Realitätsverlust

Das Empire begreift nicht, wie ihm geschieht

Im Sommer 2002 traf sich der Journalist Ron Suskind mit einem hohen Mitarbeiter des damaligen US-Präsidenten George W. Bush zu einem Hintergrundgespräch. Da Suskind gerade das Weiße Haus durch einen kritischen Artikel verärgert hatte, ging der Bush-Mann ihn frontal an. Er warf dem Reporter vor, im Gestern zu leben. Denn er glaube offenbar immer noch, politische Problemlösungen resultierten aus einer gewissenhaften Analyse der wahrnehmbaren Realität. Doch so funktioniere die Welt heute nicht mehr.  „Realitätsverlust“ weiterlesen

Russian Homes

Ein Dokumentarfilm von Christoph Felder

Die Sicht eines Dreizehnjährigen auf seine klavierspielende Mutter und die besondere Beziehung zwischen Deutschland und Russland in heutiger Zeit. Davon handelt das neue Dokumentarfilmprojekt des deutschen Filmemachers Christoph Felder. Ein Blick aus nächster Nähe.
„Russian Homes“ weiterlesen

Nutzen der Geschichte

Von Georg Kaiser (1878-1945)

 

Lernt nur Geschichte! – Lernt sie um und um

und laßt euch keinen Zwischenfall entgehn.

Lernt unaufhörlich. Lernt euch krumm und dumm

mit der Jahrtausende Geschehn.

 

Was nachher kommt, erkennt ihr dann voraus

und jede Nuß ist knackend ausgekernt.

Nichts ändert sich. Es wird der alte Graus.

Als Warnung lernt Geschichte. Lernt!

 

Kennen Sie Karla?

Eine Geschichte aus Unsgehtsgut-Land

Von Kristina Kubulin

Karla ist 37. Sie lebt in München, allein. Die Mieten in dieser Stadt sind hoch. Karla bezieht Hartz IV. Und sie studiert – mit dem Ziel, in spätestens drei Jahren auf eigenen Füßen stehen zu können. Wieder auf eigenen Füßen – und auf gesunden. Es sieht nicht schlecht aus. Sie hat alle bisherigen Prüfungen mit guten Noten bestanden. Aus ihrem studienbegleitenden Praktikum erhält sie viele positive Rückmeldungen. „Kennen Sie Karla?“ weiterlesen

Röttgen auf allen Kanälen

Endlich: Reformstau bei Polit-Talkshows wird aufgelöst

Der „Rechercheverbund deutschsprachiger Alternativmedien“ berichtet in einer heute verbreiteten Pressemitteilung von weitreichenden, zum Teil spektakulären Veränderungen bei der Gestaltung der Polit-Talkshows im deutschen Fernsehen. Der derzeitige Planungsstand sehe vor, spätestens nach der Sommerpause dem Publikum grundlegend überarbeitete Formate anzubieten. Betroffen seien davon zunächst die Sendungen „Anne Will“ und „Maybrit Illner“.
„Röttgen auf allen Kanälen“ weiterlesen

Lügenpresse 1863

Ferdinand Lassalle als Medienkritiker

Im Folgenden dokumentiere und erläutere ich Auszüge einer Rede, die Ferdinand Lassalle im September 1863 vor Tausenden von Zuhörern in Barmen, Solingen und Düsseldorf gehalten hat. Die Rede erschien auch als Broschüre, wurde aber sogleich konfisziert. Zudem machte man Lassalle wegen Verstoßes gegen die §§ 100 und 101 des preußischen Strafgesetzbuches (die beiden Hass- und Verachtungsparagraphen) den Prozess. Im Frühjahr 1864 verurteilte ihn das Düsseldorfer Landgericht zu einem Jahr Gefängnis. In der Berufungsverhandlung wurde die Strafe auf ein halbes Jahr herabgesetzt. Wenige Tage nach dem Prozess ging Lassalle in die Schweiz, wo er zwei Monate später an den Folgen eines Duells verstarb. „Lügenpresse 1863“ weiterlesen

Stifters Weltanschauung – ein Zitat

Das Geschick fährt in einem goldenen Wagen. Was durch die Räder niedergedrückt wird, daran liegt nichts. Wenn auf einen Mann ein Felsen fällt oder der Blitz ihn tötet und wenn er nun das alles nicht mehr wirken kann, was er sonst gewirkt hätte, so wird es ein anderer tun. Wenn ein Volk dahingeht und zerstreut wird und das nicht erreichen kann, was es sonst erreicht hätte, so wird ein anderes Volk ein mehreres erreichen. Und wenn ganze Ströme von Völkern dahingegangen sind, die Unsägliches und Unzähliges getragen haben, so werden wieder neue Ströme kommen und Unsägliches und Unzähliges tragen, und wieder neue und wieder neue, und kein sterblicher Mensch kann sagen, wann das enden wird. Und wenn du deinem Herzen wehe getan hast, daß es zucket und vergehen will oder daß es sich ermannt und größer wird, so kümmert sich die Allheit nicht darum und dränget ihrem Ziele zu, das die Herrlichkeit ist. Du aber hättest es vermeiden können oder kannst es ändern, und die Änderung wird dir vergolten; denn es entsteht nun das Außerordentliche daraus.

Aus: Adalbert Stifter, Die Mappe meines Urgroßvaters (letzte Fassung), Original ohne Hervorhebung.

Aus der Praxis…

…eines Verschwörungstheoretikers

Zum Verschwörungstheoretiker kann man nicht werden. Entweder man ist Verschwörungstheoretiker von Anfang an, oder man ist es nicht. Der Verschwörungstheoretiker liegt einem im Blut, in den Genen. Ich bin Verschwörungstheoretiker seit meiner Geburt. „Aus der Praxis…“ weiterlesen

Pflichtlektüre

William Perry über die Gefahr eines Nuklearkriegs

Es dürfte gegenwärtig kaum einen Menschen geben, der mehr Sachkenntnis über Nuklearwaffen und die Gefahren eines Nuklearkrieges besitzt als der frühere US-Verteidigungsminister William J. Perry. Er ist ein „defense intellectual“, ein Mann, der über Jahrzehnte auf beiden Seiten des US-amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes gearbeitet hat: als Wissenschaftler, als Unternehmer, als Politiker. Während der Kuba-Krise gehörte er zu den Beratern von Präsident Kennedy, unter Jimmy Carter trat er ins Verteidigungsministerium ein, in der ersten Amtszeit von Bill Clinton war er Pentagon-Chef. „Pflichtlektüre“ weiterlesen

Vom Wachhund zum Kampfhund?

Mainstreammedien in der Krise

Jeremy Corbyn hat der britischen Labour Party neues Leben eingehaucht. Seit der Parteilinke im September 2015 per Urwahl überraschend klar zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde, erfreut sich die Partei eines ungeahnten und überwältigenden Zustroms neuer Mitglieder. Doch Corbyns innerparteiliche Gegner, die Anhänger des früheren Labour-Chefs Tony Blair, wollen sich mit dem Macht- und Richtungswechsel nicht abfinden. Statt den Willen der Parteibasis zu akzeptieren, lassen die „Blairites“ nichts unversucht, Corbyn das Leben schwer zu machen und ihn zu stürzen.
„Vom Wachhund zum Kampfhund?“ weiterlesen