Pflichtlektüre

William Perry über die Gefahr eines Nuklearkriegs

Es dürfte gegenwärtig kaum einen Menschen geben, der mehr Sachkenntnis über Nuklearwaffen und die Gefahren eines Nuklearkrieges besitzt als der frühere US-Verteidigungsminister William J. Perry. Er ist ein „defense intellectual“, ein Mann, der über Jahrzehnte auf beiden Seiten des US-amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes gearbeitet hat: als Wissenschaftler, als Unternehmer, als Politiker. Während der Kuba-Krise gehörte er zu den Beratern von Präsident Kennedy, unter Jimmy Carter trat er ins Verteidigungsministerium ein, in der ersten Amtszeit von Bill Clinton war er Pentagon-Chef. „Pflichtlektüre“ weiterlesen

RussiaGate 1918/19

Die deutsche Angst vor „russischen Zuständen“

Es gibt Bücher, nach deren Lektüre man nicht ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen kann. Sie lassen einen nicht los. Dem noch jungen, 1981 geborenen Historiker Mark Jones ist ein Werk dieses Kalibers gelungen. Am Anfang war Gewalt heißt es, erschienen ist es im Propyläen Verlag. Jones beschreibt in bislang nicht gekannter Eindringlichkeit die Geburtsphase der Weimarer Republik, die Monate vom November 1918 bis zur Mitte 1919. Was damals geschah, ist im historischen Bewusstsein der Deutschen allenfalls bruchstückhaft präsent. In dieser hochdramatischen Phase der deutschen Geschichte galt: Politik war Gewalt und Gewalt war Politik. „RussiaGate 1918/19“ weiterlesen

Die Kremlins im deutschen Wahlkampf

Was der Russe, also Putin, wirklich vorhat

Experten gehen davon aus, dass sich der Russe, also Putin, in den anstehenden Wahlkampf zum Deutschen Bundestag einmischen wird. Für Kenner der Lage unterliegt es keinem Zweifel, dass wir uns auf einiges von dem gefasst machen müssen, was wir aus anderen, mit uns befreundeten Ländern schon kennen: diverse, unangenehm-peinliche Hacks und Leaks, dazu natürlich ein Trommelfeuer der gerade hierzulande äußerst einflussreichen russischen Massenmedien, allen voran RT Deutsch und Sputniknews. Wir müssen uns auf Propaganda der übelsten Sorte einstellen. Und wir müssen der traurigen Tatsache ins Auge blicken, dass unsere Medien – in Sachen Propaganda gänzlich unerfahren – dem schwerlich etwas entgegensetzen können. Der dreisten Lüge ist mit der schlichten Wahrheit bekanntlich nicht beizukommen. „Die Kremlins im deutschen Wahlkampf“ weiterlesen

RussiaGate? – WhateverGate!

Acht Fragen zu Trump & Co. – und acht halbwegs vernünftige Antworten

Halbwegs vernünftige Menschen erwarten, dass auch andere Menschen halbwegs vernünftig sind. Wie unvernünftig!

Über Donald Trump muss man nicht viele Worte verlieren. Er ist nicht einmal halbwegs vernünftig. Das heißt aber nicht, dass seine zahlreichen Gegner, nur weil sie gegen ihn sind, irgendwie vernünftig wären. „RussiaGate? – WhateverGate!“ weiterlesen

Gimme a break!

Zweierlei E-Mails, eine schrille Verschwörungstheorie und die Frage „Was machen wir mit Trump?“

Hat sich Julian Assange geirrt? Hat er die Offenheit der US-amerikanischen Demokratie unterschätzt? Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl  hatte der WikiLeaks-Gründer in einem Interview prognostiziert, „that Trump would not be permitted to win“. Das hinter Hillary Clinton versammelte Establishment werde einen Sieg des Außenseiters zu verhindern wissen.

Es ist anders gekommen. Vorläufig jedenfalls. „Vorläufig“ deshalb, weil zurzeit ja niemand wissen kann, ob sich Assanges Prophezeiung am Ende nicht doch noch bewahrheitet, mit zeitlicher Verzögerung sozusagen. Wenn selbst eingefleischte Transatlantiker wie Josef Joffe – selbstverständlich rein spaßeshalber – von „Mord im Weißen Haus“ reden, kann man nichts mehr mit Sicherheit ausschließen.

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Zahlen zählen…

18. September 2016: Duma-Wahlen in Russland, Abgeordnetenhauswahlen in Berlin, dazu Demonstrationen gegen TTIP und CETA in  deutschen Großstädten. Da liefen in den Nachrichtenredaktionen jede Menge Zahlen auf. Nicht leicht, den Überblick zu behalten.  Einige haben ganz schön draufgezahlt. Hier zum Nachhören meine Nachrichtenkritik für das SWR 2-Magazin „Mehrspur“ (gesendet am 02.10.2016).

ARTE und „Der Fall Magnizki“ – Update

Am 30. April 2016 hatte ich an dieser Stelle über den von ARTE angekündigten und dann abgesetzten Dokumentarfilm Der Fall Maginzki des russischen Journalisten Andrei Nekrasov berichtet. Auch eine geplante Vorführung des Films in den Räumen des Brüsseler EU-Parlaments musste kurzfristig abgesagt werden. Der britische Investment-Banker William Browder, der in dem Streifen nicht gut wegkommt, hatte mit rechtlichen Schritten gedroht. „ARTE und „Der Fall Magnizki“ – Update“ weiterlesen

Gergiev in Palmyra

Große Kunst gegen nackte Barbarei. Am 5. Mai 2016 konzertierte das Sankt Petersburger Mariinsky-Sinfonieorchester unter seinem Dirigenten Valeri Gergiev im syrischen Palmyra. Ein musikalisches Großereignis. Es hätte globale Aufmerksamkeit und Bewunderung, weltweiten Beifall verdient gehabt. Jedoch, wie reagierten westliche Medien auf diese grandiose Manifestation für Frieden und Humanität? Sie dekuvrierten sich selbst, von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen. Ein intellektuelles Armutszeugnis, eine moralische Bankrotterklärung, eine Schande. „Gergiev in Palmyra“ weiterlesen

ARTE und „Der Fall Magnizki“

Für den 3. Mai, den “Tag der Pressefreiheit”, hatte der Fernsehsender ARTE einen fast zweistündigen Dokumentarfilm des russischen Journalisten Andrei Nekrasov angekündigt: „Der Fall Magnizki“. Nun wurde der Film, an dem das ZDF als Koproduzent beteiligt war, kurzfristig abgesetzt. Ein Vorgang, aus dem man einiges lernen kann.

„Andrei Nekrasov wollte die Geschichte eines modernen Helden verfilmen“ – so hieß es einst in der Programm-Ankündigung von ARTE. Die Heldenrolle sollte der russische Steueranwalt Sergej Magnizki übernehmen. Er hatte einen gewaltigen Betrugsfall – die „ARTE und „Der Fall Magnizki““ weiterlesen

Hugo Ball und Michael Bakunin

Hugo Ball: Michael Bakunin. Ein Brevier. Herausgegeben von Hans Burkhard Schlichting unter Mitarbeit von Gisela Erbslöh. Wallstein Verlag 2010, 580 S. (= Sämtliche Werke und Briefe, Band 4), € 39.-

1927 veröffentlicht Hugo Ball ein autobiografisches Werk, eine Art Tagebuch mit dem Titel Die Flucht aus der Zeit. Darin notiert er unter dem Datum des 15. Juni 1915:

„Ich habe mich genau geprüft. Niemals würde ich das Chaos willkommen heißen, Bomben werfen, Brücken sprengen und die Begriffe abschaffen mögen. Ich bin kein Anarchist.“

Die Flucht aus der Zeit ist bekanntlich kein authentisches Tagebuch; Ball überliefert seine Eintragungen vielmehr in bearbeiteter, stilisierter Form. Und die Frage stellt sich: Ist es „Hugo Ball und Michael Bakunin“ weiterlesen

Nein, keine Verschwörungstheorie…

…denn sie stammt von Brookings

Der „neue kalte Krieg“ ist in vollem Gange. Der Westen beschwert sich über die „hybride Kriegsführung“ Russlands – und Russland über die „hybride Kriegsführung“ des Westens.

Welche Rolle spielen die „Panama Papers“ in diesem Zusammenhang? Als die Sache losging, vergangenen Sonntag/Montag, konnte man den Eindruck gewinnen: Putin und Russland stehen im Fokus. Aber das war nur ein Strohfeuer. Zumal der Name Putin in den Papieren gar nicht auftaucht. Was an Vorwürfen gegen die Russen übrig blieb, war so sensationell nicht; man hat es schon gewusst oder geahnt. Teile des Publikums mokierten „Nein, keine Verschwörungstheorie…“ weiterlesen

Wenn der Iwan kommt…

Hannes Hofbauers Buch über das „Feindbild Russland“

Als kleiner Steppke spielte ich gerne Mäuschen, wenn ein paar ältere Männer aus unserem kleinen Eifeldorf die Köpfe zusammensteckten, um die großen politischen Fragen der Zeit zu verhandeln. Das war in den 1960er Jahren, im Kalten Krieg. Die weltpolitischen Zeichen standen zwar schon ein wenig auf Entspannung, aber das hatten besagte Männer, allesamt Weltkriegsteilnehmer, noch nicht mitbekommen. Und so politisierten sie munter drauf los. „Politisierende Eckensteher“ nannte der Dichter Adolf Glaßbrenner solche Leute.

„Wenn der Iwan kommt…“ weiterlesen

Ein medialer Seitensprung…

…zum Glück ohne Folgen

Von Zeit zu Zeit gehe ich medial fremd – und konsultiere russische Nachrichten-Websites. Das ist zwar nicht politisch korrekt, aber es macht Spaß. Gestern zum Beispiel erlebte ich wieder einen unvergleichlichen Höhepunkt. Sputniknews meldete: Fast die Hälfte aller leitenden Positionen in russischen Unternehmen ist zurzeit von Frauen besetzt. Weiter hieß es:

„Damit ist Russland nun mit Abstand weltführend nach seinem Chefinnen-Anteil in der freien Wirtschaft. Frauen bekleiden 45 Prozent aller leitenden Stellungen, während insgesamt in der Welt der Anteil der Frauen-Leiterinnen nur 24 Prozent ausmacht. […] „Ein medialer Seitensprung…“ weiterlesen

Ulrich Wickert nimmt Witterung auf

Die Wahrheit über die Lügenpresse

Ulrich Wickert, einst „Mr. Tagesthemen“, hat kürzlich der „Wirtschaftswoche“ ein Interview gegeben, in dem er einen außergewöhnlich interessanten Gedanken äußerte. Er vermutete, der berüchtigte Begriff „Lügenpresse“ könnte vom russischen Geheimdienst KGB in Umlauf gebracht worden sein. Nun existiert das KGB zwar schon seit etlichen Jahren nicht mehr – aber egal. Das ist ein verzeihlicher Irrtum, immerhin ist Wickert schon länger nicht mehr im tagesaktuellen Nachrichtengeschäft. Jedenfalls ist „Ulrich Wickert nimmt Witterung auf“ weiterlesen

Vorsicht! Kika-Putin!

Vor Kurzem saß ich mit meinen beiden Kindern – Mädchen (4), Junge (7) – mal wieder vor der Glotze. Kinderkanal (Kika) war angesagt. Offen gestanden, mich nervt dieses Programm – von ein paar rühmlichen Ausnahmen abgesehen: Da ist die beachtliche Kinder-Nachrichtensendung „Logo“, da sind ein paar intelligent gemachte Wissenssendungen für die schon etwas Älteren („purplus“, „Wissen macht Ah!“…). Aber sonst? „Vorsicht! Kika-Putin!“ weiterlesen