Bemerkenswert

Lückenpresse. Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten

Ist die Kritik an die etablierten Medien berechtigt oder Paranoia à la „Lügenpresse“?

Die etablierten Medien stecken in einer massiven Glaubwürdigkeitskrise. Teile des Publikums proben den Aufstand, öffentliche und veröffentlichte Meinung driften auseinander. Nicht nur hierzulande, auch in vielen anderen Ländern geraten die angeblichen Leitmedien unter Beschuss. Stein des Anstoßes sind die Inhalte – Stichwort „Lügenpresse“. Doch sind Lügen wirklich das Problem? Ulrich Teusch stellt zwei andere, weit gravierendere Faktoren ins Zentrum seiner Analyse: die Unterdrückung wesentlicher Informationen und das Messen mit zweierlei Maß. Beide Defizite sind in unserem Mediensystem strukturell verankert. Wenn sich daran nichts ändert, wird sich das Siechtum der Mainstreammedien fortsetzen. Und der Journalismus, wie wir ihn kannten, wird bald der Vergangenheit angehören.

Erscheint am: 01.09.2016
ISBN:978-3-86489-145-8

Eine wirkungsvolle Geste

Kleine Geschichte des Stinkefingers

Man kann andere mit Worten beleidigen – oder mit Gesten. Für Furore sorgt immer wieder der sogenannte Stinkefinger. Obwohl (oder weil?) ausgesprochen vulgär und obszön, erfreut er sich großer Beliebtheit. Selbst angesehene Politiker schrecken nicht vor ihm zurück, man denke an Varoufakis oder Steinbrück. Jetzt hat sich der Kulturhistoriker Reinhard Krüger des Themas angenommen und lädt ein zu einem mit vielen einschlägigen Bildern garnierten Streifzug durch die „Geschichte einer wirkungsvollen Geste“. „Eine wirkungsvolle Geste“ weiterlesen

Reif für die Schatzinsel

Ist das nicht Abenteuer pur – samt glücklichem Ende? Eine alte Schatzkarte beflügelt die Fantasie der Männer um den jugendlichen Helden Jim Hawkins. Kurzerhand rüsten sie ein Schiff aus, stechen in See, werden auf einer verwunschenen Insel fündig und bringen ihre reiche Beute heil nach England. Doch dann wird Jim von „grässlichsten Albträumen“ heimgesucht. Denn das schöne Abenteuer blieb nicht ohne Blut und Leid, Schandtaten und Grausamkeiten. „Reif für die Schatzinsel“ weiterlesen

ARTE und „Der Fall Magnizki“ – Update

Am 30. April 2016 hatte ich an dieser Stelle über den von ARTE angekündigten und dann abgesetzten Dokumentarfilm Der Fall Maginzki des russischen Journalisten Andrei Nekrasov berichtet. Auch eine geplante Vorführung des Films in den Räumen des Brüsseler EU-Parlaments musste kurzfristig abgesagt werden. Der britische Investment-Banker William Browder, der in dem Streifen nicht gut wegkommt, hatte mit rechtlichen Schritten gedroht. „ARTE und „Der Fall Magnizki“ – Update“ weiterlesen

#JusticeForHarambe?

Was der Tod eines Gorillas über den Zustand der Welt verrät

Die Geschichte ist schnell erzählt. Im Cincinnati Zoo von Cleveland, US-Bundesstaat Ohio, gerät ein vierjähriger Junge in das Gorilla-Gehege. Der Gorilla Harambe nähert sich ihm. Die Situation nimmt immer bedrohlichere Züge an. Die Verantwortlichen entschließen sich, den Gorilla durch einen gezielten Schuss zu töten. Das Kind wird gerettet.

Der Tod des Gorillas ist zweifellos traurig. Gorillas sind beeindruckende, faszinierende, Furcht und Ehrfurcht gebietende Tiere.

„#JusticeForHarambe?“ weiterlesen

Dunkle Verhältnisse

Die WDR 3-Literatursendung Gutenbergs Welt am 05. Juni 2016 beschäftigte sich mit „dunklen Verhältnissen“. Mit Moderator Walter van Rossum sprach ich über die Panama Papers im Allgemeinen und das gleichnamige Buch von Bastian Obermayer / Frederik Obermaier im Besonderen (erschienen bei Kiepenheuer & Witsch). Weitere Themen der Sendung: das neue Buch von Paul Schreyer Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung (Westend Verlag) und Hans-Ulrich Treichels Erzählung Tagesanbruch (Suhrkamp). „Dunkle Verhältnisse“ weiterlesen

Antisemitismus in der Labour Party?

„Ausfälle gegen Juden“, berichtet die Londoner Welt-Korrespondentin Stefanie Bolzen, „sind in der britischen Labour-Partei fast zur Normalität geworden“. In der FAZ fragt Raphael Gross besorgt: „Was ist nur mit der Labour Party los…?“ Und er will wissen: „Warum spielen Teile der Linken den Holocaust herunter?“ Die NZZ spricht in ihrer Schlagzeile kurzerhand – und in jeder Hinsicht unangemessen – von „Corbyns Schmuddelecke“. Der Tenor dieser und anderer Beiträge in deutschsprachigen Medien ist eindeutig: Die britische Labour Party hat ein „Antisemitismus-Problem“. „Antisemitismus in der Labour Party?“ weiterlesen

Gergiev in Palmyra

Große Kunst gegen nackte Barbarei. Am 5. Mai 2016 konzertierte das Sankt Petersburger Mariinsky-Sinfonieorchester unter seinem Dirigenten Valeri Gergiev im syrischen Palmyra. Ein musikalisches Großereignis. Es hätte globale Aufmerksamkeit und Bewunderung, weltweiten Beifall verdient gehabt. Jedoch, wie reagierten westliche Medien auf diese grandiose Manifestation für Frieden und Humanität? Sie dekuvrierten sich selbst, von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen. Ein intellektuelles Armutszeugnis, eine moralische Bankrotterklärung, eine Schande. „Gergiev in Palmyra“ weiterlesen

Dark Alliance

Wie der große Journalist Gary Webb in den Tod getrieben wurde

Dark Alliance – unter diesem Titel veröffentlichte der kalifornische Journalist Gary Webb im August 1996 eine Artikelserie, in der er eines der schmutzigsten Kapitel US-amerikanischer Politik im 20. Jahrhundert aufdeckte. Seine Enthüllungen sind Webb teuer zu stehen gekommen. Was zum Auftakt einer großen journalistischen Karriere hätte werden können, endete wenige Jahre später in einer Tragödie. Verarmt, desillusioniert und einsam, schoss sich Gary Webb im Dezember 2004 zwei Kugeln in den Kopf. „Dark Alliance“ weiterlesen

ARTE und „Der Fall Magnizki“

Für den 3. Mai, den “Tag der Pressefreiheit”, hatte der Fernsehsender ARTE einen fast zweistündigen Dokumentarfilm des russischen Journalisten Andrei Nekrasov angekündigt: „Der Fall Magnizki“. Nun wurde der Film, an dem das ZDF als Koproduzent beteiligt war, kurzfristig abgesetzt. Ein Vorgang, aus dem man einiges lernen kann.

„Andrei Nekrasov wollte die Geschichte eines modernen Helden verfilmen“ – so hieß es einst in der Programm-Ankündigung von ARTE. Die Heldenrolle sollte der russische Steueranwalt Sergej Magnizki übernehmen. Er hatte einen gewaltigen Betrugsfall – die „ARTE und „Der Fall Magnizki““ weiterlesen

Arbeiten im Spannungsfeld

Der Künstler und die Macht

Die Künstler können den politisch Mächtigen nützlich sein, sie können ihnen aber auch unbequem, sogar gefährlich werden. Das Verhältnis zwischen Kunst und politischer Macht ist seit jeher spannungs- und konfliktgeladen. Das liegt nicht daran, dass jedes Kunstwerk politisch wäre, sondern daran, dass kein Kunstwerk unpolitisch ist. Oder besser: dass kein Kunstwerk vor einer Politisierung gefeit ist.

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Die Belasteten

Götz Aly über die NS-„Euthanasie“

In der NS-Zeit galten psychisch Kranke und Behinderte als „nutzlose Esser“, als „Ballastexistenzen“, als „lebensunwertes Leben“. Mit ihnen kannte das Regime keine Gnade. Seit Anfang 1934 wurden 400 000 Menschen zwangssterilisiert. Gegen Ende der 1930er Jahre setzten dann die systematischen Kranken- und Behindertenmorde ein. Betrachtet man nicht allein das deutsche Kernreich, sondern auch die im Krieg besetzten Gebiete, dann fielen diesen Morden insgesamt bis zu 300 000 Menschen zum Opfer, darunter weit über Zehntausend Kinder.

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