Sorge um Robert Parry

Gestern meldete sich der große US-amerikanische Journalist Robert Parry in eigener Sache. Auf seinem Informationsportal Consortiumnews teilte er mit, dass er an Weihnachten einen Schlaganfall erlitten hat. Seither ist seine Sehfähigkeit eingeschränkt. Lesen und Schreiben sind für ihn beschwerlich. Alles wird länger dauern. Und aus Rücksicht auf seine Gesundheit wird Parry, für den bislang jeder Tag ein Arbeitstag war, in Zukunft kürzer treten müssen. „Sorge um Robert Parry“ weiterlesen

The Doomsday Machine

Ein neues Buch von Daniel Ellsberg

Dieser Tage ist das Buch The Doomsday Machine – Confessions of a Nuclear War Planner erschienen. Sein Autor, Daniel Ellsberg, gilt als „elder statesman of whistleblowing“. Henry Kissinger bezeichnete ihn einst als „the most dangerous man in America“. 1971 hatte Ellsberg für weltweites Aufsehen gesorgt, als er verschiedenen US-Medien die „Pentagon Papers“ zuspielte. Sie belegten, dass die Regierung ihre eigene Bevölkerung über den Krieg in Vietnam jahrelang belogen und hinters Licht geführt hatte. „The Doomsday Machine“ weiterlesen

Am Pranger

Ute Frevert über die „Politik der Demütigung“

Ob im Militär, in der Kindererziehung, im Strafrecht oder in der Politik – Demütigung und Beschämung haben im Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft oder zwischen rivalisierenden gesellschaftlichen Gruppen einen festen Platz. Die Demütigung, sagt die Historikerin Ute Frevert, ist immer eine „Inszenierung von Macht“. In ihrem neuen Buch mit dem Titel „Die Politik der Demütigung“ lässt sie die vergangen 250 Jahre Revue passieren. Frevert erzählt eine Geschichte, die zivilisatorische Fortschritte, aber auch neue Gefahren sichtbar macht. „Am Pranger“ weiterlesen

Schöne alte Bücherwelt

Antiquariate und ihre Kunden

Alte Bücher haben Menschen seit jeher fasziniert – und manch einen ins Verderben gestürzt. Der legendäre Magister Tinius wurde sogar zum Räuber und Totschläger, um sich in den Besitz begehrter Druckwerke zu bringen. Bibliomane Exzesse wie dieser sind zwar Ausnahmen, doch Leidenschaft ist bei den Jägern und Sammlern alter Bücher fast immer im Spiel; nicht minder bei den Antiquaren, die in ihren Ladengeschäften, auf Auktionen oder Messen und seit einigen Jahren auch verstärkt im Internet ihre Schätze zum Verkauf anbieten.

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Das ganze Leben ist ein Quiz

Über Risiken, Gefahren – und Heuchelei

Haben Risiken in den vergangenen Jahrzehnten objektiv zugenommen – an Zahl und Größe? Oder sind wir nur sensibler für alle möglichen Gefährdungen geworden? Sind Risiken überhaupt real, gibt es sie wirklich, lassen sie sich zweifelsfrei nachweisen, gar messen? Oder sind sie lediglich Konstrukte, die von Wissenschaftlern, Medien oder wem auch immer (und wozu auch immer) erzeugt werden? „Das ganze Leben ist ein Quiz“ weiterlesen

Moselfahrt aus Liebeskummer

Rudolf Binding, einst Kultautor des konservativen deutschen Bürgertums, war ein Dichter des Untergangs

2017 jährt sich der 150. Geburtstag des Schriftstellers Rudolf Binding, 2018 sein 80. Todestag.

Als ich vor zehn Jahren für den SWR an einem Binding-Feature arbeitete, schien es mir, als befasse ich mich mit einem abgeschlossenen Thema, das nur noch historisches Interesse beanspruchen könne. Vor einigen Tagen, beim Wiederhören des Features nach langer Zeit, sind mir zu meiner Überraschung zahlreiche aktuelle Bezüge aufgefallen. „Moselfahrt aus Liebeskummer“ weiterlesen

Santa Claus

Michael Meyen zerpflückt Claus Kleber

In einer köstlichen Rezension hat sich der Münchner Professor für Kommunikationswissenschaft Michael Meyen mit Claus Klebers Büchlein „Rettet die Wahrheit“ (Ullstein 2017) befasst:

Claus Kleber ist nicht Ulrich Wickert und schon gar nicht Hanns Joachim Friedrichs. Okay: Die beiden Alten waren weg vom Bildschirm, als sie ihre Idee vom guten Journalismus aufgeschrieben haben. Vielleicht liegt aber gerade da das Problem. Claus Kleber ist weiter auf Sendung. Und er hat nichts verstanden.

„Santa Claus“ weiterlesen

Eine notwendige Debatte (samt Update)

Paul Schreyer und die NachDenkSeiten

In den vergangenen Wochen hatte ich an dieser Stelle in zwei Beiträgen die Kontroverse zwischen der Redaktion der NachDenkSeiten (NDS) und ihrem Mitarbeiter Paul Schreyer kommentiert – hier und hier. Es handelt sich aus meiner Sicht um eine notwendige Debatte, und mit meinen Veröffentlichungen wollte ich (wie einige andere Autoren und NDS-Leser auch) dazu beitragen, sie in eine konstruktive Richtung zu lenken. Das ist leider misslungen. Gestern haben die NDS ihre mehrjährige Zusammenarbeit mit Paul Schreyer beendet. „Eine notwendige Debatte (samt Update)“ weiterlesen

Lügenpresse 1863

Ferdinand Lassalle als Medienkritiker

Im Folgenden dokumentiere und erläutere ich Auszüge einer Rede, die Ferdinand Lassalle im September 1863 vor Tausenden von Zuhörern in Barmen, Solingen und Düsseldorf gehalten hat. Die Rede erschien auch als Broschüre, wurde aber sogleich konfisziert. Zudem machte man Lassalle wegen Verstoßes gegen die §§ 100 und 101 des preußischen Strafgesetzbuches (die beiden Hass- und Verachtungsparagraphen) den Prozess. Im Frühjahr 1864 verurteilte ihn das Düsseldorfer Landgericht zu einem Jahr Gefängnis. In der Berufungsverhandlung wurde die Strafe auf ein halbes Jahr herabgesetzt. Wenige Tage nach dem Prozess ging Lassalle in die Schweiz, wo er zwei Monate später an den Folgen eines Duells verstarb. „Lügenpresse 1863“ weiterlesen

Stifters Weltanschauung – ein Zitat

Das Geschick fährt in einem goldenen Wagen. Was durch die Räder niedergedrückt wird, daran liegt nichts. Wenn auf einen Mann ein Felsen fällt oder der Blitz ihn tötet und wenn er nun das alles nicht mehr wirken kann, was er sonst gewirkt hätte, so wird es ein anderer tun. Wenn ein Volk dahingeht und zerstreut wird und das nicht erreichen kann, was es sonst erreicht hätte, so wird ein anderes Volk ein mehreres erreichen. Und wenn ganze Ströme von Völkern dahingegangen sind, die Unsägliches und Unzähliges getragen haben, so werden wieder neue Ströme kommen und Unsägliches und Unzähliges tragen, und wieder neue und wieder neue, und kein sterblicher Mensch kann sagen, wann das enden wird. Und wenn du deinem Herzen wehe getan hast, daß es zucket und vergehen will oder daß es sich ermannt und größer wird, so kümmert sich die Allheit nicht darum und dränget ihrem Ziele zu, das die Herrlichkeit ist. Du aber hättest es vermeiden können oder kannst es ändern, und die Änderung wird dir vergolten; denn es entsteht nun das Außerordentliche daraus.

Aus: Adalbert Stifter, Die Mappe meines Urgroßvaters (letzte Fassung), Original ohne Hervorhebung.

Der patagonische Hase

Erinnerungen von (und an) Claude Lanzmann

Heute wird der Dokumentarfilmer Claude Lanzmann („Shoah“) 92. Kein runder Geburtstag. Aber was ist an Lanzmann schon rund? Oder stromlinienförmig? Man kann sich dem großen Regisseur über seine Filme nähern – oder über seine Lebenserinnerungen, die er 2009 in Frankreich veröffentlichte und die ein Jahr später in deutscher Übersetzung erschienen. Eine (nach wie vor) lohnende Lektüre. „Der patagonische Hase“ weiterlesen

Aus der Praxis…

…eines Verschwörungstheoretikers

Zum Verschwörungstheoretiker kann man nicht werden. Entweder man ist Verschwörungstheoretiker von Anfang an, oder man ist es nicht. Der Verschwörungstheoretiker liegt einem im Blut, in den Genen. Ich bin Verschwörungstheoretiker seit meiner Geburt. „Aus der Praxis…“ weiterlesen

Es geht (nochmal) ums Prinzip

Vor einigen Tagen veröffentlichte ich einige Anmerkungen zur NachDenkSeiten-Kontroverse über Paul Schreyers Artikel Kontaktschuld oder: Wenn unbequeme Bücher „verschwinden“. Inzwischen habe ich das Thema in Form einer „Nachrichtenkritik“ für das SWR 2-Magazin Mehrspur (19. November 2017) aufbereitet. Hier der Beitrag zum Nachhören, anmoderiert von Wolfram Wessels. „Es geht (nochmal) ums Prinzip“ weiterlesen

Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt

Widerstand gegen die „Euthanasie“-Verbrechen der NS-Zeit

In der NS-Zeit galten psychisch Kranke und Behinderte, auch körperlich Behinderte, als „nutzlose Esser“, „Ballastexistenzen“, „lebensunwertes Leben“. Mit ihnen kannte das Regime keine Gnade. Seit Anfang 1934 wurden 400 000 Menschen zwangssterilisiert. Gegen Ende der 1930er Jahre setzten die systematischen Kranken- und Behindertenmorde der Nazis ein. Betrachtet man nicht allein das deutsche Kernreich, sondern auch die im Krieg besetzten Gebiete, dann fielen diesen Morden insgesamt bis zu 300 000 Menschen zum Opfer, darunter weit über Zehntausend Kinder. „Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt“ weiterlesen

Es geht ums Prinzip

Eine Kontroverse bei den NachDenkSeiten

Woran wollen wir uns orientieren? An der Parole „Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit“ oder an dem schönen Rosa-Luxemburg-Satz „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“? Und wie halten wir es mit nationalistischen, rechtspopulistischen Strömungen? Wollen wir sie stigmatisieren, ausgrenzen und „bekämpfen“? Oder vielleicht doch das Gespräch mit ihnen suchen? Und wenn ja, wie könnte das konkret aussehen? „Es geht ums Prinzip“ weiterlesen