Lügenpresse 1863

Ferdinand Lassalle als Medienkritiker

Im Folgenden dokumentiere und erläutere ich Auszüge einer Rede, die Ferdinand Lassalle im September 1863 vor Tausenden von Zuhörern in Barmen, Solingen und Düsseldorf gehalten hat. Die Rede erschien auch als Broschüre, wurde aber sogleich konfisziert. Zudem machte man Lassalle wegen Verstoßes gegen die §§ 100 und 101 des preußischen Strafgesetzbuches (die beiden Hass- und Verachtungsparagraphen) den Prozess. Im Frühjahr 1864 verurteilte ihn das Düsseldorfer Landgericht zu einem Jahr Gefängnis. In der Berufungsverhandlung wurde die Strafe auf ein halbes Jahr herabgesetzt. Wenige Tage nach dem Prozess ging Lassalle in die Schweiz, wo er zwei Monate später an den Folgen eines Duells verstarb. „Lügenpresse 1863“ weiterlesen

Stifters Weltanschauung – ein Zitat

Das Geschick fährt in einem goldenen Wagen. Was durch die Räder niedergedrückt wird, daran liegt nichts. Wenn auf einen Mann ein Felsen fällt oder der Blitz ihn tötet und wenn er nun das alles nicht mehr wirken kann, was er sonst gewirkt hätte, so wird es ein anderer tun. Wenn ein Volk dahingeht und zerstreut wird und das nicht erreichen kann, was es sonst erreicht hätte, so wird ein anderes Volk ein mehreres erreichen. Und wenn ganze Ströme von Völkern dahingegangen sind, die Unsägliches und Unzähliges getragen haben, so werden wieder neue Ströme kommen und Unsägliches und Unzähliges tragen, und wieder neue und wieder neue, und kein sterblicher Mensch kann sagen, wann das enden wird. Und wenn du deinem Herzen wehe getan hast, daß es zucket und vergehen will oder daß es sich ermannt und größer wird, so kümmert sich die Allheit nicht darum und dränget ihrem Ziele zu, das die Herrlichkeit ist. Du aber hättest es vermeiden können oder kannst es ändern, und die Änderung wird dir vergolten; denn es entsteht nun das Außerordentliche daraus.

Aus: Adalbert Stifter, Die Mappe meines Urgroßvaters (letzte Fassung), Original ohne Hervorhebung.

Der patagonische Hase

Erinnerungen von (und an) Claude Lanzmann

Heute wird der Dokumentarfilmer Claude Lanzmann („Shoah“) 92. Kein runder Geburtstag. Aber was ist an Lanzmann schon rund? Oder stromlinienförmig? Man kann sich dem großen Regisseur über seine Filme nähern – oder über seine Lebenserinnerungen, die er 2009 in Frankreich veröffentlichte und die ein Jahr später in deutscher Übersetzung erschienen. Eine (nach wie vor) lohnende Lektüre. „Der patagonische Hase“ weiterlesen

Aus der Praxis…

…eines Verschwörungstheoretikers

Zum Verschwörungstheoretiker kann man nicht werden. Entweder man ist Verschwörungstheoretiker von Anfang an, oder man ist es nicht. Der Verschwörungstheoretiker liegt einem im Blut, in den Genen. Ich bin Verschwörungstheoretiker seit meiner Geburt. „Aus der Praxis…“ weiterlesen

Es geht (nochmal) ums Prinzip

Vor einigen Tagen veröffentlichte ich einige Anmerkungen zur NachDenkSeiten-Kontroverse über Paul Schreyers Artikel Kontaktschuld oder: Wenn unbequeme Bücher „verschwinden“. Inzwischen habe ich das Thema in Form einer „Nachrichtenkritik“ für das SWR 2-Magazin Mehrspur (19. November 2017) aufbereitet. Hier der Beitrag zum Nachhören, anmoderiert von Wolfram Wessels. „Es geht (nochmal) ums Prinzip“ weiterlesen

Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt

Widerstand gegen die „Euthanasie“-Verbrechen der NS-Zeit

In der NS-Zeit galten psychisch Kranke und Behinderte, auch körperlich Behinderte, als „nutzlose Esser“, „Ballastexistenzen“, „lebensunwertes Leben“. Mit ihnen kannte das Regime keine Gnade. Seit Anfang 1934 wurden 400 000 Menschen zwangssterilisiert. Gegen Ende der 1930er Jahre setzten die systematischen Kranken- und Behindertenmorde der Nazis ein. Betrachtet man nicht allein das deutsche Kernreich, sondern auch die im Krieg besetzten Gebiete, dann fielen diesen Morden insgesamt bis zu 300 000 Menschen zum Opfer, darunter weit über Zehntausend Kinder. „Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt“ weiterlesen

Es geht ums Prinzip

Eine Kontroverse bei den NachDenkSeiten

Woran wollen wir uns orientieren? An der Parole „Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit“ oder an dem schönen Rosa-Luxemburg-Satz „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“? Und wie halten wir es mit nationalistischen, rechtspopulistischen Strömungen? Wollen wir sie stigmatisieren, ausgrenzen und „bekämpfen“? Oder vielleicht doch das Gespräch mit ihnen suchen? Und wenn ja, wie könnte das konkret aussehen? „Es geht ums Prinzip“ weiterlesen

Lügenpresse light?

Bernhard Pörksen und das „System-Vertrauen“

Der mediale Mainstream, aufgeschreckt durch „Lügenpresse“-Vorwürfe, inszeniert sich seit einiger Zeit als Hüter und Retter der Wahrheit. Er tritt „Fake News“-Kampagnen gegen unliebsame Konkurrenten los und betreibt angebliche „Faktenchecks“ – ein Kampf um Deutungshoheit. In den USA, die uns immer ein wenig voraus sind, tobt der Streit noch um einiges heftiger. Bislang ist unklar, wohin genau die Reise gehen wird. Aber schon jetzt kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, wohin sie nicht gehen wird: nicht in eine offenere Gesellschaft, nicht hin zu mehr Liberalität. „Lügenpresse light?“ weiterlesen

Der gestiefelte Kanzler

Wie der Staat von Katastrophen profitiert

„In der Katastrophe schlägt die Stunde des Staates“, hört und liest man immer wieder. So ganz stimmt das nicht. Zunächst einmal, ganz am Anfang, ist die Katastrophe in aller Regel nicht die Stunde des Staates, sondern des Staatsversagens. Denn bis sich der Staatsapparat auf die neue Lage eingestellt hat, dauert es meist eine Weile. Das liegt daran, dass man dort zwar stets auf Katastrophen gefasst ist, aber just mit dieser Katastrophe nicht gerechnet hat, und schon gar nicht zu diesem Zeitpunkt. „Der gestiefelte Kanzler“ weiterlesen

Schiffbruch

Die Katastrophe nach der Katastrophe

„In St. Jago, der Hauptstadt des Königreichs Chili, stand gerade in dem Augenblicke der großen Erderschütterung vom Jahre 1647, bei welcher viele tausend Menschen ihren Untergang fanden, ein junger, auf ein Verbrechen angeklagter Spanier, namens Jeronimo Rugera, an einem Pfeiler des Gefängnisses, in welches man ihn eingesperrt hatte, und wollte sich erhenken.“ „Schiffbruch“ weiterlesen

Die neue Inquisition

Von Paul Schreyer

Es gibt Journalisten, die bemerkt man kaum, da ihre Beiträge in Inhalt und Form weitgehend im großen Fluss des Mainstreams aufgehen. Man könnte sie als „Dienstleister“ bezeichnen, als politischer Kompass dienen ihnen die Ansichten des jeweiligen Auftraggebers. Andere Kollegen hingegen verursachen Unruhe und Widerspruch mit ihren Recherchen. Sie fragen nach, decken auf und erhalten am Ende, wenn es gut geht, einen angesehenen Journalistenpreis für ihre Arbeit. In der Branche werden sie hoch geschätzt. Dennoch (oder vielleicht deswegen?) würden sie nie auf die Idee kommen, die herrschenden Ansichten zu bestimmten grundlegenden Themen zu hinterfragen, etwa zu 9/11, der Geopolitik der NATO oder dem Geldsystem. Sie sind zwar kritisch, im Zweifel aber staatstragend. „Die neue Inquisition“ weiterlesen

McCarthy lässt grüßen

RT unter Beschuss – einige Fragen und Antworten

Der global agierende russische Nachrichtenkanal RT steht unter Druck – vor allem in den USA, aber auch in Großbritannien. „Sie werden versuchen euch auszuschalten“, hatte WikiLeaks-Gründer Julian Assange der Chefredakteurin des Senders einst prophezeit. Behält er am Ende Recht? Hier einige Fragen und Antworten zum „Phänomen RT“. „McCarthy lässt grüßen“ weiterlesen

Am Anfang war Gewalt

Mark Jones über die Geburt der Weimarer Republik

Nach dem Ersten Weltkrieg kommt es in Deutschland zum politischen Umbruch: Novemberrevolution, verfassunggebende Versammlung, freie Wahlen. Aus dem Kaiserreich wird die demokratische „Weimarer Republik“. Diesem verbreiteten Bild eines weitgehend friedlichen Übergangs setzt der 1981 geborene Historiker Mark Jones eine ganz andere Erzählung entgegen. In seinem Buch Am Anfang war Gewalt beschreibt er die heftigen militanten Auseinandersetzungen in der Geburtsphase der Weimarer Republik. „Am Anfang war Gewalt“ weiterlesen

Unglaublich! Aber wahr?

Tim und Jennifer erklären die Welt

Das WDR 3-Literaturmagazin Gutenbergs Welt stand am 22. Oktober 2017 unter dem Titel Die Medien und die Macht. Mit Moderator Walter van Rossum sprach ich über ein Werk von Tim Schreder und Jennifer Sieglar: „Ich versteh die Welt nicht mehr. Die wichtigsten Nachrichten verständlich erklärt“ (erschienen bei Piper). Das hat uns beiden Spaß gemacht, wie man oben nachhören kann.

Empire in decline

Ein Interview mit Chris Hedges

Am 6. Oktober 2017 erschien auf der World Socialist Web Site ein großes Interview von David North mit dem früheren New York Times-Korrespondenten und Pulitzer-Preisträger Chris Hedges. Heute wurde das Gespräch von der US-amerikanischen Unz Review übernommen (mit einem interessanten Leserforum). Ich will über Hedges‘ Ausführungen nicht viele Worte verlieren, sie bedürfen keiner weiteren Kommentierung – und seien nachdrücklich zur Lektüre empfohlen. Mehr von Chris Hedges bietet die Seite Truthdig, für die er seit längerem als Kolumnist tätig ist.

UPDATE, 12.10.2017: Das Interview mit Chris Hedges liegt jetzt auch in deutscher Übersetzung vor.