Pack schlägt zu

Das gefällt auch dem Deutschen

In den vergangenen Monaten hat es mich immer wieder erstaunt, dass viele kluge Zeitgenossen, unter ihnen professionelle Beobachter, deren Urteil ich sehr schätze, die Präsidentschaft Donald Trumps begrüßt und mit ihr gewisse Hoffnungen verbunden haben. Insbesondere auf dem Feld der Außenpolitik, so ihre Erwartung, werde sich einiges zum Besseren wenden: Verständigung mit Russland, Ende der „Regime Change“-Projekte, weniger Krieg. „Pack schlägt zu“ weiterlesen

Vollhonks und Holzmännchen

Wenn mein Neunjähriger sich daneben benimmt (was mitunter vorkommt), kriegt er maximal drei Ermahnungen. Ist auch die dritte wirkungslos verpufft, bleibt mir keine Wahl: „Schluss jetzt! Es reicht! Ab in Dein  Zimmer! Darfst wiederkommen, wenn Du Dich beruhigst hast!“

Ich will nicht behaupten, dass dieses Verfahren der pädagogischen Weisheit letzter Schluss ist. Aber in der Regel funktioniert es. Nach einer halben Stunde kehrt mein Neunjähriger wie umgewandelt in den Kreis der Familie zurück. Natürlich ist der Friede nicht von Dauer, aber immerhin.

„Vollhonks und Holzmännchen“ weiterlesen

Au courant? Au contraire!

Der Medienkrieg tobt. Die Einschläge kommen näher. Immer mehr zivile Opfer.

Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Doch es gibt sie noch, die Friedenszonen, in denen die klugen Köpfe, die Stimmen der Vernunft, die Verantwortungsethiker das Sagen haben. Sie halten das Fähnlein der Aufrechten hoch und füllen die Lücken, die der Krieg hinterlässt. Sie stapeln Sandsäcke gegen die stinkenden Wassermassen. Sie vertrauen unbeirrt auf den zwanglosen Zwang des besseren Arguments.

„Au courant? Au contraire!“ weiterlesen

ANNE WILL: Ist Mossul verloren?

Live aus Berlin. Das Thema bei Anne Will:

Dramatische Zuspitzung – Ist Mossul verloren?

Guten Abend, meine Damen und Herren, herzlich willkommen! Ich freue mich, dass Sie bei uns sind. Willkommen hier in Berlin, zu Hause…

Die Bilder, die wir täglich in unseren Nachrichtensendungen sehen, sind unerträglich. In der nordirakischen Großstadt Mossul bahnt sich eine humanitäre Katastrophe an. Das militärische Vorgehen irakischer und US-amerikanischer Verbände gegen die IS-Hochburg fordert einen furchtbaren Preis. Immer öfter hören wir von Kriegsverbrechen an Zivilisten. „ANNE WILL: Ist Mossul verloren?“ weiterlesen

Jahre, die ihr nicht mehr kennt…

Unter diesem Titel stand das WDR 3-Literaturmagazin „Gutenbergs Welt“ am 19. März 2017. Eines der Themen war der „Kalte Krieg“, der sich kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entfaltete und 1991 mit dem Untergang der Sowjetunion sein Ende fand. Mit Moderator Walter van Rossum sprach ich über diese Epoche sowie über das Buch des Historikers Bernd Stöver „Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters 1947-1991“ (Verlag C.H. Beck). Hier der Beitrag zum Nachhören – er beginnt mit einem Zitat des US-Präsidenten Harry S. Truman aus dem Jahr 1947.

 

Ein Verbündeter des Westens

Sebastian Sons über Saudi-Arabien

Saudi-Arabien spielt eine Schlüsselrolle in den Kriegen und Konflikten des Nahen und Mittleren Ostens. Obwohl seine inneren Verhältnisse äußerst repressiv sind und seine Außenpolitik aggressiv, wird das Land vom Westen hofiert wie kein anderes in der Region. Sebastian Sons, Mitarbeiter der „Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik“, hat Ende 2016 ein Buchportrait Saudi-Arabiens vorgelegt. Es trägt den Titel „Auf Sand gebaut“. „Ein Verbündeter des Westens“ weiterlesen

Gimme a break!

Zweierlei E-Mails, eine schrille Verschwörungstheorie und die Frage „Was machen wir mit Trump?“

Hat sich Julian Assange geirrt? Hat er die Offenheit der US-amerikanischen Demokratie unterschätzt? Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl  hatte der WikiLeaks-Gründer in einem Interview prognostiziert, „that Trump would not be permitted to win“. Das hinter Hillary Clinton versammelte Establishment werde einen Sieg des Außenseiters zu verhindern wissen.

Es ist anders gekommen. Vorläufig jedenfalls. „Vorläufig“ deshalb, weil zurzeit ja niemand wissen kann, ob sich Assanges Prophezeiung am Ende nicht doch noch bewahrheitet, mit zeitlicher Verzögerung sozusagen. Wenn selbst eingefleischte Transatlantiker wie Josef Joffe – selbstverständlich rein spaßeshalber – von „Mord im Weißen Haus“ reden, kann man nichts mehr mit Sicherheit ausschließen.

„Gimme a break!“ weiterlesen

Dem Täter auf der Spur

Wer ist schuld an der Wahlniederlage Hillary Clintons? Putin und Assange? Oder doch FBI-Direktor James Comey? Sicher ist: Es geht um E-Mails. Aber um welche E-Mails genau? Da ist in den letzten Wochen einiges durcheinandergeraten. Hier eine kleine Erinnerung – in Form einer „Nachrichtenkritik“ für das SWR 2-Magazin Mehrspur (gesendet am 29. Januar 2017). „Dem Täter auf der Spur“ weiterlesen

America First!

Putins Mann in Washington

Wenn Herr Putin geglaubt hat, er könne in den USA einen Regime Change durch die Hintertür bewerkstelligen und seine Marionette Donald Trump im Weißen Haus installieren, dann hat er sich gründlich geschnitten. Wir dürfen vermuten, dass im Kreml die Sektkorken knallten, als sich am 8. November 2016 der Wahlsieg Donald Trumps abzeichnete. Doch man hat sich offenbar zu früh gefreut. Die amerikanische Demokratie erweist sich als wehrhaft. „America First!“ weiterlesen

Aleppo

„Ist Aleppo verloren?“, fragte Anne Will vor gut zwei Monaten. Die Sorge um die Menschen im Ostteil der Stadt stand ihr ins Gesicht geschrieben. Seither haben die Dinge unerbittlich ihren Lauf genommen. Und die düsteren Ahnungen der ARD-Gesprächsleiterin sind wahr geworden. Ja, Aleppo ist verloren.

Doch für wen ist Aleppo verloren? Die Antwort liegt auf der Hand: Für uns natürlich. Als vor vier Jahren jene Kräfte, die man im Westen wahlweise als „Aufständische“, „Rebellen“ oder schlicht „Opposition“ bezeichnet, sich des Ostens der Stadt bemächtigten, erschien das vielen als gute Sache. Der angestrebte Regime Change machte Fortschritte, der „Schlächter Assad“ stand unter Druck.

„Aleppo“ weiterlesen

So geht guter Journalismus

In meinem Buch „Lückenpresse“ kritisiere ich schlechten Journalismus. Was ich unter gutem Journalismus verstehe, sage ich eher indirekt. Lediglich im letzten Kapitel entwickele ich einige Maximen.

Der Einwand liegt auf der Hand: „Alles gut und schön, aber kannst Du uns mal ein Beispiel nennen? Wie sieht guter Journalismus konkret aus, also in der Praxis?“ Bitte, hier sind gleich zwei Beispiele. Sie stammen aus ein und demselben Medium, dem „Independent“. „So geht guter Journalismus“ weiterlesen

Plädoyer für eine Kurskorrektur

Guy Standings Charta des Prekariats

Immer mehr Menschen fallen durch die Maschen sozialer Sicherung. Ihre Arbeits- und Lebensverhältnisse sind prekär. Der britische Wirtschaftswissenschaftler Guy Standing versteht sich als Anwalt dieser Menschen. Er sagt, dass die Unterprivilegierten inzwischen eine neue soziale Klasse bilden. Und er ist überzeugt: Sie werden sich organisieren und aufbegehren. In seinem neuen Buch fasst Standing seine Theorie des Prekariats zusammen und entwickelt ein konkretes Aktionsprogramm.
„Plädoyer für eine Kurskorrektur“ weiterlesen

Zahlen zählen…

18. September 2016: Duma-Wahlen in Russland, Abgeordnetenhauswahlen in Berlin, dazu Demonstrationen gegen TTIP und CETA in  deutschen Großstädten. Da liefen in den Nachrichtenredaktionen jede Menge Zahlen auf. Nicht leicht, den Überblick zu behalten.  Einige haben ganz schön draufgezahlt. Hier zum Nachhören meine Nachrichtenkritik für das SWR 2-Magazin „Mehrspur“ (gesendet am 02.10.2016).

Wohin die Erinnerung führt

Saul Friedländer über sein Leben nach 1945

Der 1932 in Prag geborene Saul Friedländer gehört zu den bedeutendsten Historikern der Shoa. Im Zentrum seiner jahrzehntelangen Forschungen steht sein zweibändiges opus magnum „Das Dritte Reich und die Juden“. Der aus einer deutschsprachigen jüdischen Familie stammende Friedländer zählt selbst zu den Opfern der Verfolgung. Unter schwierigsten Umständen hat er im besetzten Frankreich überlebt, seine Eltern wurden ermordet, vermutlich in Auschwitz. Über die Jahre seiner Kindheit und frühen Jugend hatte er 1979 eine autobiografische Schrift publiziert: „Wenn die Erinnerung kommt“. Jetzt ist bei C.H. Beck die Fortsetzung seiner Memoiren erschienen, in denen Friedländer von seinem Leben seit Ende des Zweiten Weltkriegs erzählt.

„Wohin die Erinnerung führt“ weiterlesen

Vom Wachhund zum Kampfhund?

Mainstreammedien in der Krise

Jeremy Corbyn hat der britischen Labour Party neues Leben eingehaucht. Seit der Parteilinke im September 2015 per Urwahl überraschend klar zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde, erfreut sich die Partei eines ungeahnten und überwältigenden Zustroms neuer Mitglieder. Doch Corbyns innerparteiliche Gegner, die Anhänger des früheren Labour-Chefs Tony Blair, wollen sich mit dem Macht- und Richtungswechsel nicht abfinden. Statt den Willen der Parteibasis zu akzeptieren, lassen die „Blairites“ nichts unversucht, Corbyn das Leben schwer zu machen und ihn zu stürzen.
„Vom Wachhund zum Kampfhund?“ weiterlesen

Lückenpresse. Das Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten

Ist die Kritik an die etablierten Medien berechtigt oder Paranoia à la „Lügenpresse“?

Die etablierten Medien stecken in einer massiven Glaubwürdigkeitskrise. Teile des Publikums proben den Aufstand, öffentliche und veröffentlichte Meinung driften auseinander. Nicht nur hierzulande, auch in vielen anderen Ländern geraten die angeblichen Leitmedien unter Beschuss. Stein des Anstoßes sind die Inhalte – Stichwort „Lügenpresse“. Doch sind Lügen wirklich das Problem? Ulrich Teusch stellt zwei andere, weit gravierendere Faktoren ins Zentrum seiner Analyse: die Unterdrückung wesentlicher Informationen und das Messen mit zweierlei Maß. Beide Defizite sind in unserem Mediensystem strukturell verankert. Wenn sich daran nichts ändert, wird sich das Siechtum der Mainstreammedien fortsetzen. Und der Journalismus, wie wir ihn kannten, wird bald der Vergangenheit angehören.

Erscheint am: 01.09.2016
ISBN:978-3-86489-145-8