Über anderthalb Jahrzehnte – von 1933 bis 1949 – verbrachte der Schriftsteller Bernard von Brentano im Schweizer Exil (siehe auch meinen Beitrag vom 15. Juni 2026). Dort schrieb er nicht nur sein Hauptwerk Theodor Chindler, sondern auch den beklemmenden Roman Prozess ohne Richter, den er 1937 im Amsterdamer Exilverlag Querido veröffentlichen konnte. Er schildert in betont-nüchterner, gleichwohl eindringlicher Form das Schicksal des Mathematikprofessors Klitander und seiner Frau Fine, die – ohne erkennbare Schuld – in die Mühlen einer autoritären Staatsmacht geraten und zugrunde gehen. Das Buch ist derzeit nur antiquarisch zu erwerben. Hier ein kleiner Ausschnitt – Klitanders Verhaftung.
„Bernard von Brentano 1937“ weiterlesenMonat: August 2026
Hans Kohn: Bürger vieler Welten
Der Sozialwissenschaftler und Historiker Hans Kohn (1891-1971) gehört zu den wichtigsten Nationalismus-Forschern des 20. Jahrhunderts. Geboren und aufgewachsen in der deutsch-jüdischen Gemeinschaft in Prag, geriet er während des Ersten Weltkriegs mehrere Jahre in russische Gefangenschaft, gelangte über Sibirien und Japan zurück nach Europa, übersiedelte 1925 nach Palästina, revidierte diese Entscheidung vier Jahre später und wanderte schließlich über Zwischenstationen in Europa nach Amerika aus, wo er an renommierten Universitäten lehrte. Kohn war ein „Bürger vieler Welten“ – so auch der Titel seiner 1964/65 publizierten Autobiografie. Daraus nun ein Auszug, in dem der Autor die Situation in Prag zwischen der 48er-Revolution und dem Ersten Weltkrieg skizziert.
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