Es geht ums Prinzip

Eine Kontroverse bei den NachDenkSeiten

Woran wollen wir uns orientieren? An der Parole „Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit“ oder an dem schönen Rosa-Luxemburg-Satz „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“? Und wie halten wir es mit nationalistischen, rechtspopulistischen Strömungen? Wollen wir sie stigmatisieren, ausgrenzen und „bekämpfen“? Oder vielleicht doch das Gespräch mit ihnen suchen? Und wenn ja, wie könnte das konkret aussehen? „Es geht ums Prinzip“ weiterlesen

Lügenpresse light?

Bernhard Pörksen und das „System-Vertrauen“

Der mediale Mainstream, aufgeschreckt durch „Lügenpresse“-Vorwürfe, inszeniert sich seit einiger Zeit als Hüter und Retter der Wahrheit. Er tritt „Fake News“-Kampagnen gegen unliebsame Konkurrenten los und betreibt angebliche „Faktenchecks“ – ein Kampf um Deutungshoheit. In den USA, die uns immer ein wenig voraus sind, tobt der Streit noch um einiges heftiger. Bislang ist unklar, wohin genau die Reise gehen wird. Aber schon jetzt kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, wohin sie nicht gehen wird: nicht in eine offenere Gesellschaft, nicht hin zu mehr Liberalität. „Lügenpresse light?“ weiterlesen

Der gestiefelte Kanzler

Wie der Staat von Katastrophen profitiert

„In der Katastrophe schlägt die Stunde des Staates“, hört und liest man immer wieder. So ganz stimmt das nicht. Zunächst einmal, ganz am Anfang, ist die Katastrophe in aller Regel nicht die Stunde des Staates, sondern des Staatsversagens. Denn bis sich der Staatsapparat auf die neue Lage eingestellt hat, dauert es meist eine Weile. Das liegt daran, dass man dort zwar stets auf Katastrophen gefasst ist, aber just mit dieser Katastrophe nicht gerechnet hat, und schon gar nicht zu diesem Zeitpunkt. „Der gestiefelte Kanzler“ weiterlesen

Schiffbruch

Die Katastrophe nach der Katastrophe

„In St. Jago, der Hauptstadt des Königreichs Chili, stand gerade in dem Augenblicke der großen Erderschütterung vom Jahre 1647, bei welcher viele tausend Menschen ihren Untergang fanden, ein junger, auf ein Verbrechen angeklagter Spanier, namens Jeronimo Rugera, an einem Pfeiler des Gefängnisses, in welches man ihn eingesperrt hatte, und wollte sich erhenken.“ „Schiffbruch“ weiterlesen

Die neue Inquisition

Von Paul Schreyer

Es gibt Journalisten, die bemerkt man kaum, da ihre Beiträge in Inhalt und Form weitgehend im großen Fluss des Mainstreams aufgehen. Man könnte sie als „Dienstleister“ bezeichnen, als politischer Kompass dienen ihnen die Ansichten des jeweiligen Auftraggebers. Andere Kollegen hingegen verursachen Unruhe und Widerspruch mit ihren Recherchen. Sie fragen nach, decken auf und erhalten am Ende, wenn es gut geht, einen angesehenen Journalistenpreis für ihre Arbeit. In der Branche werden sie hoch geschätzt. Dennoch (oder vielleicht deswegen?) würden sie nie auf die Idee kommen, die herrschenden Ansichten zu bestimmten grundlegenden Themen zu hinterfragen, etwa zu 9/11, der Geopolitik der NATO oder dem Geldsystem. Sie sind zwar kritisch, im Zweifel aber staatstragend. „Die neue Inquisition“ weiterlesen

McCarthy lässt grüßen

RT unter Beschuss – einige Fragen und Antworten

Der global agierende russische Nachrichtenkanal RT steht unter Druck – vor allem in den USA, aber auch in Großbritannien. „Sie werden versuchen euch auszuschalten“, hatte WikiLeaks-Gründer Julian Assange der Chefredakteurin des Senders einst prophezeit. Behält er am Ende Recht? Hier einige Fragen und Antworten zum „Phänomen RT“. „McCarthy lässt grüßen“ weiterlesen

Am Anfang war Gewalt

Mark Jones über die Geburt der Weimarer Republik

Nach dem Ersten Weltkrieg kommt es in Deutschland zum politischen Umbruch: Novemberrevolution, verfassunggebende Versammlung, freie Wahlen. Aus dem Kaiserreich wird die demokratische „Weimarer Republik“. Diesem verbreiteten Bild eines weitgehend friedlichen Übergangs setzt der 1981 geborene Historiker Mark Jones eine ganz andere Erzählung entgegen. In seinem Buch Am Anfang war Gewalt beschreibt er die heftigen militanten Auseinandersetzungen in der Geburtsphase der Weimarer Republik. „Am Anfang war Gewalt“ weiterlesen

Unglaublich! Aber wahr?

Tim und Jennifer erklären die Welt

Das WDR 3-Literaturmagazin Gutenbergs Welt stand am 22. Oktober 2017 unter dem Titel Die Medien und die Macht. Mit Moderator Walter van Rossum sprach ich über ein Werk von Tim Schreder und Jennifer Sieglar: „Ich versteh die Welt nicht mehr. Die wichtigsten Nachrichten verständlich erklärt“ (erschienen bei Piper). Das hat uns beiden Spaß gemacht, wie man oben nachhören kann.

Empire in decline

Ein Interview mit Chris Hedges

Am 6. Oktober 2017 erschien auf der World Socialist Web Site ein großes Interview von David North mit dem früheren New York Times-Korrespondenten und Pulitzer-Preisträger Chris Hedges. Heute wurde das Gespräch von der US-amerikanischen Unz Review übernommen (mit einem interessanten Leserforum). Ich will über Hedges‘ Ausführungen nicht viele Worte verlieren, sie bedürfen keiner weiteren Kommentierung – und seien nachdrücklich zur Lektüre empfohlen. Mehr von Chris Hedges bietet die Seite Truthdig, für die er seit längerem als Kolumnist tätig ist.

UPDATE, 12.10.2017: Das Interview mit Chris Hedges liegt jetzt auch in deutscher Übersetzung vor.

Ein Tabubruch und seine Folgen

Vor zehn Jahren erschien ein Buch über die „Israel-Lobby“

Es war ein Tabubruch, der heftige Reaktionen auslöste: Vor zehn Jahren erschien in den USA das Buch The Israel Lobby and US Foreign Policy (deutsche Übersetzung bei Campus), verfasst von den  Politikwissenschaftlern John Mearsheimer (University of Chicago) und Stephen Walt (Harvard University). Bereits ein Jahr zuvor, 2006, hatten die beiden in der London Review of Books einen umfangreichen Aufsatz zum Thema veröffentlicht. Jetzt, zehn Jahre später, ziehen sie eine vorläufige Bilanz. Welche Wirkung hatten Aufsatz und Buch? Was hat sich zwischenzeitlich geändert? Und wie war das eigentlich damals, als sie sich entschlossen, ihren Stich ins Wespennest zu setzen? „Ein Tabubruch und seine Folgen“ weiterlesen

Putins Staatsfeind Nr. 1

Neues von William Browder

Es gibt Neuigkeiten im Fall William Browder. Nachdem es dem einflussreichen Herrn bereits 2016 gelungen war, die auf ARTE angekündigte Ausstrahlung des Dokumentarfilms Der Fall Magnizki (engl.: The Magnitsky Act – Behind the Scenes) zu unterbinden, hat er nun Amazon veranlasst, das für ihn unangenehme Buch The Killing of William Browder aus dem Vertrieb zu nehmen. „Putins Staatsfeind Nr. 1“ weiterlesen

Der Elefant in der Runde

Man fasst sich an den Kopf. Der Auftritt des Martin Schulz in der sogenannten Elefantenrunde rief Erinnerungen wach an die denkwürdige Randale Gerhard Schröders nach seiner Wahlniederlage 2005. Immerhin besaß Schröder seinerzeit die Größe, seine Performance rückblickend als „suboptimal“ zu bewerten. „Der Elefant in der Runde“ weiterlesen

Trump versus Kennedy

Was Donald Trump vor wenigen Tagen vor der UN-Generalversammlung vom Stapel ließ, macht rat- und fassungslos. Der amtierende US-Präsident droht – vor der UNO! – unverhohlen mit Genozid. Doch niemand dreht ihm das Mikrofon ab. Niemand wirft ihn aus dem Saal. Der Journalist David Swanson hat – fast zeitgleich mit Trumps ungeheuerlichem Auftritt – an die Rede eines anderen US-Präsidenten erinnert: John F. Kennedy sprach 1963, wenige Monate vor seiner Ermordung, an der American University. Swanson sagt, das sei die beste Rede, die man je von einem amerikanischen Präsidenten gehört hat. Damit könnte er Recht haben. Die wichtigsten Passagen kann man hier nachhören.

Vietnam auf ARTE

Einige Hinweise zum Dokumentarfilm von Ken Burns und Lynn Novick

Vergangene Woche zeigte ARTE die mehrteilige (allerdings etwa um die Hälfte gekürzte) Vietnamkriegs-Dokumentation von Ken Burns und  Lynn Novick. Zeitgleich lief die PBS-Produktion in den USA, dort allerdings in voller Länge: 18 Stunden. Angesichts einer solch umfassenden Aufarbeitung des jahrzehntelangen Krieges in Südostasien ist man versucht, mit superlativischen Begriffen wie „monumental“ und „überwältigend“ zu hantieren. Vor der großen Leistung der beiden renommierten Dokumentarfilmer, könnte man meinen, verstummt jede Kritik. Und sieht man sich die bisherigen Reaktionen deutscher Medien an, findet sich dieser Eindruck bestätigt. „Vietnam auf ARTE“ weiterlesen

Leistungsgerecht?

Was Top-Journalisten so alles verdienen

Das „Kanzlerduell“! Sie erinnern sich? Eine Stunde plätscherte das stupide Frage- und Antwortspiel dahin, bis dann doch noch das Stichwort „soziale Gerechtigkeit“ fiel. Es blieb Sandra Illner – oder war es Maybrit Maischberger? – vorbehalten, den sogenannten Kanzlerkandidaten der SPD wie folgt anzugehen: „Deutschland boomt, es gibt ein Wirtschaftswachstum, das sich gewaschen hat …, und doch sagen Sie, es geht ein tiefer Riss durch unsere Gesellschaft. Leben Sie vielleicht in einem anderen Land, mit anderen Nachbarn?“ „Leistungsgerecht?“ weiterlesen