Welche Zukunft?

Das WDR 3-Literaturmagazin Gutenbergs Welt beschäftigte sich am 11. Juni 2017 mit dem Thema „Zukunft“. Mit Moderator Walter van Rossum sprach ich über das Buch „Die Zukunft erfinden: Postkapitalismus und eine Welt ohne Arbeit“ von Nick Srnicek und Alex Williams (übersetzt von Thomas Atzert, erschienen in der Edition Tiamat). Hier der Beitrag zum Nachhören; er beginnt mit einem Ausschnitt aus Roger Willemsens Zukunftsrede „Wer wir waren“ (gelesen von Christian Brückner).

Moderne Maschinenstürmer

Wie funktioniert Technikkritik?

Ted Kaczynski wurde 1942 in Chicago geboren, als Sohn polnischer Einwanderer. Als er in die Schule kam, erkannten seine Lehrer schnell die außerordentliche mathematische Begabung des Jungen. Unter seinen Mitschülern erwarb sich Ted schon bald den Ruf eines Genies. Im Alter von nur 16 Jahren erlaubte man ihm die Aufnahme eines Mathematikstudiums an der Harvard University. Der Jungstudent erfüllte die in ihn gesetzten Erwartungen. 1967 wurde er Assistenzprofessor in Berkeley. Der Weg ins wissenschaftliche Establishment stand ihm offen.

Nur zwei Jahre später – die große Wende: Kaczynski kündigt seine Universitätsstelle. Der hoffnungsvolle Nachwuchswissenschaftler wird zum Aussteiger. Er zieht sich in die Wälder Montanas zurück und lebt über zwanzig Jahre als Einsiedler in einer selbstgebauten Holzhütte. „Moderne Maschinenstürmer“ weiterlesen

Katastrophengesellschaft

Für einen neuen Sicherheitsbegriff

Wir leben in einer globalen Katastrophengesellschaft, behaupte ich. Ein drastischer Begriff, gewiss, aber er erscheint mir aus drei Gründen gerechtfertigt: Zum einen wird unsere Welt immer öfter von schweren Katastrophen heimgesucht, von Naturkatastrophen, technischen Katastrophen, aber auch von ökonomischen, sozialen oder politischen Katastrophen. Sodann ist unser Leben durch ein enormes Katastrophen-Potential gekennzeichnet. Und schließlich: Viele von uns sind unfähig oder unwillig, diese Lage mit nüchternen Augen zu betrachten. Wir neigen zu extremen Ausschlägen, entweder zur Verdrängung und Beschwichtigung oder zur Dramatisierung und Hysterie. Die Katastrophengesellschaft laviert zwischen Panikmache und Verharmlosung. Eine Gesellschaft der Extreme also – und das hat fatale Folgen: Auf manchen Problemfeldern tut sie zu viel, auf anderen zu wenig, auf allzu vielen auch gar nichts. Vor allem aber, so meine These, tut sie das Falsche. Denn sie versucht ihre Probleme mit denselben Mitteln zu lösen, die sie verursacht haben. Sie glaubt allen Ernstes, mit Hilfe moderner Technik Sicherheit erlangen zu können. „Katastrophengesellschaft“ weiterlesen