten besagte Männer, allesamt Weltkriegsteilnehmer, noch nicht mitbekommen. Und so politisierten sie munter drauf los. „Politisierende Eckensteher“ nannte der Dichter Adolf Glaßbrenner solche Leute.

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Wer rettet die Medien?

Drei neue Bücher zur aktuellen Mediendebatte

Die aktuelle Mediendebatte hat endgültig den Buchmarkt erreicht. Drei neue Titel sind im März 2016 erschienen. Die Pariser Medienökonomin Julia Cagé denkt darüber nach, wie wir die Medien, gerne auch als „vierte Gewalt“ bezeichnet, gegen den Kapitalismus verteidigen könnten. „Rettet die Medien“ heißt ihr bei C.H. Beck verlegtes Buch, in dem sie mit konkreten Vorschlägen aufwartet. Unter dem Titel „Mainstream“ (ebenfalls bei Beck) erklärt der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger, „warum wir den Medien nicht mehr trauen“. Und „Redaktionsschluss. Die Zeit nach der Zeitung“ heißt ein Buch, das Stefan Schulz im Hanser-Verlag veröffentlicht hat. Darin widmet sich der ehemalige Feuilleton-Redakteur der FAZ Themen, die in der gegenwärtigen Diskussion eine eher untergeordnete Rolle spielen und wirft einen Blick in die Medienzukunft.

„Wer rettet die Medien?“ weiterlesen

Weiße Barbarei

Im Jahr 2004 erschien im Züricher Rotpunktverlag das Buch „Weiße Barbarei: Vom Kolonialrassismus zur Rassenpolitik der Nazis“ der Kolumbianerin Rosa Amelia Plumelle-Uribe – ein erschütterndes Werk, heute so aktuell wie damals. Ich hatte es im September 2004 für die „Süddeutsche Zeitung“ rezensiert.

„Nazideutschland hat lediglich in kleinem Maßstab in Europa praktiziert, was die Westeuropäer Jahrhunderte lang gegenüber den Rassen praktiziert haben, die so mutig oder so unvorsichtig waren, ihnen über den Weg zu laufen.“ „Weiße Barbarei“ weiterlesen

Herbert Marcuse in geheimen Diensten

Kalter Krieg – aber intelligent

„Es gab und gibt in diesem Lande ziemlich strenge Restriktionen gegen Refugees, die noch kein Bürgerrecht in diesem Land erworben haben. Sie dürfen nicht direkt politisch tätig sein. Das war damals, bevor wir amerikanische Bürger wurden, unsere Situation, also politische Wirklichkeit war von Anfang an nur denkbar als theoretisch-intellektuelle Wirkungsmöglichkeit.“

(Herbert Marcuse)

Das war einer der Gründe, warum Herbert Marcuse, nachdem er sich vor den Nazis in die Vereinigten Staaten gerettet hatte, zunächst im exilierten Frankfurter Institut für Sozialforschung tätig war. Doch er bemühte sich erfolgreich um die amerikanische „Herbert Marcuse in geheimen Diensten“ weiterlesen