100 Jahre Oktoberrevolution

Zu Stephen Smiths Buch Revolution in Russland

Zum hundertsten Jahrestag der russischen Oktoberrevolution sind zahlreiche Bücher unterschiedlicher Qualität erschienen. In mehrfacher Hinsicht herausragend ist die umfangreiche und akribische Studie des Oxforder Historikers Stephen A. Smith. Das fast zeitgleich in Großbritannien und Deutschland publizierte Buch gehört zum Besten, was je zu diesem Thema geschrieben wurde.
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Toyota-Journalismus

0,3 Prozent – oder waren es doch 0,4?

Genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Es ist einfach schon zu lange her, mehr als 30 Jahre. Damals, in den 1980er Jahren, zeigte das ZDF, das inzwischen zur Abspielstätte für Krimis und Herzkino degeneriert ist, mit einer gewissen Regelmäßigkeit noch richtig gute Fernsehspiele. Mit „gut“ meine ich: politisch-aufklärerisch. „Toyota-Journalismus“ weiterlesen

Popel-Rotz

Von der Leyen, Grüffelo und Mainstream-Sound

Der nationalkonservative Schriftsteller Rudolf Binding hat im Laufe seines Lebens viel haarsträubenden Unsinn geschrieben. Aber er hatte auch lichte Momente. Tief geprägt von seinen Erfahrungen im Ersten Weltkrieg, sagte er einmal: „Wenn ein König Krieg führen will, soll eine Mutter hingehen und es ihm verbieten.“ „Popel-Rotz“ weiterlesen

Das schlimme Ende

Machiavelli über Merkel

Niccolò Machiavelli lebte vor 500 Jahren in Florenz. Er war ein mutiger Mann, der kein Blatt vor den Mund nahm. Er hat, wie man heute sagen würde, Tacheles geredet. Hätte es damals schon Massenmedien oder gar den Begriff „Verschwörungstheoretiker“ gegeben – Machiavelli wäre nicht ungeschoren davongekommen. Nicht nur wäre er nie in eine Polit-Talkshow eingeladen worden, er hätte auch viele bösartige Artikel über sich lesen müssen. Und Schlagzeilen wie Der Florentiner mit dem Aluhut wären an der Tagesordnung gewesen. „Das schlimme Ende“ weiterlesen

Medienkritik damals

Kierkegaard – Kraus – Kautsky

Vor einiger Zeit zitierte und kommentierte ich an dieser Stelle unter dem Titel Lügenpresse 1863 Auszüge einer Rede Ferdinand Lassalles. Darin ging der Gründervater der deutschen Sozialdemokratie mit der Presse seiner Zeit hart ins Gericht. Das hat vielen Leserinnen und Lesern gefallen. Weil es so schön war, will ich heute weitere Beispiele „historischer Medienkritik“ zum Besten geben. „Medienkritik damals“ weiterlesen

Aufstand der Ruinenkinder?

Heinz Bude über die 68er-Bewegung

Das WDR 3-Literaturmagazin Gutenbergs Welt blickte am 4. Februar 2017 auf die 68er-Bewegung zurück. Hier zum Nachhören mein Gespräch mit Moderator Walter van Rossum über das Buch des Soziologen Heinz Bude Adorno für Ruinenkinder: Eine Geschichte von 1968 (Hanser Verlag). „Aufstand der Ruinenkinder?“ weiterlesen

Lügen lesen

Über einen Essay von Bettina Stangneth

Die Philosophin Bettina Stangneth hat mit ihrer Studie über den NS-Verbrecher Adolf Eichmann sowie dem nachfolgenden Essay über „Böses Denken“ große Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden. In ihrem neuen Buch bleibt sie ihrem Thema treu: Sie beschäftigt sich mit dem Phänomen der Lüge, jener eigentümlichen Kommunikationsform, die wir zwar missbilligen, wenn wir von ihr betroffen sind, der wir uns aber selbst immer wieder wie selbstverständlich bedienen. „Lügen lesen“ weiterlesen

Die ferngesteuerte SPD – und ihre vergessenen Wurzeln

Von Paul Schreyer

Die SPD hatte von 1925 bis 1959 ein Parteiprogramm, in dem analysiert wurde, dass „übermächtige Beherrscher der Wirtschaft die Gesellschaft in ihre ökonomische Abhängigkeit bringen“ und „das Finanzkapital die Staatsmacht benutzt“. Weiß das Martin Schulz, der vor wenigen Wochen in anderem Zusammenhang an dieses historische Programm erinnerte? „Die ferngesteuerte SPD – und ihre vergessenen Wurzeln“ weiterlesen

Zweierlei Maßlosigkeit

Ken Jebsen, Tom Friedman und der Zwiebelbauch

Man muss sich die journalistische Zunft wie eine Zwiebel vorstellen. Ein dicker Bauch in der Mitte, Spitzen oben und unten. Im dicken Bauch tummelt sich die große journalistische Masse. Sie unterscheidet sich nur unwesentlich von anderen Massen. Da gibt es Gerechte und Ungerechte, Gute und Schlechte, Talentierte und Stümper. „Zweierlei Maßlosigkeit“ weiterlesen

Wenn das Volk sich erhebt

Im WDR 3-Literaturmagazin Gutenbergs Welt ging es am 14. Januar 2018 um das Thema „Revolution“. Hier zum Nachhören mein Gespräch mit Moderator Walter van Rossum über Gero von Randows Buch Wenn das Volk sich erhebt: Schönheit und Schrecken der Revolution (Kiepenheuer & Witsch).

Sorge um Robert Parry

Gestern meldete sich der große US-amerikanische Journalist Robert Parry in eigener Sache. Auf seinem Informationsportal Consortiumnews teilte er mit, dass er an Weihnachten einen Schlaganfall erlitten hat. Seither ist seine Sehfähigkeit eingeschränkt. Lesen und Schreiben sind für ihn beschwerlich. Alles wird länger dauern. Und aus Rücksicht auf seine Gesundheit wird Parry, für den bislang jeder Tag ein Arbeitstag war, in Zukunft kürzer treten müssen. „Sorge um Robert Parry“ weiterlesen

The Doomsday Machine

Ein neues Buch von Daniel Ellsberg

Dieser Tage ist das Buch The Doomsday Machine – Confessions of a Nuclear War Planner erschienen. Sein Autor, Daniel Ellsberg, gilt als „elder statesman of whistleblowing“. Henry Kissinger bezeichnete ihn einst als „the most dangerous man in America“. 1971 hatte Ellsberg für weltweites Aufsehen gesorgt, als er verschiedenen US-Medien die „Pentagon Papers“ zuspielte. Sie belegten, dass die Regierung ihre eigene Bevölkerung über den Krieg in Vietnam jahrelang belogen und hinters Licht geführt hatte. „The Doomsday Machine“ weiterlesen

Am Pranger

Ute Frevert über die „Politik der Demütigung“

Ob im Militär, in der Kindererziehung, im Strafrecht oder in der Politik – Demütigung und Beschämung haben im Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft oder zwischen rivalisierenden gesellschaftlichen Gruppen einen festen Platz. Die Demütigung, sagt die Historikerin Ute Frevert, ist immer eine „Inszenierung von Macht“. In ihrem neuen Buch mit dem Titel „Die Politik der Demütigung“ lässt sie die vergangen 250 Jahre Revue passieren. Frevert erzählt eine Geschichte, die zivilisatorische Fortschritte, aber auch neue Gefahren sichtbar macht. „Am Pranger“ weiterlesen