Klaffende Lücken

Giftgas in Syrien

Zu dem bis heute unaufgeklärten angeblichen oder tatsächlichen Chemiewaffenangriff im syrischen Khan Sheikhoun, Provinz Idlib, schrieb George Monbiot, einer der prominentesten Journalisten Großbritanniens, am 4. April auf Twitter:

„Do those who still insist Syrian govt didn’t drop chemical weapons have any idea how much evidence they are denying?”

Die medienkritische Website Medialens stellt heute die Gegenfrage. „Klaffende Lücken“ weiterlesen

Keine Argumente – nur miese Tricks

Michael Lüders am Pranger

In den vergangenen Tagen habe ich mir immer mal wieder den Amazon-Verkaufsrang von Michael Lüders‘ aktuellem Buch „Die den Sturm ernten“ angeschaut. Im Moment (17. April, 9 Uhr) steht es unter den Top Ten. Auch Lüders‘ Vorgängerbuch „Wer den Wind sät“ (inzwischen in der 23. Auflage!) rangiert nur unwesentlich schlechter.

Eine gute Nachricht, oder? Die Versuche der „Anne Will“-Sendung, den Autor Michael Lüders zu diskreditieren, haben offenbar nicht gefruchtet. Im Gegenteil. „Keine Argumente – nur miese Tricks“ weiterlesen

59 Tomahawks – auf ihrem Weg zum Horizont…

Wie schnell sich die Zeiten doch ändern! Seit Wochen hören und lesen wir, zwischen Donald Trump und „den Medien“ herrsche Krieg. Trump gegen CNN zum Beispiel – oder CNN gegen Trump. Wie Feuer und Wasser, die beiden. Wo soll das noch hinführen, wie lange kann das gut gehen?

Und jetzt? Was ist jetzt? Nach den 59 Tomahawks…

Schauen wir genauer hin. Nehmen wir, pars pro toto, den CNN-Star Fareed Zakaria. „59 Tomahawks – auf ihrem Weg zum Horizont…“ weiterlesen

Pack schlägt zu

Das gefällt auch dem Deutschen

In den vergangenen Monaten hat es mich immer wieder erstaunt, dass viele kluge Zeitgenossen, unter ihnen professionelle Beobachter, deren Urteil ich sehr schätze, die Präsidentschaft Donald Trumps begrüßt und mit ihr gewisse Hoffnungen verbunden haben. Insbesondere auf dem Feld der Außenpolitik, so ihre Erwartung, werde sich einiges zum Besseren wenden: Verständigung mit Russland, Ende der „Regime Change“-Projekte, weniger Krieg. „Pack schlägt zu“ weiterlesen

Vollhonks und Holzmännchen

Wenn mein Neunjähriger sich daneben benimmt (was mitunter vorkommt), kriegt er maximal drei Ermahnungen. Ist auch die dritte wirkungslos verpufft, bleibt mir keine Wahl: „Schluss jetzt! Es reicht! Ab in Dein  Zimmer! Darfst wiederkommen, wenn Du Dich beruhigst hast!“

Ich will nicht behaupten, dass dieses Verfahren der pädagogischen Weisheit letzter Schluss ist. Aber in der Regel funktioniert es. Nach einer halben Stunde kehrt mein Neunjähriger wie umgewandelt in den Kreis der Familie zurück. Natürlich ist der Friede nicht von Dauer, aber immerhin.

„Vollhonks und Holzmännchen“ weiterlesen

Au courant? Au contraire!

Der Medienkrieg tobt. Die Einschläge kommen näher. Immer mehr zivile Opfer.

Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Doch es gibt sie noch, die Friedenszonen, in denen die klugen Köpfe, die Stimmen der Vernunft, die Verantwortungsethiker das Sagen haben. Sie halten das Fähnlein der Aufrechten hoch und füllen die Lücken, die der Krieg hinterlässt. Sie stapeln Sandsäcke gegen die stinkenden Wassermassen. Sie vertrauen unbeirrt auf den zwanglosen Zwang des besseren Arguments.

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ANNE WILL: Ist Mossul verloren?

Live aus Berlin. Das Thema bei Anne Will:

Dramatische Zuspitzung – Ist Mossul verloren?

Guten Abend, meine Damen und Herren, herzlich willkommen! Ich freue mich, dass Sie bei uns sind. Willkommen hier in Berlin, zu Hause…

Die Bilder, die wir täglich in unseren Nachrichtensendungen sehen, sind unerträglich. In der nordirakischen Großstadt Mossul bahnt sich eine humanitäre Katastrophe an. Das militärische Vorgehen irakischer und US-amerikanischer Verbände gegen die IS-Hochburg fordert einen furchtbaren Preis. Immer öfter hören wir von Kriegsverbrechen an Zivilisten. „ANNE WILL: Ist Mossul verloren?“ weiterlesen

Gimme a break!

Zweierlei E-Mails, eine schrille Verschwörungstheorie und die Frage „Was machen wir mit Trump?“

Hat sich Julian Assange geirrt? Hat er die Offenheit der US-amerikanischen Demokratie unterschätzt? Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl  hatte der WikiLeaks-Gründer in einem Interview prognostiziert, „that Trump would not be permitted to win“. Das hinter Hillary Clinton versammelte Establishment werde einen Sieg des Außenseiters zu verhindern wissen.

Es ist anders gekommen. Vorläufig jedenfalls. „Vorläufig“ deshalb, weil zurzeit ja niemand wissen kann, ob sich Assanges Prophezeiung am Ende nicht doch noch bewahrheitet, mit zeitlicher Verzögerung sozusagen. Wenn selbst eingefleischte Transatlantiker wie Josef Joffe – selbstverständlich rein spaßeshalber – von „Mord im Weißen Haus“ reden, kann man nichts mehr mit Sicherheit ausschließen.

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America First!

Putins Mann in Washington

Wenn Herr Putin geglaubt hat, er könne in den USA einen Regime Change durch die Hintertür bewerkstelligen und seine Marionette Donald Trump im Weißen Haus installieren, dann hat er sich gründlich geschnitten. Wir dürfen vermuten, dass im Kreml die Sektkorken knallten, als sich am 8. November 2016 der Wahlsieg Donald Trumps abzeichnete. Doch man hat sich offenbar zu früh gefreut. Die amerikanische Demokratie erweist sich als wehrhaft. „America First!“ weiterlesen

Aleppo

„Ist Aleppo verloren?“, fragte Anne Will vor gut zwei Monaten. Die Sorge um die Menschen im Ostteil der Stadt stand ihr ins Gesicht geschrieben. Seither haben die Dinge unerbittlich ihren Lauf genommen. Und die düsteren Ahnungen der ARD-Gesprächsleiterin sind wahr geworden. Ja, Aleppo ist verloren.

Doch für wen ist Aleppo verloren? Die Antwort liegt auf der Hand: Für uns natürlich. Als vor vier Jahren jene Kräfte, die man im Westen wahlweise als „Aufständische“, „Rebellen“ oder schlicht „Opposition“ bezeichnet, sich des Ostens der Stadt bemächtigten, erschien das vielen als gute Sache. Der angestrebte Regime Change machte Fortschritte, der „Schlächter Assad“ stand unter Druck.

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So geht guter Journalismus

In meinem Buch „Lückenpresse“ kritisiere ich schlechten Journalismus. Was ich unter gutem Journalismus verstehe, sage ich eher indirekt. Lediglich im letzten Kapitel entwickele ich einige Maximen.

Der Einwand liegt auf der Hand: „Alles gut und schön, aber kannst Du uns mal ein Beispiel nennen? Wie sieht guter Journalismus konkret aus, also in der Praxis?“ Bitte, hier sind gleich zwei Beispiele. Sie stammen aus ein und demselben Medium, dem „Independent“. „So geht guter Journalismus“ weiterlesen

Vom Wachhund zum Kampfhund?

Mainstreammedien in der Krise

Jeremy Corbyn hat der britischen Labour Party neues Leben eingehaucht. Seit der Parteilinke im September 2015 per Urwahl überraschend klar zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde, erfreut sich die Partei eines ungeahnten und überwältigenden Zustroms neuer Mitglieder. Doch Corbyns innerparteiliche Gegner, die Anhänger des früheren Labour-Chefs Tony Blair, wollen sich mit dem Macht- und Richtungswechsel nicht abfinden. Statt den Willen der Parteibasis zu akzeptieren, lassen die „Blairites“ nichts unversucht, Corbyn das Leben schwer zu machen und ihn zu stürzen.
„Vom Wachhund zum Kampfhund?“ weiterlesen

ARTE und „Der Fall Magnizki“ – Update

Am 30. April 2016 hatte ich an dieser Stelle über den von ARTE angekündigten und dann abgesetzten Dokumentarfilm Der Fall Maginzki des russischen Journalisten Andrei Nekrasov berichtet. Auch eine geplante Vorführung des Films in den Räumen des Brüsseler EU-Parlaments musste kurzfristig abgesagt werden. Der britische Investment-Banker William Browder, der in dem Streifen nicht gut wegkommt, hatte mit rechtlichen Schritten gedroht. „ARTE und „Der Fall Magnizki“ – Update“ weiterlesen

#JusticeForHarambe?

Was der Tod eines Gorillas über den Zustand der Welt verrät

Die Geschichte ist schnell erzählt. Im Cincinnati Zoo von Cleveland, US-Bundesstaat Ohio, gerät ein vierjähriger Junge in das Gorilla-Gehege. Der Gorilla Harambe nähert sich ihm. Die Situation nimmt immer bedrohlichere Züge an. Die Verantwortlichen entschließen sich, den Gorilla durch einen gezielten Schuss zu töten. Das Kind wird gerettet.

Der Tod des Gorillas ist zweifellos traurig. Gorillas sind beeindruckende, faszinierende, Furcht und Ehrfurcht gebietende Tiere.

„#JusticeForHarambe?“ weiterlesen

Antisemitismus in der Labour Party?

„Ausfälle gegen Juden“, berichtet die Londoner Welt-Korrespondentin Stefanie Bolzen, „sind in der britischen Labour-Partei fast zur Normalität geworden“. In der FAZ fragt Raphael Gross besorgt: „Was ist nur mit der Labour Party los…?“ Und er will wissen: „Warum spielen Teile der Linken den Holocaust herunter?“ Die NZZ spricht in ihrer Schlagzeile kurzerhand – und in jeder Hinsicht unangemessen – von „Corbyns Schmuddelecke“. Der Tenor dieser und anderer Beiträge in deutschsprachigen Medien ist eindeutig: Die britische Labour Party hat ein „Antisemitismus-Problem“. „Antisemitismus in der Labour Party?“ weiterlesen