Christian Morgenstern (1871-1914)

Ich meine, es müßte einmal ein sehr großer Schmerz über die Menschen kommen, wenn sie erkennen, daß sie sich nicht geliebt haben, wie sie sich hätten lieben können.

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Wir sind alle hart und äußerlich zueinander, auch wenn wir noch so sehr aufeinander einzugehen trachten; aber wenn wir getrennt in unsern Zimmern liegen und nachts der Regen herniederfließt, dann suchen wir uns im Geiste mit zärtlicher, bereuender Teilnahme, dann drängen wir uns aneinander wie unwissende und zusammenschauernde Preisgegebne auf dunklem Meer, dann liebkosen und trösten sich unsere Seelen, die der erkältende Tag wieder verstocken und verhärten wird, dann lieben wir wirklich einander mit einer tiefen, schwermütigen, unbezwinglichen Liebe.

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Phantasie ist ein Göttergeschenk, aber Mangel an Phantasie auch. Ich behaupte, ohne diesen Mangel würde die Menschheit den Mut zum Weiterexistieren längst verloren haben.

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Wie nahe Furcht und Mut zusammenwohnen, das weiß vielleicht am besten, wer sich dem Feind entgegenwirft.

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Alle Geheimnisse liegen in vollkommener Offenheit vor uns. Nur wir stufen uns gegen sie ab, vom Stein bis zum Seher. Es gibt kein Geheimnis an sich, es gibt nur Uneingeweihte aller Grade.

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Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist. Nicht an der Wahrheit liegt es daher, wenn die Menschen noch so voller Unweisheit sind.

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Wie dereinst die sancta simplicitas des Glaubens, so schleppt heute die sancta simplicitas der Wissenschaft ihre Scheiter herbei, den „Ketzer“ zu verbrennen.

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Frage dich nur bei allem: „Hätte Christus das getan?“ Das ist genug.

2 Kommentare zu „Christian Morgenstern (1871-1914)

  1. Der Papst in Rom verbreitet in der aktuellen Krise diese nachstehend verlinkte Botschaft: https://deutsch.rt.com/kurzclips/108796-papst-franziskus-mahnt-zur-einhaltung/
    Ob er das im Sinne seines himmlischen dreifaltigen Dominus so richtig ausdeutet, darf füglich bezweifelt werden. Denn er ruft zur Einhaltung behördlicher Vorschriften auf, die unzweifelhaft zum Vorteil anderer Herren mit mehr weltlichen Interessen verordnet wurden und die seiner Herde gläubiger Katholiken kaum zum Vorteil gereichen werden. Christian Morgenstern scheint dieser zum Francesco umgeflaggte Jesuit jedenfalls nicht auf dem Nachtschränkchen liegen zu haben. Das scheint nicht wirklich seine Denkweise zu durchdringen.

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