So geht guter Journalismus

In meinem Buch „Lückenpresse“ kritisiere ich schlechten Journalismus. Was ich unter gutem Journalismus verstehe, sage ich eher indirekt. Lediglich im letzten Kapitel entwickele ich einige Maximen.

Der Einwand liegt auf der Hand: „Alles gut und schön, aber kannst Du uns mal ein Beispiel nennen? Wie sieht guter Journalismus konkret aus, also in der Praxis?“ Bitte, hier sind gleich zwei Beispiele. Sie stammen aus ein und demselben Medium, dem „Independent“. „So geht guter Journalismus“ weiterlesen

Unbelangbar?

Thomas Meyer: Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren. Edition Suhrkamp, 186 Seiten, € 15.-

26. März 2014: Im „heute-journal“ des ZDF kommt es zu einem Eklat. Das Fernsehstudio wird zum Gerichtssaal. In der Rolle des Staatsanwalts: Claus Kleber, der eigentlich fürs „moderieren“, also mäßigen, bezahlt wird; in der des Angeklagten: Joe Kaeser, Vorstandschef der Siemens AG. Der Vorwurf: Während der sich aufheizenden Ukraine-Krise hatte Kaeser eine Geschäftsreise unternommen, ausgerechnet nach Russland, ausgerechnet zu Wladimir Putin. Aus Klebers Sicht war damit die rote Linie überschritten. Wie auch immer man das bezeichnen will, was der „Alpha-Journalist“ mit seinem Gast veranstaltete – ein „Interview“ war es nicht. Zwei Tage später sieht sich Kleber selbst an den Pranger gestellt, und zwar durch einen anderen Alpha-Journalisten, den inzwischen verstorbenen FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher. In einem zornigen Artikel rechnet er mit seinem Kollegen gnadenlos ab, geißelt dessen „journalistisches Übermenschentum“, wirft ihm vor, statt eines Interviews ein inquisitorisches Verhör abgeliefert zu haben. „Unbelangbar?“ weiterlesen