Tolstoi-Zitate (VIII)

Aus einem Brief Tolstois an Gandhi (7. September 1910)

In diesem Frühjahr prüfte beim Religionsexamen an einem Töchterinstitut Moskaus zuerst der Religionslehrer und dann der gleichfalls anwesende Erzbischof die Mädchen über die zehn Gebote und im besonderen über das fünfte. Auf das richtige Hersagen des Gebotes hin stellte der Erzbischof jeweils meist die Frage: ist es immer und in allen Fällen durch das Gesetz Gottes verboten, zu töten? Und die unglücklichen, durch ihre Lehrer verdorbenen Mädchen mußten antworten und antworteten auch: nicht immer, denn im Krieg und bei Hinrichtungen darf getötet werden.

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Tolstoi-Zitate (VII)

Aus Eines ist not. Über die Staatsmacht (1905)

Die Menschheit hat alle möglichen Formen der auf Gewalt gegründeten Regierung versucht, aber überall, in der vollkommensten Republik wie in der rohesten Despotie, bleibt qualitativ und quantitativ das Übel der Gewalt ein und dasselbe. Herrscht keine Willkür und ist kein Haupt einer despotischen Regierung vorhanden – so stößt man auf Müßiggang und die Selbstregierung republikanischer Massen; fehlt die persönliche Sklaverei, so ist Geldsklaverei vorhanden; fehlen direkte Steuern und Abgaben, so gibt es indirekte; fehlen selbstherrliche Paschas, so gibt es selbstherrliche Könige, Kaiser, Milliardäre, Minister, Parteien.

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