Dem Täter auf der Spur

Wer ist schuld an der Wahlniederlage Hillary Clintons? Putin und Assange? Oder doch FBI-Direktor James Comey? Sicher ist: Es geht um E-Mails. Aber um welche E-Mails genau? Da ist in den letzten Wochen einiges durcheinandergeraten. Hier eine kleine Erinnerung – in Form einer „Nachrichtenkritik“ für das SWR 2-Magazin Mehrspur (gesendet am 29. Januar 2017). „Dem Täter auf der Spur“ weiterlesen

Aleppo

„Ist Aleppo verloren?“, fragte Anne Will vor gut zwei Monaten. Die Sorge um die Menschen im Ostteil der Stadt stand ihr ins Gesicht geschrieben. Seither haben die Dinge unerbittlich ihren Lauf genommen. Und die düsteren Ahnungen der ARD-Gesprächsleiterin sind wahr geworden. Ja, Aleppo ist verloren.

Doch für wen ist Aleppo verloren? Die Antwort liegt auf der Hand: Für uns natürlich. Als vor vier Jahren jene Kräfte, die man im Westen wahlweise als „Aufständische“, „Rebellen“ oder schlicht „Opposition“ bezeichnet, sich des Ostens der Stadt bemächtigten, erschien das vielen als gute Sache. Der angestrebte Regime Change machte Fortschritte, der „Schlächter Assad“ stand unter Druck.

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So geht guter Journalismus

In meinem Buch „Lückenpresse“ kritisiere ich schlechten Journalismus. Was ich unter gutem Journalismus verstehe, sage ich eher indirekt. Lediglich im letzten Kapitel entwickele ich einige Maximen.

Der Einwand liegt auf der Hand: „Alles gut und schön, aber kannst Du uns mal ein Beispiel nennen? Wie sieht guter Journalismus konkret aus, also in der Praxis?“ Bitte, hier sind gleich zwei Beispiele. Sie stammen aus ein und demselben Medium, dem „Independent“. „So geht guter Journalismus“ weiterlesen

Zahlen zählen…

18. September 2016: Duma-Wahlen in Russland, Abgeordnetenhauswahlen in Berlin, dazu Demonstrationen gegen TTIP und CETA in  deutschen Großstädten. Da liefen in den Nachrichtenredaktionen jede Menge Zahlen auf. Nicht leicht, den Überblick zu behalten.  Einige haben ganz schön draufgezahlt. Hier zum Nachhören meine Nachrichtenkritik für das SWR 2-Magazin „Mehrspur“ (gesendet am 02.10.2016).

Vom Wachhund zum Kampfhund?

Mainstreammedien in der Krise

Jeremy Corbyn hat der britischen Labour Party neues Leben eingehaucht. Seit der Parteilinke im September 2015 per Urwahl überraschend klar zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde, erfreut sich die Partei eines ungeahnten und überwältigenden Zustroms neuer Mitglieder. Doch Corbyns innerparteiliche Gegner, die Anhänger des früheren Labour-Chefs Tony Blair, wollen sich mit dem Macht- und Richtungswechsel nicht abfinden. Statt den Willen der Parteibasis zu akzeptieren, lassen die „Blairites“ nichts unversucht, Corbyn das Leben schwer zu machen und ihn zu stürzen.
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ARTE und „Der Fall Magnizki“ – Update

Am 30. April 2016 hatte ich an dieser Stelle über den von ARTE angekündigten und dann abgesetzten Dokumentarfilm Der Fall Maginzki des russischen Journalisten Andrei Nekrasov berichtet. Auch eine geplante Vorführung des Films in den Räumen des Brüsseler EU-Parlaments musste kurzfristig abgesagt werden. Der britische Investment-Banker William Browder, der in dem Streifen nicht gut wegkommt, hatte mit rechtlichen Schritten gedroht. „ARTE und „Der Fall Magnizki“ – Update“ weiterlesen

Antisemitismus in der Labour Party?

„Ausfälle gegen Juden“, berichtet die Londoner Welt-Korrespondentin Stefanie Bolzen, „sind in der britischen Labour-Partei fast zur Normalität geworden“. In der FAZ fragt Raphael Gross besorgt: „Was ist nur mit der Labour Party los…?“ Und er will wissen: „Warum spielen Teile der Linken den Holocaust herunter?“ Die NZZ spricht in ihrer Schlagzeile kurzerhand – und in jeder Hinsicht unangemessen – von „Corbyns Schmuddelecke“. Der Tenor dieser und anderer Beiträge in deutschsprachigen Medien ist eindeutig: Die britische Labour Party hat ein „Antisemitismus-Problem“. „Antisemitismus in der Labour Party?“ weiterlesen

Gergiev in Palmyra

Große Kunst gegen nackte Barbarei. Am 5. Mai 2016 konzertierte das Sankt Petersburger Mariinsky-Sinfonieorchester unter seinem Dirigenten Valeri Gergiev im syrischen Palmyra. Ein musikalisches Großereignis. Es hätte globale Aufmerksamkeit und Bewunderung, weltweiten Beifall verdient gehabt. Jedoch, wie reagierten westliche Medien auf diese grandiose Manifestation für Frieden und Humanität? Sie dekuvrierten sich selbst, von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen. Ein intellektuelles Armutszeugnis, eine moralische Bankrotterklärung, eine Schande. „Gergiev in Palmyra“ weiterlesen

Dark Alliance

Wie der große Journalist Gary Webb in den Tod getrieben wurde

Dark Alliance – unter diesem Titel veröffentlichte der kalifornische Journalist Gary Webb im August 1996 eine Artikelserie, in der er eines der schmutzigsten Kapitel US-amerikanischer Politik im 20. Jahrhundert aufdeckte. Seine Enthüllungen sind Webb teuer zu stehen gekommen. Was zum Auftakt einer großen journalistischen Karriere hätte werden können, endete wenige Jahre später in einer Tragödie. Verarmt, desillusioniert und einsam, schoss sich Gary Webb im Dezember 2004 zwei Kugeln in den Kopf. „Dark Alliance“ weiterlesen

ARTE und „Der Fall Magnizki“

Für den 3. Mai, den “Tag der Pressefreiheit”, hatte der Fernsehsender ARTE einen fast zweistündigen Dokumentarfilm des russischen Journalisten Andrei Nekrasov angekündigt: „Der Fall Magnizki“. Nun wurde der Film, an dem das ZDF als Koproduzent beteiligt war, kurzfristig abgesetzt. Ein Vorgang, aus dem man einiges lernen kann.

„Andrei Nekrasov wollte die Geschichte eines modernen Helden verfilmen“ – so hieß es einst in der Programm-Ankündigung von ARTE. Die Heldenrolle sollte der russische Steueranwalt Sergej Magnizki übernehmen. Er hatte einen gewaltigen Betrugsfall – die „ARTE und „Der Fall Magnizki““ weiterlesen

„Krieg der Medien“

Unter diesem Titel beschäftigte sich die WDR 3-Literatursendung „Gutenbergs Welt“ am 17.04.2016 mit neuen Büchern zur aktuellen Mediendebatte. U.a. sprach Moderator Walter van Rossum mit Uwe Krüger über dessen Buch „Mainstream“. Ich habe Julia Cagés „Rettet die Medien“ rezensiert. „„Krieg der Medien““ weiterlesen

Medienkritiker unter sich

Die „etablierten Medien“ stecken in der Krise. Als wäre der Kampf vieler Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunkanstalten um Werbekunden, um Quoten, Auflagen und Online-Klicks, nicht schon strapaziös genug, machen nun auch noch martialische Vorwürfe die Runde. Da ist pauschal von „Lügenpresse“ und „Systemmedien“ die Rede. „Medienkritiker unter sich“ weiterlesen

Wenn der Iwan kommt…

Hannes Hofbauers Buch über das „Feindbild Russland“

Als kleiner Steppke spielte ich gerne Mäuschen, wenn ein paar ältere Männer aus unserem kleinen Eifeldorf die Köpfe zusammensteckten, um die großen politischen Fragen der Zeit zu verhandeln. Das war in den 1960er Jahren, im Kalten Krieg. Die weltpolitischen Zeichen standen zwar schon ein wenig auf Entspannung, aber das hatten besagte Männer, allesamt Weltkriegsteilnehmer, noch nicht mitbekommen. Und so politisierten sie munter drauf los. „Politisierende Eckensteher“ nannte der Dichter Adolf Glaßbrenner solche Leute.

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Wer rettet die Medien?

Drei neue Bücher zur aktuellen Mediendebatte

Die aktuelle Mediendebatte hat endgültig den Buchmarkt erreicht. Drei neue Titel sind im März 2016 erschienen. Die Pariser Medienökonomin Julia Cagé denkt darüber nach, wie wir die Medien, gerne auch als „vierte Gewalt“ bezeichnet, gegen den Kapitalismus verteidigen könnten. „Rettet die Medien“ heißt ihr bei C.H. Beck verlegtes Buch, in dem sie mit konkreten Vorschlägen aufwartet. Unter dem Titel „Mainstream“ (ebenfalls bei Beck) erklärt der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Krüger, „warum wir den Medien nicht mehr trauen“. Und „Redaktionsschluss. Die Zeit nach der Zeitung“ heißt ein Buch, das Stefan Schulz im Hanser-Verlag veröffentlicht hat. Darin widmet sich der ehemalige Feuilleton-Redakteur der FAZ Themen, die in der gegenwärtigen Diskussion eine eher untergeordnete Rolle spielen und wirft einen Blick in die Medienzukunft.

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Nach dem Terror – vor dem Terror

Die mediale Bearbeitung der gestrigen Terroranschläge in Brüssel lief ab, wie man sie erwarten musste. Während der Terror längst Grenzen überschreitet, hielten sich die Sondersendungen von ARD und ZDF in einem eng gesteckten Rahmen.

Im Vordergrund standen Entsetzen, Schock, Trauer. Dann die Fragen: Wie wurden die Attacken ausgeführt? Wer sind die Täter? Gab und gibt es „Sicherheitslücken“? Und: Stehen uns weitere Anschläge bevor? Wie groß ist die aktuelle Gefahr? Was könnte man dagegen tun? Nicht fehlen durften selbstverständlich pathetische Worte von Merkel, Gauck, de Maizière: tiefe Betroffenheit, der Verweis auf die europäischen Werte, die Entschlossenheit im Kampf gegen den Terror. Und so weiter.

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Ein medialer Seitensprung…

…zum Glück ohne Folgen

Von Zeit zu Zeit gehe ich medial fremd – und konsultiere russische Nachrichten-Websites. Das ist zwar nicht politisch korrekt, aber es macht Spaß. Gestern zum Beispiel erlebte ich wieder einen unvergleichlichen Höhepunkt. Sputniknews meldete: Fast die Hälfte aller leitenden Positionen in russischen Unternehmen ist zurzeit von Frauen besetzt. Weiter hieß es:

„Damit ist Russland nun mit Abstand weltführend nach seinem Chefinnen-Anteil in der freien Wirtschaft. Frauen bekleiden 45 Prozent aller leitenden Stellungen, während insgesamt in der Welt der Anteil der Frauen-Leiterinnen nur 24 Prozent ausmacht. […] „Ein medialer Seitensprung…“ weiterlesen