Tolstoi-Zitate (VI)

Aus Eines ist not. Über die Staatsmacht (1905)

Inzwischen ist die auf Gewalt gegründete Lebensführung den Menschen so zur Gewohnheit geworden, daß sie sich kein gemeinsames Leben ohne Regierungsmacht vorstellen können; und sie haben sich sogar derart daran gewöhnt, daß sie selbst das Ideal eines vernünftigen, freien, brüderlichen Lebens durch die Regierungsmacht, d.h. durch Gewalt, zu verwirklichen suchen.

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Tolstoi-Zitate (V)

Aus Eines ist not. Über die Staatsmacht (1905)

So werden die Menschen aller ihrer natürlichen Rechte beraubt, und der größte Teil ihrer Arbeit wird ihnen genommen, um einem schlechten Werke zu dienen; sie werden unmerklich derart in die überall aufgestellten Fangnetze verstrickt, daß sie ebenso Sklaven der Regierung werden, wie andre Sklaven von Sklavenbesitzern sind, nur mit dem Unterschiede, daß die Sklaven von Sklavenbesitzern Sklaven guter und moralischer Herren sein können, die Regierungssklaven aber oft genug Sklaven der verderbtesten, grausamsten und verlogensten Leute sind.

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Tolstoi-Zitate (IV)

Aus Patriotismus und Regierung (1900)

Wenn die Regierungen früher notwendig waren, um ihre Völker vor Überfällen zu schützen, so sind sie jetzt im Gegenteil gerade diejenigen, die künstlich den Völkerfrieden stören und Zwietracht unter den Völkern säen.

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Tolstoi-Zitate (III)

Aus Patriotismus und Regierung (1900)

Ich hatte schon mehrmals Gelegenheit, den Gedanken auszusprechen, daß der Patriotismus für unsere Zeit ein unnatürliches, unvernünftiges, schädliches Gefühl sei, welches einen großen Teil der Übel verursache, unter denen die Menschheit leidet, und daß daher dieses Gefühl nicht genährt und groß gezogen werden müßte, wie es jetzt geschieht, sondern im Gegenteil unterdrückt und durch alle Mittel, die vernünftigen Menschen zugänglich sind, vernichtet werden sollte.

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Tolstoi-Zitate (II)

Aus Du sollst nicht töten! (1910)

Wenn Könige durch Gerichtsurteile hingerichtet werden, wie Karl I., Ludwig XVI. und Maximilian von Mexiko es wurden, oder wenn sie in Palastrevolutionen ermordet werden, wie Peter III., Zar Paul und verschiedene Sultans und Schahs, verliert gewöhnlich kein Mensch ein Wort darüber; aber wenn sie ohne Gerichtsurteile und ohne Palastrevolutionen ermordet werden, wie Heinrich IV., Alexander II., die Kaiserin von Österreich, der Schah von Persien und kürzlich König Humbert von Italien wurden, so erregen solche Mordtaten die größte Verwunderung und Entrüstung unter Königen, Kaisern und denen, die ihnen nahestehen, als wenn sie selber nie an Mordtaten teilgenommen, sie nicht selbst befohlen und sich ihrer für ihre Zwecke nicht selbst bedient hätten.

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Vom Alpha-Journalisten zum Dissidenten

Erinnerungen von (und an) Günter Gaus

Vor fünfzehn Jahren, im Mai 2004, verstarb Günter Gaus, einer der bekanntesten und einflussreichsten deutschen Publizisten nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenige Monate nach seinem Tod erschienen unter dem Titel „Widersprüche“ seine unvollendet gebliebenen Lebenserinnerungen. Ich hatte sie seinerzeit rezensiert – hier der Text zum Nachlesen. „Vom Alpha-Journalisten zum Dissidenten“ weiterlesen

Verachtete Völker (II)

R.L. Stevenson über Indianer

Im vorangegangenen Beitrag hatte ich Robert Louis Stevensons Buch Emigrant aus Leidenschaft vorgestellt und eine längere Passage aus dem Kapitel „Verachtete Völker“ zitiert, die vermutlich Anfang der 1880er Jahre verfasst wurde und den Hass weißer Europäer und Amerikaner auf chinesische Menschen beschreibt und kritisiert. In der folgenden Passage spricht Stevenson über das Schicksal der Indianer. „Verachtete Völker (II)“ weiterlesen

Verachtete Völker (I)

R.L. Stevenson über Chinesen

Im Sommer 1876 hatte Robert Louis Stevenson in Frankreich die verheiratete Amerikanerin Fanny Osbourne kennenglernt. Die beiden verliebten sich. Als Fanny zwei Jahre später in die USA zurückkehrte, folgte ihr Stevenson im August 1879 mit dem Ziel, ihre Scheidung zu erwirken und sie zu seiner Frau zu machen. „Verachtete Völker (I)“ weiterlesen

Lebensfäden

Erinnerungen von (und an) Ekkehart Krippendorff

Vor einem Jahr, am 27. Februar 2018, verstarb der Politikwissenschaftler und Autor Ekkehart Krippendorff. Seine Autobiografie „Lebensfäden“ war 2012 erschienen – nach wie vor eine lohnende Lektüre.

Ein typisch-deutscher Professor ist Ekkehart Krippendorff nie gewesen. Die Universitätslaufbahn des 1934 geborenen Politikwissenschaftlers war von zahlreichen Konflikten begleitet.

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Nutzen der Geschichte

Von Georg Kaiser (1878-1945)

 

Lernt nur Geschichte! – Lernt sie um und um

und laßt euch keinen Zwischenfall entgehn.

Lernt unaufhörlich. Lernt euch krumm und dumm

mit der Jahrtausende Geschehn.

 

Was nachher kommt, erkennt ihr dann voraus

und jede Nuß ist knackend ausgekernt.

Nichts ändert sich. Es wird der alte Graus.

Als Warnung lernt Geschichte. Lernt!

 

Die graue Eminenz

Anmerkungen zu Hans Globke (1898-1973)

Auf den Tag genau vor 120 Jahren, am 10. September 1898, erblickte Hans Josef Maria Globke das Licht der Welt. Er wurde zu einer der fragwürdigsten Gestalten in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts und stand für deren mitunter frappierende Kontinuität. Während der NS-Zeit verfasste er den maßgeblichen Kommentar zu den Nürnberger Rassengesetzen, nach dem Zweiten Weltkrieg war er viele Jahre Chef des Bundeskanzleramts und die „graue Eminenz“ der Adenauer-Ära. 2009 hatte ich einige Bücher zum Fall Globke für die Süddeutsche Zeitung rezensiert. Hier der Artikel zum Nachlesen. „Die graue Eminenz“ weiterlesen

Mythos Kanonenbahn

Schienenstrang zu Feind und Freund

Bauprojekte von gigantischen Ausmaßen gibt es nicht erst in unseren Tagen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Preußen-Deutschland eine Eisenbahnlinie, die hierzulande bis heute ihresgleichen sucht. Die legendäre „Kanonenbahn“, wie sie im Volksmund genannt wurde, verband die Hauptstadt Berlin mit der Festungsstadt Metz, die nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 zu Deutschland gehörte. „Mythos Kanonenbahn“ weiterlesen

100 Jahre Oktoberrevolution

Zu Stephen Smiths Buch Revolution in Russland

Zum hundertsten Jahrestag der russischen Oktoberrevolution sind zahlreiche Bücher unterschiedlicher Qualität erschienen. In mehrfacher Hinsicht herausragend ist die umfangreiche und akribische Studie des Oxforder Historikers Stephen A. Smith. Das fast zeitgleich in Großbritannien und Deutschland publizierte Buch gehört zum Besten, was je zu diesem Thema geschrieben wurde.
„100 Jahre Oktoberrevolution“ weiterlesen

Schöne alte Bücherwelt

Antiquariate und ihre Kunden

Alte Bücher haben Menschen seit jeher fasziniert – und manch einen ins Verderben gestürzt. Der legendäre Magister Tinius wurde sogar zum Räuber und Totschläger, um sich in den Besitz begehrter Druckwerke zu bringen. Bibliomane Exzesse wie dieser sind zwar Ausnahmen, doch Leidenschaft ist bei den Jägern und Sammlern alter Bücher fast immer im Spiel; nicht minder bei den Antiquaren, die in ihren Ladengeschäften, auf Auktionen oder Messen und seit einigen Jahren auch verstärkt im Internet ihre Schätze zum Verkauf anbieten.

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Das ganze Leben ist ein Quiz

Über Risiken, Gefahren – und Heuchelei

Haben Risiken in den vergangenen Jahrzehnten objektiv zugenommen – an Zahl und Größe? Oder sind wir nur sensibler für alle möglichen Gefährdungen geworden? Sind Risiken überhaupt real, gibt es sie wirklich, lassen sie sich zweifelsfrei nachweisen, gar messen? Oder sind sie lediglich Konstrukte, die von Wissenschaftlern, Medien oder wem auch immer (und wozu auch immer) erzeugt werden? „Das ganze Leben ist ein Quiz“ weiterlesen