Technik und Krise | Teil 1

Man hat dem Kommunismus und anderen politischen Großideologien vorgeworfen, sie hätten ihre Bevölkerungen in Geiselhaft genommen und in gigantische, opferreiche und am Ende gescheiterte Sozialexperimente hineingepresst. Das ist wahr. Aber die extremen politischen Ideologien stehen in dieser Hinsicht nicht allein. Auch andere haben sich – wenngleich nicht derart rigoros – immer wieder angemaßt, die Menschen zu ihrem Glück zu zwingen. So haben sich zum Beispiel auch die Apologeten des technischen Fortschritts des Öfteren darin gefallen, „Einzelschicksale einer höheren Berufung unterzuordnen“ (Dirk van Laak). Sie tun dies auch gegenwärtig wieder.

Unter dem Schlagwort „Great Reset“ (Großer Neustart) haben sie eine Rettungsaktion für den globalen Kapitalismus auf den Weg gebracht. Sie wissen nämlich, dass ein stupides „weiter so“ über kurz oder lang auf ein politisches, soziales und ökologisches Desaster zulaufen würde. Und damit wäre nicht nur das Überleben derer, die die Arbeit tun, gefährdet, sondern auch und insbesondere das der global agierenden Oligarchen. Um die große Krise abzuwenden, kommen den Reset-Strategen kleinere Krisen jederzeit zupass. Denn Krisen – seien sie genuin, seien sie inszeniert – wirken wie Geburtshelfer oder Katalysatoren: sie ebnen den für erforderlich gehaltenen Transformationsprozessen die Bahn.

Auch wenn die aktuelle Rettungsaktion dem globalen Kapitalismus und also einem ökonomischen System gilt, ist die Art und Weise, wie die Rettung ins Werk gesetzt wird, offensichtlich technischer Natur. Modernster Technik wird die Rolle einer universellen Problemlöserin zugedacht. Und die hinter dem „Great Reset“ sich verbergende Dystopie (von der wir aktuell im Rahmen der Coronakrise einen kleinen Vorgeschmack bekommen) ist die eines global ausgreifenden technokratischen Autoritarismus.

Es geht nicht länger um Freiheit und Demokratie, nicht länger um westliche Werte, auch nicht um das wie auch immer geartete gute Leben – es geht vielmehr um das Überleben eines Systems, das sich grundlegend ändern muss, damit alles so bleiben kann, wie es ist. Und es geht – vor allem – um das Überleben derer, die sich an den Schalthebeln des Systems wähnen.

Ja, die Apologeten des „Great Reset“ wähnen sich bloß an den Schalthebeln. Sie gehen von falschen Voraussetzungen aus. Weil sie im globalen System fraglos einen höchst komfortablen Platz einnehmen, sind sie der Illusion verfallen, sie könnten das System als solches steuern. Doch das können sie nicht. Weiterlesen bei Multipolar –>

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