Aufstand der Ruinenkinder?

Heinz Bude über die 68er-Bewegung

Das WDR 3-Literaturmagazin Gutenbergs Welt blickte am 4. Februar 2017 auf die 68er-Bewegung zurück. Hier zum Nachhören mein Gespräch mit Moderator Walter van Rossum über das Buch des Soziologen Heinz Bude Adorno für Ruinenkinder: Eine Geschichte von 1968 (Hanser Verlag). „Aufstand der Ruinenkinder?“ weiterlesen

Lügen lesen

Über einen Essay von Bettina Stangneth

Die Philosophin Bettina Stangneth hat mit ihrer Studie über den NS-Verbrecher Adolf Eichmann sowie dem nachfolgenden Essay über „Böses Denken“ große Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden. In ihrem neuen Buch bleibt sie ihrem Thema treu: Sie beschäftigt sich mit dem Phänomen der Lüge, jener eigentümlichen Kommunikationsform, die wir zwar missbilligen, wenn wir von ihr betroffen sind, der wir uns aber selbst immer wieder wie selbstverständlich bedienen. „Lügen lesen“ weiterlesen

Die ferngesteuerte SPD – und ihre vergessenen Wurzeln

Von Paul Schreyer

Die SPD hatte von 1925 bis 1959 ein Parteiprogramm, in dem analysiert wurde, dass „übermächtige Beherrscher der Wirtschaft die Gesellschaft in ihre ökonomische Abhängigkeit bringen“ und „das Finanzkapital die Staatsmacht benutzt“. Weiß das Martin Schulz, der vor wenigen Wochen in anderem Zusammenhang an dieses historische Programm erinnerte? „Die ferngesteuerte SPD – und ihre vergessenen Wurzeln“ weiterlesen

Zweierlei Maßlosigkeit

Ken Jebsen, Tom Friedman und der Zwiebelbauch

Man muss sich die journalistische Zunft wie eine Zwiebel vorstellen. Ein dicker Bauch in der Mitte, Spitzen oben und unten. Im dicken Bauch tummelt sich die große journalistische Masse. Sie unterscheidet sich nur unwesentlich von anderen Massen. Da gibt es Gerechte und Ungerechte, Gute und Schlechte, Talentierte und Stümper. „Zweierlei Maßlosigkeit“ weiterlesen

Wenn das Volk sich erhebt

Im WDR 3-Literaturmagazin Gutenbergs Welt ging es am 14. Januar 2018 um das Thema „Revolution“. Hier zum Nachhören mein Gespräch mit Moderator Walter van Rossum über Gero von Randows Buch Wenn das Volk sich erhebt: Schönheit und Schrecken der Revolution (Kiepenheuer & Witsch).

Sorge um Robert Parry

Gestern meldete sich der große US-amerikanische Journalist Robert Parry in eigener Sache. Auf seinem Informationsportal Consortiumnews teilte er mit, dass er an Weihnachten einen Schlaganfall erlitten hat. Seither ist seine Sehfähigkeit eingeschränkt. Lesen und Schreiben sind für ihn beschwerlich. Alles wird länger dauern. Und aus Rücksicht auf seine Gesundheit wird Parry, für den bislang jeder Tag ein Arbeitstag war, in Zukunft kürzer treten müssen. „Sorge um Robert Parry“ weiterlesen

The Doomsday Machine

Ein neues Buch von Daniel Ellsberg

Dieser Tage ist das Buch The Doomsday Machine – Confessions of a Nuclear War Planner erschienen. Sein Autor, Daniel Ellsberg, gilt als „elder statesman of whistleblowing“. Henry Kissinger bezeichnete ihn einst als „the most dangerous man in America“. 1971 hatte Ellsberg für weltweites Aufsehen gesorgt, als er verschiedenen US-Medien die „Pentagon Papers“ zuspielte. Sie belegten, dass die Regierung ihre eigene Bevölkerung über den Krieg in Vietnam jahrelang belogen und hinters Licht geführt hatte. „The Doomsday Machine“ weiterlesen

Am Pranger

Ute Frevert über die „Politik der Demütigung“

Ob im Militär, in der Kindererziehung, im Strafrecht oder in der Politik – Demütigung und Beschämung haben im Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft oder zwischen rivalisierenden gesellschaftlichen Gruppen einen festen Platz. Die Demütigung, sagt die Historikerin Ute Frevert, ist immer eine „Inszenierung von Macht“. In ihrem neuen Buch mit dem Titel „Die Politik der Demütigung“ lässt sie die vergangen 250 Jahre Revue passieren. Frevert erzählt eine Geschichte, die zivilisatorische Fortschritte, aber auch neue Gefahren sichtbar macht. „Am Pranger“ weiterlesen

Schöne alte Bücherwelt

Antiquariate und ihre Kunden

Alte Bücher haben Menschen seit jeher fasziniert – und manch einen ins Verderben gestürzt. Der legendäre Magister Tinius wurde sogar zum Räuber und Totschläger, um sich in den Besitz begehrter Druckwerke zu bringen. Bibliomane Exzesse wie dieser sind zwar Ausnahmen, doch Leidenschaft ist bei den Jägern und Sammlern alter Bücher fast immer im Spiel; nicht minder bei den Antiquaren, die in ihren Ladengeschäften, auf Auktionen oder Messen und seit einigen Jahren auch verstärkt im Internet ihre Schätze zum Verkauf anbieten.

„Schöne alte Bücherwelt“ weiterlesen

Das ganze Leben ist ein Quiz

Über Risiken, Gefahren – und Heuchelei

Haben Risiken in den vergangenen Jahrzehnten objektiv zugenommen – an Zahl und Größe? Oder sind wir nur sensibler für alle möglichen Gefährdungen geworden? Sind Risiken überhaupt real, gibt es sie wirklich, lassen sie sich zweifelsfrei nachweisen, gar messen? Oder sind sie lediglich Konstrukte, die von Wissenschaftlern, Medien oder wem auch immer (und wozu auch immer) erzeugt werden? „Das ganze Leben ist ein Quiz“ weiterlesen

Moselfahrt aus Liebeskummer

Rudolf Binding, einst Kultautor des konservativen deutschen Bürgertums, war ein Dichter des Untergangs

2017 jährt sich der 150. Geburtstag des Schriftstellers Rudolf Binding, 2018 sein 80. Todestag.

Als ich vor zehn Jahren für den SWR an einem Binding-Feature arbeitete, schien es mir, als befasse ich mich mit einem abgeschlossenen Thema, das nur noch historisches Interesse beanspruchen könne. Vor einigen Tagen, beim Wiederhören des Features nach langer Zeit, sind mir zu meiner Überraschung zahlreiche aktuelle Bezüge aufgefallen. „Moselfahrt aus Liebeskummer“ weiterlesen

Santa Claus

Michael Meyen zerpflückt Claus Kleber

In einer köstlichen Rezension hat sich der Münchner Professor für Kommunikationswissenschaft Michael Meyen mit Claus Klebers Büchlein „Rettet die Wahrheit“ (Ullstein 2017) befasst:

Claus Kleber ist nicht Ulrich Wickert und schon gar nicht Hanns Joachim Friedrichs. Okay: Die beiden Alten waren weg vom Bildschirm, als sie ihre Idee vom guten Journalismus aufgeschrieben haben. Vielleicht liegt aber gerade da das Problem. Claus Kleber ist weiter auf Sendung. Und er hat nichts verstanden.

„Santa Claus“ weiterlesen

Eine notwendige Debatte (samt Update)

Paul Schreyer und die NachDenkSeiten

In den vergangenen Wochen hatte ich an dieser Stelle in zwei Beiträgen die Kontroverse zwischen der Redaktion der NachDenkSeiten (NDS) und ihrem Mitarbeiter Paul Schreyer kommentiert – hier und hier. Es handelt sich aus meiner Sicht um eine notwendige Debatte, und mit meinen Veröffentlichungen wollte ich (wie einige andere Autoren und NDS-Leser auch) dazu beitragen, sie in eine konstruktive Richtung zu lenken. Das ist leider misslungen. Gestern haben die NDS ihre mehrjährige Zusammenarbeit mit Paul Schreyer beendet. „Eine notwendige Debatte (samt Update)“ weiterlesen