Für Putinversteher gibt’s kein Recht auf Gegendarstellung

von Paul Schreyer

In einer aktuellen Rezension von „Wir sind immer die Guten“ werden Mathias Bröckers und mir Aussagen unterstellt, die wir nicht getätigt haben – um uns auf dieser Grundlage um so heftiger kritisieren zu können. Eine Gegendarstellung wird verweigert. „Für Putinversteher gibt’s kein Recht auf Gegendarstellung“ weiterlesen

Abendland ist abgebrannt…

…und was ist mit dem Nationalstolz?

In Des Teufels Wörterbuch von Ambrose Bierce (1842-1914) findet sich folgende Definition:

Abendland – jener Teil der Welt, der westlich (bzw. östlich) des Morgenlandes liegt. Größtenteils bewohnt von Christen, einem mächtigen Unterstamm der Hypokriten, dessen wichtigste Gewerbe Mord und Betrug sind, von ihnen auch gern „Krieg“ und „Handel“ genannt. Dies sind zugleich die wichtigsten Gewerbe des Morgenlandes. „Abendland ist abgebrannt…“ weiterlesen

Lückenpresse-Bilanz

In einigen Tagen wird im Frankfurter Westend-Verlag mein neues Buch erscheinen: Der Krieg vor dem Krieg – Wie Propaganda über Leben und Tod entscheidet. Vielleicht eine gute Gelegenheit, eine kleine Besinnungspause einzulegen und zu fragen, wie es meinem Vorgängerbuch Lückenpresse ergangen ist. „Lückenpresse-Bilanz“ weiterlesen

Verachtete Völker (II)

R.L. Stevenson über Indianer

Im vorangegangenen Beitrag hatte ich Robert Louis Stevensons Buch Emigrant aus Leidenschaft vorgestellt und eine längere Passage aus dem Kapitel „Verachtete Völker“ zitiert, die vermutlich Anfang der 1880er Jahre verfasst wurde und den Hass weißer Europäer und Amerikaner auf chinesische Menschen beschreibt und kritisiert. In der folgenden Passage spricht Stevenson über das Schicksal der Indianer. „Verachtete Völker (II)“ weiterlesen

Verachtete Völker (I)

R.L. Stevenson über Chinesen

Im Sommer 1876 hatte Robert Louis Stevenson in Frankreich die verheiratete Amerikanerin Fanny Osbourne kennenglernt. Die beiden verliebten sich. Als Fanny zwei Jahre später in die USA zurückkehrte, folgte ihr Stevenson im August 1879 mit dem Ziel, ihre Scheidung zu erwirken und sie zu seiner Frau zu machen. „Verachtete Völker (I)“ weiterlesen

Lebensfäden

Erinnerungen von (und an) Ekkehart Krippendorff

Vor einem Jahr, am 27. Februar 2018, verstarb der Politikwissenschaftler und Autor Ekkehart Krippendorff. Seine Autobiografie „Lebensfäden“ war 2012 erschienen – nach wie vor eine lohnende Lektüre.

Ein typisch-deutscher Professor ist Ekkehart Krippendorff nie gewesen. Die Universitätslaufbahn des 1934 geborenen Politikwissenschaftlers war von zahlreichen Konflikten begleitet.

„Lebensfäden“ weiterlesen

Königreich der Angst

Martha Nussbaums Zeitdiagnose

In der jüngsten Ausgabe des WDR 3-Literaturmagazins Gutenbergs Welt (9. Februar 2019) sprach ich mit Walter van Rossum über Martha Nussbaums neues Buch „Königreich der Angst“, erschienen im Verlag wbg Theiss – hier der Beitrag zum Nachhören.

Nutzen der Geschichte

Von Georg Kaiser (1878-1945)

 

Lernt nur Geschichte! – Lernt sie um und um

und laßt euch keinen Zwischenfall entgehn.

Lernt unaufhörlich. Lernt euch krumm und dumm

mit der Jahrtausende Geschehn.

 

Was nachher kommt, erkennt ihr dann voraus

und jede Nuß ist knackend ausgekernt.

Nichts ändert sich. Es wird der alte Graus.

Als Warnung lernt Geschichte. Lernt!

 

Petrow & Boschirow

Was sagen eigentlich Sergej & Julia dazu?

Gestern verbreitete das russische Fernsehen ein Interview mit Alexander Petrow und Ruslan Boschirow. Die beiden werden von London beschuldigt, den Anschlag auf Sergej Skripal und seine Tochter Julia verübt zu haben. Nachdem das Interview die Runde gemacht hatte, sind die Pro- und Contra-Spekulationen kräftig ins Kraut geschossen. Was immer man von den Aussagen der beiden Russen halten mag: Dass sich die Beschuldigten öffentlich zu den Vorwürfen äußern würden, dürfte von London kaum erwartet worden sein. An der Gefechtslage wird es allerdings wenig ändern. „Petrow & Boschirow“ weiterlesen

Die graue Eminenz

Anmerkungen zu Hans Globke (1898-1973)

Auf den Tag genau vor 120 Jahren, am 10. September 1898, erblickte Hans Josef Maria Globke das Licht der Welt. Er wurde zu einer der fragwürdigsten Gestalten in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts und stand für deren mitunter frappierende Kontinuität. Während der NS-Zeit verfasste er den maßgeblichen Kommentator zu den Nürnberger Rassengesetzen, nach dem Zweiten Weltkrieg war er viele Jahre Chef des Bundeskanzleramts und die „graue Eminenz“ der Adenauer-Ära. 2009 hatte ich einige Bücher zum Fall Globke für die Süddeutsche Zeitung rezensiert. Hier der Artikel zum Nachlesen. „Die graue Eminenz“ weiterlesen

Demo-crazy

In der letzen Ausgabe des WDR 3-Literaturmagazins Gutenbergs Welt (25. August 2018) sprach ich mit Walter van Rossum über das Buch von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt „Wie Demokratien sterben“ (Deutsche Verlags-Anstalt). Hier der Beitrag zum Nachhören.

Mythos Kanonenbahn

Schienenstrang zu Feind und Freund

Bauprojekte von gigantischen Ausmaßen gibt es nicht erst in unseren Tagen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Preußen-Deutschland eine Eisenbahnlinie, die hierzulande bis heute ihresgleichen sucht. Die legendäre „Kanonenbahn“, wie sie im Volksmund genannt wurde, verband die Hauptstadt Berlin mit der Festungsstadt Metz, die nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 zu Deutschland gehörte. „Mythos Kanonenbahn“ weiterlesen

Spartacus ante portas!

Die „Wachhunde“ proben den Aufstand

Hunderte US-amerikanische Mainstream-Zeitungen haben sich gestern in Editorials – meist auf der Titelseite – gegen Donald Trumps Angriffe auf die „freie Presse“ verwahrt. Die Initiative ging vom Boston Globe aus. Aber nicht alle machten mit. Die Los Angeles Times etwa wollte mit dieser Art von „Gruppendenken“ nichts zu tun haben. Auch einzelne Journalisten distanzierten sich. Sie warfen ihren Kollegen Heuchelei und Selbstbetrug vor. „Spartacus ante portas!“ weiterlesen

Ein Stich ins Wespennest

US-Medien machen auf blöd

Er hat es schon wieder getan! Doch diesmal hat er nicht bloß Altbekanntes wiederholt. Vielmehr hat er der Sache einen neuen, unerwarteten Dreh gegeben. Man könnte auch sagen: Er hat noch eine Schippe draufgelegt. Was er erntete, war ein Sturm scheinheiliger Entrüstung. Die Rede ist – natürlich – von Donald Trump. „Ein Stich ins Wespennest“ weiterlesen

Kopflos durch die Wand

Demokratiekrise und propagandistischer Amoklauf

Walter Lippmann (1889-1974) war einer der einflussreichsten Publizisten und „public intellectuals“ in den USA des 20. Jahrhunderts. Dieser Tage hat der Westend-Verlag seinen Klassiker „Die öffentliche Meinung“ (1922) neu herausgebracht. Auch wenn unbestritten ist, dass Lippmann einem eher elitären Demokratieverständnis folgte, lautet die Frage: Ist dieses Buch eine zynische, machiavellistische Anleitung zur Massenmanipulation? Oder handelt es sich um eine frühe Mahnung vor den verheerenden Folgen moderner Propagandatechniken? Ich sehe in Walter Lippmann vor allem den besonnenen Aufklärer. Im heutigen politischen Leben der USA wäre er eine randständige, einsame Figur. „Kopflos durch die Wand“ weiterlesen

Aus! Aus! Das Spiel ist aus!

Und auch die Schuldfrage ist geklärt

Mannomann, war das ein Wochenende! Die herrschende Klasse krümmt sich vor Schmerz. Wadenkrämpfe, wohin man schaut. Ausgepowert. Am Ende. Jeder kann es sehen und spüren: Wir leben in vorrevolutionären Zeiten. Den Videobeweis können wir uns sparen. „Aus! Aus! Das Spiel ist aus!“ weiterlesen